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"Deutschland sucht den Superstar": Kiffen, voten und warten

Einmal Geschwindigkeit, einmal Gefühl - die DSDS-Kandidaten sollten sich bei der sechsten Mottoshow von DSDS als vielseitige Sänger präsentieren. Zudem versprach die Show dank sorgsam gestreuter Drogen-Gerüchte im Vorfeld einiges an Aufregung. Doch dann kam alles doch wieder ganz anders.

Von Malte Krebs

Rania ist nun raus, soviel vorweg. Und das Ergebnis war eigentlich schon vorher klar: Drei Kandidaten sind gut, eine ist mäßig und eine ist mies. Nachdem Rania letztes Mal ihren freiwilligen Ausstieg angekündigt und wieder zurückgenommen hatte, wurde ihr nun die Entscheidung von den Zuschauern abgenommen. So schnell hätte es gehen können, doch vor der Entscheidung haben die Macher von DSDS das Martyrium vorgesehen. Und das geht so: Am Ende kommt nach dramatischen Anruf-Appellen der Countdown, das Studiopublikum ruft die Namen der jeweiligen Favoriten und nach dem Voten kommt das Warten auf das Votum. "Spannung aufbauen" nennt sich dieser dramaturgische Programmpunkt wohl. Dieser Kunstgriff war ebenso nötig wie wirkungslos, denn wirkliche Überraschungen fehlten in der Show. Dabei hatte man sich vorher doch so um einen Skandal bemüht.

Letzte Woche witterten einige Spürnasen angeblich Haschisch-Geruch in der DSDS-Kandidatengarderobe. Es gab Gerüchte, dass die Niederländerin Rania dort gekifft habe. Doch auf Dieters Drohungen gab es sofort Dementis von RTL, DSDS sei nach wie vor völlig drogenfrei. Dennoch sprach Rania im Vorfeld der Sendung von "Mobbing", der Bohlen wolle sie loswerden. Tränen und Tiraden schienen in der Show vorprogrammiert. Doch nichts dergleichen. Als ihr Ausscheiden endlich bekannt gegeben wurde, reagierten alle Beteiligten gefasst. Am gefasstesten Rania: "Ist doch egal." Etwas mehr Dramatik hätte man sich schon gewünscht. Doch der Reihe nach.

Geschwindigkeit und Gefühl

Die Teilnehmer werden weniger, die musikalische Messlatte musste etwas höher gehängt und die Sendezeit gefüllt werden. Also sollten sich die Kandidaten diesmal jeweils zwei Songs aussuchen. Denn das war das Thema in der sechsten Mottoshow von DSDS: ein "Partykracher" und eine akustische Ballade. Eigentlich recht einfach: einmal Geschwindigkeit und einmal Gefühl. Dennoch wollte es Moderator Schreyl von Dieter Bohlen genau wissen: Was ist eigentlich der Unterschied? "Das ist einfach schwer, sich da so konträr auszudrücken: Bei der ersten Partynummer musst du Randale machen ohne Ende, Hände hoch und Senf an die Decke! Und bei der zweiten Nummer dann wieder auf die Gefühlsschiene."

Den Anfang machte Linda Teodosiu, die zuletzt als leicht bekleidetes Titel-Girl der "Bravo" von sich Reden machte. Im kleinen Schwarzen interpretierte sie "I Will Surive" von Gloria Gaynor. Danach wurde die Bühne blau und das Tempo langsam: die Ballade "The Voice Within" von Christina Aguilera, gesungen auf einem Hocker bei gedimmten Licht, begleitet von Akustikgitarren und Geigen. Wie man das halt so kennt. "Die leisen Töne passen besser zu dir", war sich Dieter Bohlen sicher. Also wurde Linda nach ihren stimmgewaltigen Auftritten wieder das kleine 16-jährige Mädchen. Kleinlaut ließ sie sich bewerten und bedankte sich artig bei der Jury.

"Die Strophen sind Katastrophen"

Dann von Rania der nächste "Partykracher", wie Herr Schreyl nicht müde wurde anzumoderieren. Vorher gab ihre Mutter ihr den Rat: "Sing' als ob es das letzte Mal wäre auf der Bühne." Und das tat sie. Zu "I'm So Excited" von den Pointer Sisters tänzelte sie in ihrem Paillettenkleid wie ein Silberfischchen über die Bühne und traf keinen einzigen Ton. Im Sitzen wurde ihr "Save The Best For Last" von Vanessa Williams kaum besser. Immerhin zupften die Gitarristen um sie herum weiter tapfer die Saiten. "Die Strophen sind Katastrophen" lästerte Bär Läsker, wollte vor Grauen gar in ein Stück Holz beißen. "Gesanglich bist du die schwächste" urteilte Juror Bohlen ungewohnt sachlich, die Kritisierte konnte nur zustimmen: "Das finde ich auch." Damit war der weitere Verlauf nun für alle Beteiligten absehbar.

"Let's Get Loud"! Mit Kleidchen und Stiefelchen stapfte Monika Ivkic danach durchs Publikum und spielte wenig überzeugend die verwegene Latin-Lopez. "Ich weiß, ich habe Persönlichkeit. Ich weiß, ich bin ich selber, also mach ich mir da keinen Kopf." Selbstbewusst erklärte die 18-Jährige ihre Identitätssuche für abgeschlossen und hetzte danach mit kleinen Schluchzern und intensiven Gesten durch ihre Version von Roberta Flacks Dauerbrenner "Killing Me Softly".

Protestsong statt Partytrack dachte sich wohl Thomas Godoj, sang "You Get What You Give" von den New Radicals und brachte trotz einiger Textunsicherheiten seine verhaltene Absage an den Medienrummel über die Bühne. Mit entrücktem Gesichtsausdruck rollte er danach zu "Behind Blue Eyes" von The Who derart intensiv mit den Augen, dass das Publikum Zugaben forderte. Doch nun kam der rotierende Beckenboden von Fady Maalouf zum Einsatz: mit aufgeknöpftem Hemd, satter Crooner-Stimme und "Never Gonna Give You Up" von Rick Astley machte er den Travolta. Nachdem der geballten Körperlichkeit dabei einige Textzeilen zum Opfer fielen, verschwamm das Bild in Unschärfe und der "Kuschelbär" (Dieter Bohlen) kehrte wieder zurück in sein Metier: zur Schmacht-Schnulze "All By Myself" von Eric Carmen.

"Rockt euch mal mehr den Arsch auf!"

Und als wäre das alles nicht schon vorhersehbar genug gewesen, kam dann auch noch ein alter Bekannter auf die Bühne: Mark Medlock, der Gewinner der vierten Staffel. Schon zu Beginn der Sendung wurde er als "Special Guest" angekündigt und hatte seinen DSDS-Nachfolgern zurufen: "Rockt euch mal mehr den Arsch auf!" Allein, für seinen Auftritt schien das nicht zu gelten. Nach zwei Mal Gold, zwei Mal Platin und mehr als einer Million verkaufter Platten präsentierte er seine neue Singleauskopplung nur mäßig lippensynchron. Denn das Live-Singen ist bei DSDS ein Privileg, das man nur den Kandidaten zugesteht. Wenigstens gab er noch einen sachdienlichen Hinweis bezüglich Dieter Bohlen und der Verhaltensmaßregeln für die Kandidaten: "Wenn der Drecksack was sagt, dann hat er meistens Recht."

Derweil saßen die verbliebenen Kandidaten etwas verloren auf ihren Kandidatenwarteplätzen, die wohl nicht zufällig Ähnlichkeit mit den für kurze Aufenthalte vorgesehenen Sitzplätzen an Flughäfen oder Bahnhöfen haben.

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