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TV-Kritik

"Promi Big Brother" - Tag 2: Brust raus, Hirn rein

Während man es sich oben zwischen Schnittchen und Sekt gemütlich macht, darbt die Unterschicht bei "Promi Big Brother" weiter zwischen Ratten, Essen aus dem Schweineeimer und der schlimmsten Reality-Prüfung seit Ramona Leiß: der irrlichternden Edona James.

Von Ingo Scheel

"Promi Big Brother" - Tag 2

"Promi Big Brother" - Tag 2: Miese Stimmung in der Kanalisation bei Edona, Stephen, Natascha und Marcus (v. l.n.r.)

Die Umbaumaßnahme klingt einfach, jedenfalls aus dem Munde des Hybridprinzen Marcus aus der Anstalt: 300g weniger Brust wären gut, dafür 100g mehr Hirn. Der Mann mit den Megabrauen spricht natürlich von Edona James, der depressiven Duse des Untergrunds, deren Synapsen am zweiten Tag down under erst so richtig beginnen, funkensprühend durchzubritzeln. Dem Gesamt-Brustvolumen wäre die royale Rechnung nur wenig abträglich: Links 1,7 Kilo, rechts 1,7 Kilo sind es in Summe - das verkündete Edona in einem ihrer wenigen lichten Momenten. Die Milchhupen-Rechnung ist simpel - nimmste ein halbes Pfund, fällt das doch kaum ins Gewicht.

Ansonsten terrorisierte the Devil in Miss James ihre WG-Nachbarn mit weiterhin ungebrochener Verve, als hätte man zwischen Essen aus dem Schweineeimer, Rattenplage und Sanitärdefizit nicht genug andere Sorgen. Diesmal triggerte der  Bewegungsdrang der angemüdeten Meute ihr Cholerik-Chakra. Die machten aus Langeweile ein wenig Keller-Aerobic. Die Folge: Schweiß. Gestank. Ausdünstungen. In einer Art dadaistischem Dreisatz ging das bei Frau James binnen Sekunden von "Ihr riecht sehr unangenehm" über "Ihr stinkt abartig" bis hin zu "Ihr stinkt wie Scheiße". Folgerichtiger Move der olfaktorisch so arg Gebeutelten: ein Nickerchen in der Raucherecke. Tsss, kannste Dir nicht ausdenken.

"Promi Big Brother": Aus dem Verlies ins Fressparadies
Edona James ist längt nicht die einzige Container-Bewohnerin, die pralle Tatsachen vorzuweisen hat. Das bewies die "Bachelor"-Kandidatin Jessica Paszka. Demonstrativ nahm sie im Kellerverlies eine kalte Dusche.

Edona James ist längt nicht die einzige Container-Bewohnerin, die pralle Tatsachen vorzuweisen hat. Das bewies die "Bachelor"-Kandidatin Jessica Paszka. Demonstrativ nahm sie im Kellerverlies eine kalte Dusche.

Pralle Parolen bei "Promi Big Brother"

Genau dort zeigte sich dann aber auch, dass unter ihrer privaten Medizinball-Abteilung möglicherweise doch ein menschliches Herz schlägt. Stephen Dürr, mental auch nicht mehr so ganz auf der Höhe, hatte erneut sein Rainman-Mikado aus Streichhölzern ausgelegt und erwischte damit den verborgenen Softspot von Mr. Ed. "Das sind so Kleinigkeiten, die mich sehr, sehr berühren", stammelte Edona und sah dabei zum wiederholten Male so aus, als hätte sich Lorielle London aus Donatella Versace ein Kleid genäht und übergezogen.

Tatsächlich hat es für sie diesmal nur zum Sprüche-T-Shirt gereicht: "Lass mich jetzt - ich muss mich da reinsteigern" prangt in gewölbten Lettern auf dem Altkleider-T-Shirt und man kann nicht behaupten, dass die James sich diese Parole nicht zu Herzen nimmt. Der Grund dafür - und das können sich alle bitteschön mal hinter die Ohren, also hinter die richtigen, schreiben: "Dies ist ein realistic format". Na gut, man ahnt ja ungefähr, was gemeint ist. Man ist ja schon dankbar, wenn man ihre Worte zumindest phonetisch versteht. Da muss man beim Sinn jetzt nicht so beckmesserisch werden.

Die Moderatoren von Promi Big Brother

Die Besserbewohner im Upper Deck

Im oberen Stockwerk gehen die Dinge einen ungleich gemächlicheren Gang. Voller Bauch streitet nicht gern, und so wird in der Luxusabteilung vornehmlich herumgesessen, ein bisschen am Schampus genippt und Smalltalk gemacht. Joachim Witt bekommt Komplimente für seinen Look - "Also, 67 Jahre sieht man dir wirklich nicht an".

Mario Basler heimst ein paar Popo-Props von seiner Ex-Nachbarin Natascha Ochsenknecht ein, die ihm den Allerwertesten gleich noch mit der Fusselbürste massiert, und Ben Tewaag scheitert jämmerlich an einem IchversteckeureKlamotten-Streich. Stattdessen reicht es nur zum Wäsche-Bekleckern mit ein wenig Spezi-Brause, was ihm die pragmatische Isa mit wittapohlesker Unerbittlichkeit und unversöhnlichem Wasch-das-Imperativ zurück vor den Latz knallt.

Überhaupt Isa Jank - in einem der wenigen psychedelischen Momente der Besserbewohner gab die Schauspielerin, die immerhin schon mal - wir werden es bestimmt noch öfter hören - in den USA gearbeitet hat, ihre Beweggründe fürs Mitmachen an dieser Primetime-Reha-Maßnahme zum Besten: "Weil das ein First ist". Was soviel bedeutet wie: Hat sie vorher noch nicht gemacht, nicht mal, Sie ahnen es vielleicht, in den USA. Ein First. Eine Premiere. Haben wir das also auch.

Cathy Lugner glänzt durch Nichtstun

Nicht viel los oben, wie man unschwer merkt - da trifft es sich gut, dass man so ausgeruht und unterfordert auch gern mal mit etwas weniger Schlaf auskommt. Die im Vorfeld bereits seemannsgarn-artig hochgejazzte Lautstärke von Super-Marios Schnarchen entpuppt sich tatsächlich als kolossale EverythingLouderthanEverythingElse-Attacke, die selbst db-gestählte Wacken-Gänger zum Ohropax hätte greifen lassen.

In der Challenge mussten sich die Kombattanten schließlich gefrorene Kleidungsstücke anziehen, was zur Folge hatte, dass zunächst Jessica und Frank, später auch Dolly Dollar in die Essensabteilung einziehen durften. Den Abstieg traten Ben Tewaag und Frau Ochsenknüppel an. Später wählte das Publikum noch die vor allem durch Nichtstun glänzende Cathy Lugner in den Keller hinab. Die verabschiedete sich überschwänglich. 90 Sekunden echte Gefühle. "Ich liebe euch alle". Na, wenn das Mörtel hört.