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Serie "Soulmates" Der Traumpartner kommt per App: So unromantisch war die große Liebe noch nie

Trailer zur neuen Serie Soulmate
Sehen Sie im Video: Dating in den 2030er Jahren – Trailer zur neuen Amazon-Serie "Soulmates" (englisch).
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In der Serie "Soulmates", die Amazon jetzt zeigt, finden Menschen mit einem Test und einer App ihren perfekten Partner. Klingt nach der Lösung für alle Liebesprobleme? Unkomplizierter wird die Welt dadurch jedenfalls nicht.

Das haben wir uns doch alle gewünscht: Man unterzieht sich "dem Test" und bekommt dann über "die App" eine Meldung, sobald der optimale Partner ermittelt ist. Wobei Partner hier schon zu niedrig gegriffen ist, das System verbindet nichts weniger als Seelenverwandte. Die treffen sich dann einmal, sind völlig fasziniert voneinander, Irrtum (offiziell) ausgeschlossen.

So einfach funktioniert die Welt in "Soulmates". Die amerikanische Fernsehserie ist seit dieser Woche bei Amazon Prime Video zu sehen und zeigt, wie Liebe im digitalen Zeitalter funktionieren könnte. Nicht direkt im Jetzt, aber in einer Zukunft, in der die Menschen zwar durchsichtige Smartphones haben, sonst aber größtenteils so leben wie im Jahr 2021. Nur dass sich nahezu jedes Paar über den ominösen Test und die ominöse App gefunden hat. Wer noch auf klassische Art und Weise an seinen Partner gekommen ist, wird schräg angeschaut. Noch nie war die große Liebe so unromantisch.

App ermittelt den perfekten Partner

Keine lange Partnersuche, keine vergeblichen Dates, keine Körbe mehr – und dennoch bleibt die Welt auch in Zeiten der wissenschaftlich herbeigeführten Beziehungen kompliziert. Für das Paar, das sich auf ganz konventionelle Art und Weise durch 15 Jahre Ehe gekämpft hat. Für die Ehefrau, die glücklich mit einem Mann verheiratet ist und plötzlich eine Frau als perfekte Partnerin präsentiert bekommt. Für den jungen Mann, der endlich erfährt, wer die Frau seines Lebens ist – und dass diese schon tot ist. 

"Soulmates" nimmt sich viel Zeit, um in sechs Miniaturen die Vor- und Nachteile dieser (noch) fiktiven Art der Partnersuche zu ergründen. Sechs Mal hintereinander das gleiche Thema – auf eine Art ist das ermüdend, auf eine andere finden die Autoren immer andere Herangehensweisen. Sie zeigen, wie glücklich Liebe machen kann, aber auch wie verletzlich und manipulierbar. Auch das hat sich nicht geändert, seit die Algorithmen das Herz arbeitslos gemacht haben.

"Soulmates" auf Amazon Prime: Ein modernes Szenario für ein altes Problem

Geschrieben wurde die Serie von Emmy-Preisträger William Bridges und Brett Goldstein. Bridges zählt auch zu den Autoren von "Stranger Things" und "Black Mirror", dieser Einfluss ist kaum übersehbar. Das Rezept der Erfolgsserie "Black Mirror" wendet er auch hier an: bereits vorhandene technische Entwicklungen konsequent und gnadenlos bis zum Ende denken. Doch anders als "Black Mirror" ist "Soulmates" keine reine Dystopie: Die AMC-Serie gibt sich durchaus dem Gedanken hin, dass die Partnersuche durch die allwissende App ihre Vorzüge hat. Das Problem liegt in den meisten der sechs Beziehungsstudien ohnehin nicht bei den Paaren, die per App zusammengefunden haben. Meist sind es die Beziehungen, die bereits bestehen oder die sich unerwartet im Hier und Jetzt ergeben, die das Ganze so verworren machen.

Die Macher von "Soulmates" greifen ein modernes Phänomen – den Online-Dating-Trend – auf, um damit ironischerweise ganz altmodische Fragen zu verhandeln: Gibt es die eine Person fürs Leben? Und wenn man sie gefunden hat – ist dann alles gut? Ist es nicht. In unserer Welt nicht und auch nicht in jener 15 Jahre entfernten Zukunft. Und so vermittelt diese so weit nach vorne schauende Serie doch sehr konservative Werte: Im Alltag erfordert jedes Miteinander Geduld, Vertrauen, Arbeit und Zeit. Das bleibt wahrscheinlich immer so.


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