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TV-Tipp 27.10.: "Über uns das All": In Marseille scheint immer die Sonne

Wenn alle deutschen Debütfilme so gut wären, könnte Hollywood einpacken: Jan Schomburg hat ein Drama geschaffen, das seine Zuschauer wirklich überraschen kann. Unser TV-Tipp des Tages.

Großartiges Spiel: Sandra Hüller als Martha

Großartiges Spiel: Sandra Hüller als Martha

"Über uns das All" 20.15 Uhr, Einsfestival
DRAMA Wenn die perfekte Harmonie am Anfang eines Films steht, wissen wir, dass das Unheil schon hinter der nächsten Ecke lauert. Dummerweise halten viele Filmemacher ihre Zuschauer aber für so blöde, dass wir das Unheil nicht nur meilenweit riechen können, sondern genau wissen, wann es um die Ecke kommt, wie es aussieht und dass sein Mundgeruch nach Frikadelle müffelt.

Nicht so bei Jan Schomburg, dessen Debütfilm "Über uns das All" immer wieder clever die Erwartungen der Zuschauer unterläuft, gleich mehrere Haken in der Handlung schlägt und doch überraschend konsistent bliebt. Deshalb an dieser Stelle nur die rudimentärste aller Plotzusammenfassungen: Paul Sabel (Felix Knopp) ist Doktorand der Medizin. Martha (Sandra Hüller), seine Frau, arbeitet als Englischlehrerin in Köln. Beide planen nach Marseille auszuwandern, weil Paul dort in einem Krankenhaus arbeiten kann.

Schomburg kennt die Mechanismen des Dramas: In den ersten zwanzig Filmminuten etabliert der junge Regisseur und Drehbuchschreiber ein Heile-Welt-Szenario, unterläuft es aber gleichzeitig wieder. Unterschwellig spüren wir von Beginn an, dass irgendetwas nicht stimmt in dieser Beziehung. Eine frühe Eifersuchtsszene entpuppt sich als Spaß - und wirkt doch unangenehm nach. Kameraeinstellungen und Musik schwingen sich zu düsteren Vorboten des Unheils auf. Aber als es dann wirklich um die Ecke kommt - natürlich muss es das - erwischt es uns so unvorbereitet wie die Protagonisten des Films.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die süße Haut"
20.15 Uhr, Arte
DRAMA Der glücklich verheiratete Pierre (Jean Desdailly) verliebt sich in die junge Stewardess Nicole (Deneuve-Schwester Françoise Dorléac). Sein Versteckspiel nimmt kein gutes Ende... Läuft zum 30. Todestag von Regisseur Francois Truffaut (21.10.). Am 2.11. folgt "Die letzte Metro". (bis 22.10)

"28 Days Later"
22.25 Uhr, Kabel 1

ENDZEITHORROR Ein Virus entvölkert England, Untote taumeln durch den Regen; Fahrradkurier Jim (Cillian Murphy) sucht einen Ausweg. - 2002 verpasste Danny Boyle dem Genre eine Frischzellenkur. Für die Bilder aus dem apokalyptischen London gab's den Europäischen Filmpreis. (bis 0.45)

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