HOME

"Wer wird Millionär?": TV-Kritik: Zwei Schlauberger, ein Scheitern

Zum 25. Prominentenspecial seines Quiz hatte Günther Jauch einen besonderen Gast: sich selbst. Das Spiel mit seinem Double war amüsant, zum großen Wurf reichte es allerdings nicht.

Von Mark Stöhr

Jahrelang hat sich der "Klugscheißer aus Potsdam" (Jauch über Jauch) gedrückt. Jetzt war er dran. Zur Jubiläumsausgabe des Prominentenspecials von "Wer wird Millionär?" hatte sich Günther Jauch endlich selbst eingeladen. Mit schwarzem Anzug und goldener Krawatte, die Schultern zur charakteristischen Konfirmandenhaltung hochgezogen, saß er sich gegenüber. Wie er denn so privat sei, fragte Jauch sein Gegenüber, also Jauch. "Wahnsinnig langweilig", stöhnte er. Und warf sein Doppelkinn in Falten, wie es nur ein echter Jauch kann. Oder war es doch der falsche?

Der Schauspieler Michael Kessler ist ein begnadeter Parodist. Den Schlauberger-Duktus von Jauchs Sprache, seinen Lehrer-Lämpel-Gang beherrscht er meisterhaft. Schon seit über zehn Jahren imitiert er bei "Switch" Deutschlands populärsten Showmaster. Gestern standen sie zum ersten Mal zusammen auf der Bühne. Die Jauch-Jauch-Begegnung: ein Doppel, das nicht unbedingt brillierte, aber doch ganz gut miteinander auskam.

Jauchs Telefonjoker: Jauch

Bei den ersten sechs Fragen saß der echte Jauch auf dem Ratestuhl, danach nahm sein Double diesen Platz ein und kam bei der 32.000-Euro-Frage erstmals ins Schwitzen: "Wie heißt Günther Jauch mit zweitem Vornamen?" Kessler verlor für einen kleinen Moment die Fassung und musste lachen, fand wieder in die Rolle zurück ("Darf ich Mutter anrufen?") und entschied sich für den Telefonjoker. Dass bei Jauch das Handy klingelte, war schließlich eine Pointe, mit der zu rechnen war. Der Moderator brachte die Nummer danach auch nur mit Mühe zu Ende. Er ist einfach ein Zettelableser, kein Entertainer. Alles Spielerische scheitert an seiner Steifheit und wird früher oder später zum Hexenschuss.

Aber so erfuhr man immerhin, dass Jauch mit zweitem Vornamen Johannes heißt und bei einer InterRail-Tour mal ein Furunkel am Hintern hatte. Man erfuhr sowieso wieder vieles, das für Pausen- und Partygespräche noch mal nützlich werden könnte: Dass "Gesundheit!" in den US-amerikanischen Sprachgebrauch eingegangen ist. Dass "e" und "n" die beiden Buchstaben sind, die am häufigsten in deutschen Texten vorkommen. Und dass der vordere Teil eines Gurtes, der ins Schloss kommt, "Steckzunge" heißt.

"Potsdam gehört mir ja schon"

Die anderen prominenten Quizgäste waren bei diesen Günther-Jauch-Festspielen naturgemäß nur die Vorband für den Hauptact. Jürgen Drews, der ewig coole und ewig junge Karaoke-König von Mallorca, hatte eine solche Angst, sich zu blamieren, dass er schon bei der 100-Euro-Frage hing. Einen möglichen Schlüssel zum Geheimnis seines wirklich verblüffenden Aussehens – der Mann ist 67 und sieht aus wie 40 –, lieferte die Auswahl seiner Telefonjoker. Zu ihnen gehörte neben Wolfgang Bosbach auch Werner Mang, der Schönheitspapst vom Bodensee.

Cindy aus Marzahn durfte gegen die Regel zweimal bei Oliver Pocher anrufen, was ihr zweimal keine Antwort einbrachte. Sie war das bestellte pinke Energiepaket, wohingegen Felix Magath so bräsig vor sich hinschmunzelte wie immer. Es fehlte nur noch die obligatorische Tasse Ingwer-Tee. Magath kapitulierte bei der Frage, in wie vielen Ländern auf der Welt hauptsächlich Linksverkehr herrsche (Antwort: in über 50). Am Ende brachte er es – wie seine beiden Vorgänger – auf respektable 250.000 Euro.

Diese Hürde nahm der doppelte Jauch ohne größere Schwierigkeiten und stand am Ende tatsächlich vor der Millionenfrage. Es ging um Spermien und was für eine Länge herauskäme, wenn man eine Million von ihnen aneinander legen würde. Der Kessler-Günther tendierte zum Streichholz, stieg aber rechtzeitig aus. Richtig wäre die 50-Meter-Schwimmbahn gewesen. Vorher hatte der echte Jauch den falschen gefragt, was er denn mit einer Million Euro machen würde. Und der antwortete mit dem besten Gag des Abends: "Potsdam gehört mir ja schon, dann kauf ich halt Berlin."

Mark Stöhr
Themen in diesem Artikel