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Trotz mieser Quoten "Big Brother" kehrt zurück ins Fernsehen


Vier Jahre ist es her, dass der vorerst letzte "Big Brother"-Sieger gekürt wurde. Obwohl schon damals kaum jemand mehr zusah, startet am Dienstag die nächste Staffel. Das Konzept: Zurück zum Original.

Knappe sieben Millionen Zuschauer - das schafft heute kaum eine Show im Fernsehen. Am 9. Juni 2000 war das aber noch der Fall. Das Finale der ersten "Big Brother"-Staffel war fast ein nationales Ereignis. Ein gewisser John wurde nach 100 Tagen zum Sieger der Containershow unter Dauer-Kamerabeobachtung gekürt, strich 250.000 D-Mark ein und ging nach Hause. Kaum einer hörte mehr etwas von ihm.

Für die Produktionsfirma Endemol und den Sender RTL II war aber klar: Es muss weitergehen. Das Format mit der Grundidee, den Voyeurismus mit nackter Haut und Wutanfällen wohnzimmergerecht zu gestalten, wurde jedoch - wie die Branche es gerne bezeichnet - über die Jahre totgeritten. Am 12. September 2011 stand mit Rayo, der mit 125.000 Euro belohnt wurde, in der 11. Staffel der vorerst letzte "Big Brother"-Sieger fest - fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Deswegen war auch Schluss. Aber Fernsehen wäre nicht Fernsehen, wenn nicht immer wieder alte Ideen in ein neues Korsett gezwängt würden.

Zwölf Kandidaten in einem Raum

Am Dienstag (22.9., 20.15 Uhr) bittet der Privatsender Sixx, der zur ProSiebenSat.1 Media AG gehört, erstmals in seiner Sendergeschichte für die "Big Brother"-Neuauflage (Moderation: Jochen Bendel) zwölf Kandidaten für 92 Tage in den Fernseh-Container in Köln. Sie werden - wie damals vor 15 Jahren - in einem einzigen Raum wohnen, bis kurz vor Weihnachten. Aber haben sich die Zeiten nicht verändert?

Rainer Laux (54) ist Mann der ersten Stunde. Im Jahr 2000 saß der gebürtige Andernacher für die Produktionsfirma Endemol bereits an den Schalthebeln hinter den Kameras und bestimmte über das Schicksal der Kandidaten. Heute tut er es wieder. "Den Freundeskreis, die Familie und sich selbst zu filmen, ist heute ganz normal und der Umgang mit den Medien fast selbstverständlich", sagt Laux der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist auch nicht schädlich für das Format."

Zuschauer freuten sich über Kandidaten wie Zlatko

Vor 15 Jahren erzeugte "Big Brother" großen Wirbel: Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily erklärte, die Sendung verstoße gegen das Grundgesetz (Artikel 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar"), der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch plädierte für einen Zuschauer-Boykott, Katholiken und Frauenverbände liefen Sturm. Doch: Die Zuschauer schalteten, zumindest in der ersten Staffel, wie verrückt ein und freuten sich über Kandidaten wie den mazedonisch-schwäbigen Zlatko ("Sladdi"), der Shakespeare nicht kannte und darunter eine Biermarke verstand.

Kontroverse Diskussionen und die damit verbundene Anziehungskraft übt ein "Big Brother" im Jahr 2015 nicht mehr aus. Wie soll dann nur die Sendung funktionieren, wenn keiner über sie redet? "Aufmerksamkeit bekommen wir durch tolle Kandidaten, deren Beziehungen untereinander und die Ideen und Aufgaben, die wir für die Kandidaten haben", sagt Macher Laux. "Kritiker gibt es sowieso immer, "Big Brother" polarisiert - sonst wäre es ja auch langweilig."

"Big Brother" soll wieder salonfähig werden

Für den kleinen Sender Sixx, der sich hauptsächlich ums weibliche Publikum kümmert, könnte auch ein ganz klein bisschen Aufregung um "Big Brother" noch etwas Zuwachs bedeuten. "Wir wollen "Big Brother" wieder salonfähig machen", sagt Senderchefin Christina Kuby. "In den USA läuft gerade die 17. Staffel mit ungebrochenem Erfolg. Jetzt bekommt die erfolgreichste Reality-Show der Welt endlich auch in Deutschland wieder eine Chance."

Ziel sei es, die "Big Brother"-Fans zu Sixx zu holen und ihnen das Original-"Big Brother" zu geben, "auf das sie vier Jahre lang verzichtet haben". Das war sicher eine harte Zeit.

Carsten Rave DPA

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