Der Hype um Gaunerkomödien dauert seit den 1950er-Jahren an, als sich das Genre der sogenannten Heist-Filme etablierte. Die besten Beispiele für Action gepaart mit Humor sind wohl Popcornkino-Hits wie "Ocean's Eleven" oder taffe Serien wie "Haus des Geldes". Deutsche Ableger wie "Ossi's Eleven" (2008) mit "SOKO Wien"-Star Stefan Jürgens ließen hierzulande die Herzen höher schlagen. Nun versucht sich Regisseur Jonas Grosch mit der Gaunerinnenkomödie "Gar kein Geld macht auch nicht glücklich" (ZDF) über drei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, im "Genre-Gewand à la Ocean's Eleven", wie er vorab in einem Statement verrät.
Mit im Rückblick doch nicht ganz so cleveren Manövern brechen die Virologin Kim Hansen (Katharina Wackernagel, Jonas Groschs Schwester) und ihre Halbschwestern Lesley (Julia Becker) und Olivia (Sara Fazilat) in einen unerwartet unübersichtlichen Schließfachraum einer Bank ein. Wer jetzt glaubt, den drei Gaunerinnen geht es dabei "nur" um's große Geld, der irrt. Kims Ziel: Sie will ihren früheren Kollegen Christian Heisinger (Christoph Bach) entlarven. Er soll ihre HIV-Impfstoff-Forschung gestohlen und als seine eigene ausgegeben haben. Wie so oft in diesem Genre dreht sich also alles um einen kleinen USB-Stick. Der Plan scheitert jedoch, und das Trio landet im Gefängnis. Fünf Jahre später ist es wieder frei, doch Kim hat ihre Mission nicht aufgegeben: "Nächste Woche wird der Impfstoff zugelassen. Wir müssen beweisen, dass Heisinger meine Idee geklaut hat."
Weibliche kriminelle Energie mit dem besonderen Kick
Während Lesley und Olivia sich nach ihrer Entlassung auf etwas freuen können und jemanden haben, der auf sie gewartet hat, wirkt Kim wie eine Getriebene, die in ihrem Gefühl gefangen ist, übergangen worden zu sein. Aber ganz alleine geht es eben doch nicht: Sie überzeugt ihre Schwestern schließlich zu einem weiteren Coup – diesmal bei einem hochkarätigen Investorenevent von Heisingers Firma. Auch der zweite Anlauf folgt dem Ruf nach Gerechtigkeit. Nebenbei bringen die "Schwestern, die sich mit geballter Power gegen einen raffgierigen Pharmahersteller behaupten, Themen wie Diversität, patriarchale Strukturen und soziale Ungerechtigkeit auf den Tisch", wie Grosch resümiert.
Produzentin Lydia-Maria Emrich schwärmt von der Idee des Regisseurs, basierend auf einer Geschichte von Maike Rasch, "mit viel Liebe zum Detail einen rasanten Film" zu inszenieren. Es gehe ihnen vor allem darum, Unterhaltung mit Haltung zu verbinden. Das gelingt den Machern ganz gut, indem sie die Hauptfiguren Stolpersteine mit Charme überwinden lassen. Die Szenen der Heist-Comedy, die ohne großen Knall, Pyrotechnik oder Hightech-Waffen auskommen, entlocken dem Zuschauer so manches Schmunzeln. Ebenso wie der obligatorische Tollpatsch, ein kauziger Hilfsermittler namens Jens, der sich selbst bei der einfachsten Routineobservation blamiert. Wer könnte diesen grundsympathischen Charakter besser verkörpern als Milan Peschel, bekannt aus "Schlussmacher" oder "Doppelhaushälfte"?
Besonders gut gelungen ist obendrein die Darstellung des Bösewichts Heisinger – auch wenn der Film an sich etwas träge in Fahrt kommt. Mit seiner Hornbrille, seiner grau-schwarzen Tolle, seiner Abneigung gegen Pommes und seiner schneidenden Stimmlage weckt er in einem förmlich ein Gefühl von Ekel. Er ist der Prototyp eines "schmierigen Typs" – der perfekte Unsympath: ein männlicher Gegenspieler in einem Film, der laut Emrich vor allem die Themen "weibliche Selbstermächtigung und Solidarität" in den Fokus rückt.
"Gar kein Geld macht auch nicht glücklich" – Mo. 08.12. – ZDF: 20.15 Uhr