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Die Welt in Listen: Wer soll im Berliner "Tatort" ermitteln?

Gerade hatte man verdaut, dass Król und Kunzendorf den Frankfurter "Tatort" verlassen, da geht das nächste Team in Rente. In Berlin gibt es ab 2015 neue Ermittler. stern.de macht Vorschläge.

Von Ingo Scheel

Über zehn Jahre lang, in 28 Fällen, ermittelten Boris Aljinovic und Dominic Raacke erfolgreich als "Tatort"-Kommissare Till Ritter und Felix Stark in Berlin. Doch 2014, nach dann insgesamt 30 Fällen, ist endgültig Schluss für das ebenso ungleiche wie beliebte Paar: Der RBB will neue Kommissare einsetzen, das Karussell dreht sich weiter. Dem Vernehmen nach wollen sich die Verantwortlichen mit der Personalie Zeit lassen. Ein guter Zeitpunkt, die Gedanken einmal schweifen zu lassen. Hier sind fünf Vorschläge, lieber RBB:

1. Carla Juri

Seien wir ehrlich: Erotik kommt im "Tatort" von je her zu kurz. Kuschelsex mit Charlotte Lindholm, zaghaftes Undercover-Ermitteln im Stripclub, Ritters Midlife-Crisis-getriebenes Baggern - das ist alles nichts, oder? Was tun? Her mit Carla Juri. Ermitteln wir doch sonntagabendlich in den Feuchtgebieten der Mauerstadt. Das Szenario: Juri lebt allein, ermittelt allein. Nur schlafen tut sie selten solo. Eine Ermittlerin mit Sexsucht-Problemen, Hygiene-Manko und jenen Fällen, die die anderen nur mit spitzen Fingern anfassen.

Für Fans von Reinigungstüchern und "Shades of Grey"

2. Heinz Strunk

Es ist nicht zu übersehen. Der "Tatort" bekommt in weiten Teilen skurril-komödiantische Schlagseite. Spleenige Kommissare, alberne Assistenten, Praktis, die sich in den Vordergrund spielen. Weg damit. Und her mit einem richtig schrägen Vogel, mit Mut mal links vom Mainstream ermitteln. Das Szenario: Heinzer Strunk trägt Trenchcoat, ist Hobby-Flötist, süchtig nach Kreuzworträtseln, isst wie ein Schwein, löst aber Fälle wie Monk, Maigret und House in Personalunion. Was niemand im Revier weiß: Der krude Kommissar lebt noch mit Mama (gespielt von Karin Anselm) zusammen, die ihm auch noch heimlich bei den Fällen hilft. Ich würde es gucken.

Für Fans von "Der Schorfopa" und "Columbo"

3. Sascha Lobo

Zugegeben - auf den ersten Blick ein etwas abseitiger Casting-Vorschlag. Dennoch: Wenn es einen Ort gibt, an dem das Internet noch mehr "Neuland" ist als im Büro der Kanzlerin, dann ist es in den Amtsstuben der "Tatort"-Kommissare. Borowski, der mit geschürzten Lippen Sarah Brandt über die Schulter schaut und aus dem Staunen nicht herauskommt, wie selbstverständlich die neunmalkluge Amtsanwärterin die C- und die V-Taste drückt - das war es auch schon mit neuen Medien. Das muss anders werden. Das Szenario: Blogpapst Lobo höchstpersönlich spielt den von der Umwelt abgeschnittenen, quergeschnittsgelähmten Heimarbeitskommissar, der aus seiner Ein-Zimmer-Wohnung ausschließlich am Computer ermittelt. In Schwarz/Weiß gefilmt, irgendwo zwischen Aki Kaurismäki, Harold Pinter und dem "kleinen Fernsehpiel" im ZDF. Nicht eben Popcorn-Kino für den Sonntagabend, aber über irgendetwas muss man am Montag auf Facebook ja auch meckern.

Für Fans von "Der Chef" und Bestellpizza

4. Jenny Elvers-Elbertzhagen

Gebt den Trinkern das Kommando. Es gibt doch nichts Mutmacherendes als einen trockenen Alkoholiker, der wieder die Kurve bekommt. Bei "Promi Big Brother" geht die Hobby-Illustratorin, Schmuckdesignerin und Schauspielerin durchs Stahlbad - auf der anderen Seite wird sie erstarkt und hochmotiviert herauskommen, wie gemacht für ein modernes Update von Bella Block. Welches Pflaster könnte dafür besser geschaffen sein, als jenes auf dem Harald Juhnke einst wandelte? Berlin, Berlin - dein Herz kennt keine Mauern. The Future is unwritten, liebe Jenny. Das könnte was werden.

Für Heiner Lauterbach, Farin Urlaub und Alex Jolig

5. Hape Kerkeling

Warum Kerkeling? Nun ja - "Wetten, dass..?" ist vergeben, Königin Beatrix im Ruhestand, Möbelhaus und Jakobsweg werden auch mal langweilig. Ergo - her mit Hape. Der Mann muss endlich wieder in Serie gehen. Und welcher Tag der Woche wäre für den Liebling der Nation besser geeignet als der Sonntag? Das Szenario: Kerkelings Kommissar ist offen homosexuell und - auch das muss endlich mal sein, liebe Storyline-Schrauber - glücklich verheiratet. Sein Ehemann wird gespielt von Lars Eidinger. Zwei Fliegen mit einer Klappe: An Eidinger im Rock hat man sich mittlerweile gewöhnt. Zudem bleiben alle anderen "Tatorte" und "Polizeirufe" landauf, landab vom Hobby-Kinski des ARD-Krimis verschont. Kerkeling zitiert zudem in Teilen sein alter Ego Peter Schlönzke. Trägt mit Vorliebe Leberwurst-farbene Rollkragenpullis, sammelt Autogramme abgehalfterter Showmaster und guckt alte "Flipper"-Folgen. Ach ja, ermittelt wird natürlich auch.

Für Fans von "Kein Pardon" und "Kottan ermittelt"