"DSDS"-Castingopfer Schluss mit lustig


Die Mottoshows mit den aalglatten Vorzeige-Superstars sind längst nur noch Kulisse und Rahmen für die eigentliche Sensation: die peinlichsten Casting-Auftritte aus "Deutschland sucht den Superstar". Am Samstag geht es in den Recall. Die Freakshow ist vorbei, die wahren "DSDS"-Stars sind längst gefunden.
Von Katharina Miklis

Am Samstag ist Schluss mit lustig. Dann treten die 120 besten "DSDS"-Kandidaten im Recall gegeneinander an. Kandidaten, die wirklich singen können und dabei auch noch gut aussehen - wie langweilig. Grund für viele Zuschauer, jetzt abzuschalten. Die Freakshow ist vorbei und die wahren "DSDS"-Stars längst gefunden.

Bevor es am Wochenende mit wahren Gesangstalenten weitergeht, ließ es sich RTL nicht nehmen, die peinlichsten Castingausrutscher der letzten Wochen noch einmal zu verwursten und dem schmerzfreien Publikum als Delikatesse auf dem Silbertablett zu präsentieren. Und das trotz der auflodernden Kritik der letzten Tage - am Format und den verletzenden Sprüchen von Juror Dieter Bohlen.

Die wahren Gewinner sind die Verlierer

Der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Wolf-Dieter Ring, hatte die Kandidaten-Auftritte bei "Deutschland sucht den Superstar" kürzlich als "hämische Inszenierung" bezeichnet. RTL gab daraufhin bekannt, die Wiederholungen im Nachmittagsprogramm in entschärfter Fassung zu senden. Wie gut, dass das Best-of der Castingshows am Mittwochabend und nicht am Nachmittag ausgestrahlt wurde. Freie Fahrt für Bohlen.

Die Castingkatastrophen haben sich mittlerweile zu den wahren "Stars" von "DSDS" gemausert. Mal ehrlich: Wer interessiert sich denn heute noch für Alexander Klaws, Elli Erl oder Tobias Regner, die Gewinner der ersten drei Staffeln? Keine Sau. Die wirklichen Gewinner sind die Verlierer. Was ihnen an Talent fehlt, macht ihre nahezu liebenswürdige Peinlichkeit wieder wett.

Der Trend geht hin zur Talentfreiheit

Die 18-jährige Ariane zum Beispiel. Die schaffte es zwar nicht zum Recall, dafür aber in die "Bild". Die Zeitung deckte auf, dass die völlig talentfreie Schreckschraube in einem FKK-Club als Prostituierte arbeitet und sich auf der Homepage als "naturgeil" und "nymphoman" präsentiert. Beste Werbung für den FKK-Club. Ein anderes Beispiel ist Raymund. Der 17-jährigen Schüler wurde wider Willen zum heimlichen "DSDS"-Star. Sein tränenreicher Nervenzusammenbruch beim Casting - ob er nun gespielt war oder nicht - kursiert immer noch auf Seiten wie YouTube und MyVideo. Casting-Nervensäge Menderes, der es seit der ersten Staffel immer wieder versucht, in den Recall zu kommen, durfte bei der letzten Staffel sogar in einer Mottoshow auftreten - am Samstagabend! So etwas werden wir in Zukunft sicherlich öfter zu sehen bekommen. Der Trend geht hin zur Talentfreiheit.

Sie kamen, um zu verlieren

Das wollen die Leute sehen. Und deswegen wurde am Mittwochabend bei RTL noch einmal die ganz große Fremdschämerei aufgefahren. Die größten Castingkatastrophen in 60 Minuten geballter Schamlosigkeit. Da durfte der 30-jährige Christian nochmals sagen, dass er meint, eine Bauchstimme wie Freddy Mercury zu haben. Dass er singen kann, hat ihm schon sein Gesanglehrer bestätigt - das sind immer die Schlimmsten. Dieter Bohlens Kommentar: "Wenn Heather Mills ihr Holzbein auf die Kegelbahn wirft, dann fallen die Kegel rhythmischer um, als du singst!"

Auch der 22-Jährige Dominik hatte bisher nur positives Feedback von seinem Gesanglehrer bekommen. Auch seine innere Stimme sagt ihm, dass er fürs Singen geboren ist. Seine Darbietung - ein Trauerspiel. Das sieht Dominik allerdings anders. Er weiß, was er hat. "Du hast 'ne große Fresse, das ist alles", sagt Bohlen. "Vielleicht hast du zwei Mädels in deinem Dorf flachgelegt und jetzt denkst du, du bist der große Stecher. Du wirst dein ganzes Leben lang ein scheiß erfolgloser Frisör bleiben!" Sigrid, 28, ist eine besonders harte Nuss. Die staatlich geprüfte Sängerin sagt nicht wenig überzeugt von sich: "Ich habe Ähnlichkeit mit Madonna - von der Stimmfarbe her und wie ich wirke". Zum Beweis hat sie ihr Zeugnis mitgebracht. Von Dieter Bohlen, Anja Lukaseder und Andreas „Bär“ Läsker bekommt sie eine glatte 6. Durchgefallen. Sigrid flippt aus: "Ich werde es schaffen, ich zeig es euch! Hier wirken schwarze Mächte. Mein Freund ist Videoclipregisseur, der hat Kontakte zu Viva und MTV! Das wird ein Nachspiel haben - wir sehen uns."

Die Letzten werden die Ersten sein

Wir werden sie wirklich wiedersehen, die großen Verlierer der Castings. So wie den talentfreien Michael-Jackson-Imitator Menderes und die 43-jährige "Ich hab' die Haare schön"-Johanna. Beide tingeln heute durch die Dorfdiskotheken der ganzen Republik und verdienen mehr, als einige der in der Versenkung verschwundenen "DSDS"-Finalisten. Und das, obwohl sie es damals nicht einmal in den Recall geschafft sondern nur Spot und Häme geerntet haben. An ihnen wird die Wandlung von "Deutschland sucht den Superstar" und überhaupt die ganze Tragik deutlich: Die Mottoshows mit den aalglatten Vorzeige-Superstars sind längst nur noch Kulisse und Rahmen für die eigentliche Sensation: Vorhang auf für die "DSDS"-Freakshow.


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