"Verbrannte Erde"
Ein Gangster der alten Schule in der digitalen Welt

  • von Maximilian Haase
Trojan (Mišel Matičević) muss in "Verbrannte Erde" in einer völlig veränderten Hauptstadt klarkommen.
Trojan (Mišel Matičević) muss in "Verbrannte Erde" in einer völlig veränderten Hauptstadt klarkommen.
© WDR/Schramm Film 2024

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Wie kommt ein gealterter Gangster in der postmodernen Stadt und im veränderten Untergrund klar? Autorenfilmer Thomas Arslan setzt in "Verbrannte Erde" seine Fim-Noir-Reihe um den Kriminellen Trojan fort. Das Erste zeigt das Gangsterdrama nun als Free-TV-Premiere zu später Stunde.

Erst in den letzten Jahren bewiesen Formate wie "4 Blocks", dass auch deutsche Gangsterfilme und -serien ästhetisch und inhaltlich anspruchsvoll sein können. Als einer der Vorreiter dieser Entwicklung gilt Regisseur Thomas Arslan, der schon 2010 mit "Im Schatten" einen rauschhaften Film-Noir über die urbane Unterwelt Berlins schuf. Im Zentrum stand damals der von Mišel Matičević grandios verkörperte Kriminelle Trojan, dem am Ende die Flucht gelang. 14 Jahre später setzte Arslan die Geschichte des umtriebigen Gangsters fort: In "Verbrannte Erde" folgt man der zurückgekehrten Hauptfigur durch eine völlig veränderte Hauptstadt, in der sich Trojan mit neuen Strukturen und Gefahren herumschlagen muss. Das Erste zeigt das düstere Gangsterdrama, das bei der Berlinale 2024 Premiere feierte, nun zu später Stunde erstmals im Free-TV.

In den Jahren seiner Abwesenheit nach einem gescheiterten Auftrag hat sich Trojan verändert, aber noch stärker jene Stadt, in der er einst seinen kriminellen Geschäften nachging. Berlin ist gentrifiziert, die Bevölkerung ganzer Viertel ausgetauscht, statt Brachen prägen moderne Townhouses vormals heruntergekommene Gegenden. Doch nicht nur das macht dem gealterten Protagonisten zu schaffen, auch der Untergrund hat sich grundlegend gewandelt: Frühere Kontakte existieren nicht mehr, die digitale Welt hat auch bei den Kriminellen Einzug gehalten. Damit muss ein auf Bargeld fixierter Gangster alter Schule wie Trojan erst einmal umgehen lernen.

Geplanter Gemäldediebstahl

Doch um über die Runden zu kommen, braucht Trojan zwingend neue Aufträge. Da kommt der angedachte Coup, den ihm Rebecca (Marie-Lou Sellem) vermittelt, gerade recht: Ein Gemälde von Caspar David Friedrich ("Frau vor der untergehenden Sonne") soll im Auftrag des zwielichtigen Kunstsammlers Victor (Alexander Fehling) aus einem Museum gestohlen werden, gegen ein entsprechendes Entgelt, versteht sich. Gemeinsam mit Fluchtwagenfahrerin Diana (Marie Leuenberger), dem ehemaligen Kompagnon Luca (Tim Seyfi) und dem jungen Gangster Chris (Bilge Bingül) geht Trojan die Sache an. Doch recht schnell wird den Beteiligten klar, dass es hier um mehr als nur Geld geht – und sie sich in große Gefahr begeben.

Thomas Arslan, der wie immer auch das Drehbuch schrieb, erzählt in der WDR-Kinoproduktion "Verbrannte Erde" die mitreißende Geschichte eines aus der Zeit gefallenen Berufskriminellen, der von der postmodernen und hyperkapitalistischen Gegenwart überfordert scheint. Der Ehrenkodex des Untergrunds existiert nicht mehr, in einem glänzenderen, aber auch menschenfeindlicheren Berlin gilt nur noch "alle gegen alle". Arslan zeigt diese Realität in gewohnt reduzierter Noir-Ästhetik, hier fallen kein Wort und kein Schuss zu viel. "Verbrannte Erde", der zweite Teil einer geplanten Trojan-Trilogie, porträtiert nicht nur die Veränderungen seiner Hauptfigur, sondern auch jene der Stadt, Gesellschaft und Ökonomie, in der auch ein Gangster heutzutage über die Runden kommen muss.

Der Film ist ab 16. Mai für einen Monat auch in der ARD-Mediathek abrufbar.

Verbrannte Erde – So. 17.05. – ARD: 00.05 Uhr

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