Spurlos in Athen
Eine Mutter sucht ihren verlorenen Sohn

  • von Hans Czerny
Marlene (Silke Bodenbender) ist in Athen angekommen und versucht vergeblich, ihren Sohn zu erreichen.
Marlene (Silke Bodenbender) ist in Athen angekommen und versucht vergeblich, ihren Sohn zu erreichen.
©  ARD Degeto / Roland Suso Richter

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Nach "Spurlos in Marseille" (2020) hieß es 2023 im Ersten "Spurlos in Athen". Eine Mutter (Silke Bodenbender) will auf einer Ferienreise ihren Sohn in Athen besuchen, der dort ein Auslandssemester macht. Doch der bewegt sich, unauffindbar, im Untergrund.

Wie bei "Spurlos in Marseille" (2020) schrieb das Drehbuch auch bei "Spurlos in Athen" (2023) Gernot Krää, Roland Suso Richter ("Dresden", "Der Tunnel") führte abermals Regie. Doch in dem nun am Samstagabend erneut gezeigten Film ist kein Kommissar am Werk, wie sonst in den Europa-Krimis der ARD. Die lose Reihe kann also immer wieder neu beginnen. Eine Person entschwindet, sie ist gerne in einen rätselhaften Fall verstrickt, sei es als Ehefrau und Bankerin wie im ersten Film, oder – wie diesmal – als Student. Im Dezember 2025 nahm Max Riemelt in "Spurlos in Venedig" (Regie: Claudia Garde) im dritten Film der Reihe den Kampf gegen die Mafia auf, die den Sohn seiner Nachbarin entführt hat.

Als die Richterin Marlene Neubach (Silke Bodenbender) ihren Sohn Jakob (Tom Grunau) in Athen besuchen will, der sich dort im Auslandssemester befindet, sucht sie ihn vergeblich. Immer wieder meldet sich der Sprössling am Handy mit der Begründung, dass er nicht abkömmlich sei. Das Ganze eskaliert so weit, dass er ihr schließlich die Heimreise empfiehlt. Doch Marlene lässt sich nicht abbringen von ihrer Suche, die um viele Athener Ecken führt, ins Studentenwohnheim, das Jakob längst verlassen hat, in eine WG, aus der in letzter Sekunde offenbar die Bewohner vor der Polizei geflüchtet sind.

Jakob kämpft im Untergrund

In Jakobs in der WG zurückgelassenem Rucksack wird später Marlene, der die Vorfreude auf den Sohn nie ganz aus dem Gesicht zu schwinden scheint, Kokain finden. Sie vernichtet es noch auf der Stelle, nicht ohne den Paragrafen zu zitieren, mit dem sie sich hier – Vernichtung von Beweismitteln! – gegen das Gesetz vergeht. Das alles hätte sicherlich das Zeug, um damit viel Suspense aufzubauen. Erst recht die "Zufallsbegegnung" mit dem freundlichen Herrn Alexandros (Yousef Sweid), der sich als Anwalt zu erkennen gibt und ihr bei der Suche des Sohnes helfen will. Recht unvermittelt schaltet sich aber auch der Athener Kommissar Vergas (Kostas Antalopoulos) ein. Er bittet sie, ihn über ihre Nachforschungen stets auf dem Laufenden zu halten – versucht er nur, Jakob zu fassen?

Eine Suche wie diese kann spannend sein, und hübsche Athenbilder, zumal der Blick auf die Akropolis, der hier häufig wiederkehrt, können so etwas ja noch verstärken. Doch diesmal will sich alles nicht so richtig fortbewegen. Marlenes Suche tritt vielfach auf der Stelle. Zu spät kommen die geheimnisvollen WG-Aktionen ins Spiel. Ihre aufrechten Taten – es geht um Hilfe für Europa-Immigranten und Push-back-Aktionen zwischen der Türkei und Griechenland – rücken sehr spät auch ins Blickfeld. Hinzukommen wortreiche Floskeln und Belehrungen. "Es ist nicht leicht, ein Kind loszulassen, das man groß gezogen hat", sagt etwa Jakobs Aktivisten-Freundin Eleni (Chara Mata Giannatou) mit falschem Trost zu Marlene. "Vielleicht sollten Sie sich einen Mann suchen!" – Oha.

Zuletzt versucht das Drehbuch, den Film auf das doppelbödige Niveau eines Agententhrillers zu heben. Wer ist Freund, wer Feind? Immerhin gibt es ein versöhnliches Happyend, bei dem Marlene ihren Sohn in die Arme schließen kann. Und es hat viele schöne Aufnahmen – Athen by night! – aus der Drohnenperspektive gegeben. Fernab immerhin jeglicher Sightseeing-Attitüde, wie sie sonstigen ARD-Europa-Krimis häufig eigen ist.

Spurlos in Athen – Sa. 30.05. – ARD: 20.15 Uhr

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