"Germany's next Topmodel" Oben-ohne-Mädchen im Rosenbad


Viel nackte Haut und eine Blondine weniger: In der 13. Folge wurden aus Bürgertöchtern Blumenmädchen, Victoria Beckham gab Haltungsnoten, eine Kandidatin hatte scheinbar die falsche Hautfarbe - und das Küken der Staffel muss nun zu Hause fliegen lernen.
Von Mark Stöhr

Sarina ist raus. Damit geht ein Stück Fernsehgeschichte zu Ende. Sie konnte die letzte, alles entscheidende Frage nicht beantworten. Sie lautete: "Die Kunden sind der Meinung, dass du dich erst selber finden musst. Was sagst du dazu?" Sarina biss sich auf die Lippen und dachte nach. Man kann seinen Eyeliner finden, dachte sie, bei Jessica im Waschbeutel. Oder seinen linken Schuh - unterm Bett. Man kann den Pool finden, man kann ihn sogar super finden. Aber sich selber? Solche Gedanken trieben Sarina um, bis ihre Lippen schon fast blutig waren. Dann sagte sie: nichts. Das war die falsche Antwort. Die Jury schickte Sarina auf dem Jakobsweg zurück nach Uelzen, während die restlichen fünf Kandidatinnen auf die Zielgerade einbiegen durften. Die Welt ist manchmal so was von ungerecht.

Denn das Camp-Küken hatte noch einmal alles gegeben. Sie hatte sich beim Rosen-Shooting im Blütenbett gewälzt wie beim Schlamm-Catchen und der verlangten Sinnlichkeit eine besondere erotische Note gegeben. Gut, Heidi Klum fand das ein wenig dicke ("Denk doch mal nicht an den Freund, den du nicht hast, sondern an deine Mama"), auch der Fotograf hatte einige Kritikpunkte ("Du siehst aus wie nach einem Verkehrsunfall"). Doch die B-Note "bitchy" von Victoria Beckham war wirklich nicht nett. Der Stargast aus England, der nur noch von einer Handvoll Knochen zusammengehalten wird, echauffierte sich darüber, dass Sarina beim Live-Walk mehr auf ihren Arschbacken gelaufen war als auf ihren Beinen. Das sei einer 16-Jährigen nicht angemessen. Dafür erntete sie eine Tränenlache so groß wie der Bodensee und glotzte dumm aus der Wasche. Echt selber schuld.

Es war wieder viel vom Körper die Rede in der Show. Das ist nicht weiter verwunderlich bei einem Model-Contest. Gestern jedoch nahm das Thema geradezu orthopädische Züge an. Beim Casting für die Werbekampagne eines Handyherstellers stand die Schulterpartie der Mädchen auf dem Prüfstand. Fotograf Mayk Azzato schaute ganz genau hin und erkannte bei zwei Kandidatinnen eklatante Defizite. Marie hat einen unsymmetrischen Rücken, Grund ist ihre verdrehte Wirbelsäule. Und Mandy hat ein Hohlkreuz. Ganzkörpershootings können die beiden in Zukunft abhaken.

Heidis merkwürdige Aussagen zur Hautfarbe

Darüber kann Sara nur lachen. Sie war gestern die strahlende Siegerin in fast allen Wettbewerben. Ihre natürliche und offene Art, der Sonnenschein ihrer Augen bezauberte die Preisrichter zu Recht. Selbst bei der Heißluftballon-Challenge in abartigen 20 Metern Höhe (Rolf Scheider: "Mir ist todschlecht, ich muss gleich kotzen") wirbelte sie wie ein Engel durch die Luft und präsentierte zehn Salti in Folge. Nur ein mögliches Handycap könnte ihr ihren Triumphzug Richtung Finale und überhaupt eine erfolgreiche Modelkarriere noch verhageln: die Hautfarbe. Heidi Hohlbirne drückte es so aus: "Menschen mit Farbe sind nicht so kommerziell wie weiße Menschen." So reden Ökonomen mit ihren Kindern. In der Tat jedoch ist die Diskriminierung auf den Laufstegen und Titelseiten dramatisch. Schätzungsweise nicht einmal fünf Prozent aller Models weltweit sind schwarz.

Sara nahm die kurze Beschäftigung mit ihrer Hautfarbe gelassen. Das war nicht anders zu erwarten. Im trauten Kreis ihrer Mitbewerberinnen plauderte sie wie gewöhnlich fröhlich drauf los - vielleicht hätte sie das diesmal besser gelassen. "Ich finde es schon gewagt", sagte sie, "dass so eine Dunkelhäutige wie ich so weit kommt. Ich meine, Gisele letztes Jahr kam auch weit - was für ein Gemisch war die nochmal?" Auweia. Glücklich, wer die Geistesgegenwart besaß und sich augenblicklich die Ohren verstopfte.

Die beiden Ms schwächeln

Doch der 19-jährigen Münchnerin wird auch dieser kleine Fauxpas nicht nachhaltig schaden. Dafür ist sie einfach zu nett und auch zu schön. Zudem schwächelt die Konkurrenz. Maria und Marie, einst hoch gehandelte Anwärterinnen auf den Topmodels-Thron, verlieren mit jeder Folge mehr an Glanz. Selbst Mandy, von Victoria Beckham über den grünen Klee gelobt, marschierte gestern vergleichsweise stolpernd übers Parkett und ergatterte keinen Job. Und Jessica, Miss Missmut aus Wolfsburg, wird ohnehin in der nächste Runde rausgekegelt. Sie darf sich bei ihrer Heimkehr schon einmal auf ein kräftiges Donnerwetter ihres Freundes gefasst machen. Der schätzt Fotos oben ohne und nur mit Schlüpfer nämlich gar nicht. Das immerhin bleibt Sarina erspart.


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