Für einen achtjährigen Jungen ist die Welt voller Wunder, und eine Flugreise von New Jersey über mehrere Zwischen-Stationen nach Los Angeles für Aviation-Fan Jeff (Clark Shotwell) das Abenteuer schlechthin. Jeff ist das kindliche Alter Ego John Travoltas – Autor, Regisseur, Erzähler und Nebendarsteller des Films "Nachtflug nach L.A." (ab Freitag, 29. Mai, bei Apple TV). Dieses "Abenteuer meines Lebens" hat der mittlerweile 72-jährige Superstar bereits in seinem 1997 erschienenen Kinderbuch "Propeller One-Way Night Coach" zu Papier gebracht. In nur 60 Minuten erzählt der Film, der im Original so wie das Buch heißt, die Geschichte einer ganz normalen Flugreise des Jahres 1962. Weil Jeffs Mutter – wie Travoltas echte Mutter – Schauspielerin und Schauspiellehrerin ist, hofft die Endvierzigerin (Kelly Eviston-Quinnett) auf einen späten Karriereschub, als ihr ein Bekannter in Kalifornien eine Filmrolle anbietet. Da der Alleinerziehenden das Geld nicht allzu prall in der Tasche sitzt, nimmt man nicht einen dieser modernen Düsenjets an die Westküste, sondern einen altmodischen und doch stilvollendet schönen Propellerflieger. Der soll Mutter und Sohn über die Zwischenetappen Pittsburgh, Dayton, Chicago und Kansas City günstiger, aber dennoch luxuriös gemütlich nach Los Angeles bringen.
Wer auf klassische Filmplots und Spannungsbögen "für Erwachsene" wartet, wird von "Nachtflug nach L.A." enttäuscht sein. Die fesselnden Momente dieses Films gehorchen dem Denken und Erleben eines Achtjährigen: Wie fühlt es sich an, in einer Maschine über den Wolken zu schweben? Wie aufregend ist es, dass Feuer aus der Rückseite des Propellers austritt? Ist die Stewardess (John Travoltas Tochter Ella Bleu Travolta) nicht die schönste und netteste Frau der Welt? Könnte man sie – trotz des Altersunterschieds – heiraten? Und wie cool ist eine Zwischenlandung mit ungeahntem Hotelaufenthalt (natürlich von der Fluggesellschaft bezahlt) wegen eines Schneesturms im mittleren Westen?
Wer sich auf die ungewöhnliche Erzählperspektive eines Achtjährigen und die wunderschönen Technicolor-Bilder, Ästhetik und Ausstattung der frühen 60-er einlässt, kann auch als Erwachsener Spaß an diesem sanft ironischen, aber vor allem schwärmerischen Trip haben. Oder wie es Co-Produzent Jason Berger ausdrückt: "Kinder mögen den Film wegen der Fliegerei, die Eltern wegen der Martinis und der Musik."
Für Fans von "Mad Men" und "Catch Me If You Can"
In der Tat eröffnet sich in den Kindheitserinnerungen des 1954 in New Jersey geborenen John Travolta eine Welt, die für vieles von dem steht, das am alten Amerika faszinierte: coole Typen und schöne Frauen im optimistischen Fortschritts-Modus, überlegene Technik und modernes Design. Dazu die Freiheit des Einzelnen und eine Gesellschaft, in der – wenn auch vielleicht nur für einen Achtjährigen – alles in Ordnung zu sein scheint. Kaum sitzt die Mutter, die gerne mit Männern um die 50 flirtet, in ihrem bequemen Flugzeugsitz mit viel Beinfreiheit, wird sich genüsslich eine Zigarette ("eigentlich rauchten alle an Bord") angezündet und ein Martini bestellt.
Dazu hat sich Travolta einen Soundtrack mit Stücken von Frank Sinatra, 60er-Jahre-Bossa-Nova und auch dem sehr passenden Jazz-Evergreen "The Good Life" in der Version Tony Bennetts zusammengestellt. Der charmante 60-Minüter ist der perfekte Film-Snack für Familien mit Kindern unter 12 und natürlich Fans der Kultserie "Mad Men" oder auch des Steven Spielberg-Flieger-Gaunerstücks "Catch Me If You Can".