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Loriot bei Beckmann: Melancholische Männerrunde

Über die gerade verstorbene Evelyn Hamann konnte in der "Beckmann"-Ausgabe mit Vicco von Bülow nur im angeklebten Vorspann gesprochen werden - die Sendung war bereits am Freitag aufgezeichnet worden. Allgegenwärtig war das Gedenken an die Loriot-Partnerin dennoch - nicht nur wegen der vielen gezeigten TV-Ausschnitte.

Von Peter Luley

Wer bisher nicht sicher war, ob die ARD-Talkshow "Beckmann" eigentlich live gesendet wird, weiß es seit gestern: Zwar sah die Gästeliste mit Vicco von Bülow alias Loriot, dem "Dittsche"-Darsteller Olli Dittrich und "Palastorchester"-Chef Max Raabe zunächst aus wie ein aus aktuellem Anlass arrangiertes Stelldichein der deutschen Spitzenhumoristen. Doch dass der Tod Evelyn Hamanns in der regulären Sendezeit gar nicht thematisiert werden würde, musste Reinhold Beckmann bereits im Vorspann einräumen: Das Gespräch sei "zu Ehren von Vicco von Bülow" bereits am Freitag aufgezeichnet worden, als dessen kongeniale Partnerin "noch am Leben" war.

Um seine Show nicht allzu befremdlich zeitentrückt wirken zu lassen und von Bülow Gelegenheit zu ein paar persönlichen Worten zu geben, hatte Beckmann seinen Stargast am Montagnachmittag zu einem kurzen Nachdreh treffen können. "Liebe Evelyn, dein Timing war immer perfekt, nur heute hast du die Reihenfolge nicht eingehalten. Na, warte", rief da mit brüchiger Stimme der bald 84-jährige Altmeister seiner mit nur 65 Jahren verstorbenen Kollegin nach - und diese tragikomische Doppeldeutigkeit bezog sich natürlich ganz und gar nicht auf die "Beckmann"-Aufzeichnung.

Bülow mit Mops Emil

Von Bülow bekannte, er habe eine "treue Partnerin" verloren, rühmte Hamanns "unglaubliche Präzision" bei der Humorarbeit und erinnerte sich ihres ganz speziellen Lachens, "wenn sie Situationen so beurteilte, wie sie eigentlich waren: saukomisch". Dann, nach etwa sieben Minuten, wurde per Einblendung von Filmausschnitten zur regulären Talkshow übergeblendet. Dort saß von Bülow seinem Gastgeber nun mit Mops Emil gegenüber - in der Absicht, seine nach eineinhalbjähriger Sichtungsarbeit fertig gestellte "vollständige Fernseh-Edition", eine DVD-Box mit rund 16 Stunden Programm und teilweise unveröffentlichtem Material, zu präsentieren.

Beckmann diese nachrichtliche Inaktualität ankreiden zu wollen, wäre jedoch vermessen: Dass man mit dem greisen Großmeister rein konditionell kaum adhoc eine völlig neue (Live-)Sendung hätte aufnehmen können, machten die Bilder deutlich - außerdem hatte ZDF-Mann Kerner bereits um 19.25 Uhr in einer Sonderausgabe seiner Show mit dem Produzenten Markus Trebitsch sowie den Schauspielern Rudolf Kowalski und Gerhard Garbers zum Tode Hamanns gesprochen. Und ein anrührendes Zeugnis einer ruhmreichen vergangenen Humor-Epoche war das Loriot-Interview auch so - wobei Hamann allein schon durch die zahlreichen Verweise auf Alter und Endlichkeit allgegenwärtig war.

Humor erwache aus "Momenten grandiosen Scheiterns"

"Ich kann nicht raten, zu alt zu werden", konterte von Bülow die wie gewohnt arg leutseligen Fragen seines Gastgebers ("Was macht der Rücken?"), gab ihm ein paar nützliche Tipps zum Umgang mit Quoten ("man muss sie niedrig halten") und erklärte ihm, wie guter Humor aus Ernst erwachse, aus Momenten "grandiosen Scheiterns". Einmal gelang es ihm mit seiner Weigerung, eine Frage unvermittelt zu beantworten, sogar, Beckmann zu einer kurzen Schweige-Pause anzustiften - ein fast Harald-Schmidt-artig subversiver Moment bei dem Universaltalker.

Vor allem aber waren es natürlich die zahlreichen Ausschnitte aus dem gemeinsamen Schaffen Loriots mit seiner "besseren Hälfte" Hamann in den 70er Jahren, die einem noch einmal die Kunst und Genialität der Verstorbenen vor Augen führten: Ob der legendäre Nudelsketch im Restaurant ("Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard!"), die Episode mit dem weinseligen Vertreter-Besuch und dem Saugbläser Heinzelmann oder das Jodeldiplom - stets kündeten die Einspieler vom kongenialen Zusammenwirken des Duos.

Ob es angesichts all dessen noch zwingend nötig war, um 23.55 Uhr die Runde - wie eben ursprünglich aufgezeichnet - zu erweitern und bis 0.20 Uhr Olli Dittrich und Max Raabe einzubeziehen, lässt sich vielleicht in Frage stellen. Andererseits erwiesen sich die von Loriot geschätzten Kollegen als würdige - und damit irgendwie tröstliche - Vertreter gegenwärtigen Humorschaffens. "Aus dem Leben geschöpft" sei die Figur Dittsche, adelte von Bülow das Imbissbuden-Alter-ego Dittrichs, bevor dieser wie im gleichnamigen Sketch von 1977 einen "Kosakenzipfel" zu zerteilen hatte. "Hoffentlich nicht zum letzten Mal" sei er dagewesen, beendete Vicco von Bülow das Gespräch - und bekräftigte so noch einmal den melancholischen Charakter dieser Männerrunde, die doch eigentlich so viele lustige Momente bereithielt.

Weitere Programmänderungen zum Tode von Evelyn Hamann:

Am Freitag, dem 2. November, zeigt die ARD ab 21.45 Uhr eine "lange Nacht" mit Werken der Schauspielerin, u. a. um 21.45 Uhr "Loriots Ödipussi" und ab 23.25 Uhr mehrere Folgen der Serie "Adelheid und ihre Mörder". Und das ZDF bringt am kommenden Sonntag ab 13.40 Uhr ein dreistündiges Sonderprogramm: Geplant sind die Sendung "Evelyn und die Männer" (von 1987) sowie die "Traumschiff"-Folge "Sydney" (1996) und zwei "Geschichten aus dem Leben" (2001).