NDR-Affäre Tatort-Chefin kaufte auch eigene Drehbücher ein

Kommt zur Vetternwirtschaft auch noch Betrug hinzu? Dem NDR zufolge hat die gekündigte Fernsehspielchefin Doris Heinze nicht nur Drehbücher ihres Mannes eingekauft, sondern auch eigene Drehbücher unter Pseudonym abgerechnet.

Die Affäre um die gekündigte NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze weitet sich aus: Sie habe dem NDR selbst geschriebene Drehbücher unter einem Pseudonym verkauft und somit mehr Honorar bekommen, als wenn sie die Werke unter ihrem eigenen Namen angeboten hätte, teilte der Norddeutsche Rundfunk am Montag mit. "Der NDR geht deshalb nunmehr davon aus, dass ihm auch ein materieller Schaden entstanden ist. Hätte Frau Heinze den Sachverhalt offengelegt, hätte sie deutlich weniger Honorar erhalten", heißt es in der Mitteilung. Details wollte der Sender wegen laufender Ermittlungen nicht nennen. Heinzes Anwalt wies die neuen Vorwürfe zurück.

Heinze war in der vergangenen Woche fristlos gekündigt worden, weil sie Drehbücher ihres Mannes für den NDR verfilmen ließ, ohne dies dem Sender mitzuteilen. Im Kern geht es um vier Drehbücher, die Heinzes Ehemann unter dem Pseudonym Niklas Becker geschrieben und die die Münchner Produktionsfirma AllMedia für den NDR verfilmt hatte; dies räumte Heinze selbst ein. Eine solche Auftragserteilung an direkte Angehörige ist nach den Vorschriften des NDR nicht erlaubt. Heinze war 18 Jahre lang für hochkarätige Filme wie den "Polizeiruf 110", die "Tatort"-Reihe im Norden sowie andere Streifen verantwortlich. Die 60-Jährige will sich gegen die fristlose Kündigung wehren.

Drehbücher für 30.000 bis 60.000 Euro

Die Staatsanwaltschaft Hamburg führt momentan Vorermittlungen durch. Dabei prüft die Behörde, ob eine strafbare Handlung vorliegt. Ein förmliches Ermittlungsverfahren sei das noch nicht, das werde erst bei einem Anfangsverdacht eröffnet, betonte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Dies könnte sich mit den neuen Erkenntnissen des NDR aber möglicherweise ändern. "Ein Anfangsverdacht wegen Betruges könnte in Betracht kommen, weil in einem solchen Fall das Honorar geringer ausgefallen wäre", sagte der Oberstaatsanwalt.

Die Honorare für Drehbücher liegen beim NDR je nach Filmstoff zwischen 30.000 und 60.000 Euro, in Einzelfällen auch darüber. NDR-Mitarbeiter, die außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsbereichs Drehbücher schreiben und diese dem NDR anbieten, bekommen die Hälfte dieses Honorarsatzes. Sollten die NDR-Vorwürfe stimmen, so hätte Heinze für zwei Drehbücher und ein Kurzdrehbuch unter Pseudonym also zehntausende Euro mehr bekommen, als wenn sie sie unter ihrem Namen eingereicht hätte.

Heinzes Anwalt: "Das ist kein Betrug"

Heinzes Anwalt Gerd Benoit sagte, seine Mandantin habe dem NDR keine eigenen Drehbücher unter Pseudonym angeboten. "So einen Fall gibt es nicht. Die vermuten, dass sie (Heinze) für andere Autoren geschrieben hat. Konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es nicht", sagte er auf Anfrage. Heinze habe sich in keinem Fall strafbar gemacht. "Sie hat gegen eine Dienstvorschrift verstoßen", sagte er zur Affäre um Heinzes Ehemann. "Das ist kein Betrug."

Tatsächlich hat Heinze mit der Verschleierung der Herkunft der Drehbücher ihres Mannes dem NDR keinen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Für die Drehbücher wurden marktübliche Honorare gezahlt, der Sender erhielt qualitativ gute Filme von der Produktionsfirma.

DPA DPA

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