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Offenes Ende beim "Polizeiruf 110": Wer war denn nun der Mörder?

So spannend wie das echte Leben: Der "Polizeiruf 110" sorgte mit einem offenen Ende und der großen Frage nach Schuld für Gesprächsstoff. Wer hat das junge Mädchen wirklich getötet?

Baumann (Karl Markovics, rechts) will Meuffels (Matthias Brandt) von seiner Schuld überzeugen.

Baumann (Karl Markovics, rechts) will Meuffels (Matthias Brandt) von seiner Schuld überzeugen.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Mord gestehen - aber keiner glaubt Ihnen. Der " " vom Sonntag beschäftigte sich mit genau dieser ungewöhnlichen Situation und lieferte damit einen grandiosen, vielschichtigen TV-Krimi ab, der noch lange nachhallt. Denn die Macher um Regisseur Marco Kreuzpaintner ließen das Ende offen: Hat Kommissar Meuffels (Matthias Brandt) vor neun Jahren wirklich den falschen Mann hinter Gitter gebracht und Schuld auf sich geladen? Oder ist der wirre Baumann (großartig gespielt von Karl Markovics) einfach nur ein Spinner, der sich wichtig machen will?

Das Verschwinden der 16-jährigen Miri (Lola Dockhorn) in einem kleinen bayerischen Ort schien mit der Verhaftung von Dorftrottel Tim Haffling (Sebastian Griegel) eigentlich abgeschlossen - obwohl dieser lange seine Unschuld beteuerte und ihre Leiche nie gefunden wurde. Als sich Haffling Jahre später im Knast das Leben nimmt, taucht der rätselhafte Baumann bei Kommissar Meuffels auf und will den gestehen.

Doch es gibt Widersprüche: Mal erzählt Baumann, er habe Miri nur zufällig beim Trampen mitgenommen, mal, dass er ihr Alkohol kaufte und sie dann zu einem See begleitete. Am widersprüchlichsten sind seine Schilderungen von Miris Tod: Hat er sie von sich gestoßen und sie fiel unglücklich, wie zuerst erzählt? Oder hat er sie erwürgt und vergewaltigt? Geschah dies tagsüber oder doch nachts im Regen? Waren sie wirklich nackt baden und hat er sie nie angerührt? 

Ein Mörder - und keine Leiche

Im Gegensatz zum Erfolgs-Podcast "Serial" oder der momentan beliebten Netflix-Serie "Making a Murderer" wird der Zuchauer beim "Polizeiruf" zumindest in eine bestimmte Richtung gelenkt. Denn die Anzeichen, dass es wirklich Baumann war, der das Mädchen umbrachte, häufen sich.

Besonders die Aussage der Supermarkt-Verkäuferin, die bestätigt, dass Miri sich von einem unbekannten Mann Alkohol kaufen ließ, wiegt schwer. Baumann wusste außerdem von Miris Schwangerschaft, und die Zeitangaben zum Pommes-Kauf stimmen mit Zeugenaussagen überein. Außerdem war der Zeuge, aufgrund dessen Aussage Haffinger damals verhaftet wurde, zum Tatzeitpunkt noch ein Kind.

Und so glaubt auch Kommissar Meuffels irgendwann, dass er einen schrecklichen Fehler begangen hat. Das Tragische: Er kann die Leiche nicht finden. Ohne Leiche gibt es jedoch keine neue Verhaftung und Baumann bleibt frei. Der verzweifelte Spatenstich zum Schluss des Films symbolisiert die Ausweglosigkeit: Meuffels wird keine Gerechtigkeit mehr finden - so oder so.

sst
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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo