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Sat1-Film "Die Wanderhure": Mit Sex zum Quotenhöhepunkt

Das Kalkül ging auf: Dank einer gewaltigen PR-Kampagne, einem reißerischen Drehbuch und einer attraktiven Hauptdarstellerin lockte Sat1 mit der Romanverfilmung "Die Wanderhure" knapp zehn Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Alle anderen Sendungen schmierten dagegen ab.

Von Carsten Heidböhmer

Selten war ein Film so gnadenlos auf Erfolg getrimmt - und selten ging das Kalkül so deutlich auf: Sat1 landete mit der Verfilmung des historischen Romans "Die Wanderhure" am Dienstagabend einen Quotenhit. Zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr schalteten 9,75 Millionen Zuschauer ein. Das entspricht einem Marktanteil von 32,4 Prozent in der so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Wie schon bei dem Erfolg des Buches sorgten auf bei der Verfilmung vor allem Frauen für den Erfolg: 5,79 Millionen Zuschauerinnen stehen nur 3,79 Millionen Männern gegenüber.

Diesen Quotenhit hatte der Münchner Privatsender mit aller Macht gewollt: Eine gigantische Anzeigen- und Plakatkampagne sorgte dafür, dass wirklich jeder im Land mitbekommt, dass da ein TV-Ereignis naht. Mit Alexandra Neldel verpflichtete man zudem eine Hauptdarstellerin, die zwar nicht unbedingt für ihre schauspielerischen Qualitäten, dafür aber für ein attraktives Äußeres und hohe Beliebtheitswerte bekannt ist. Neldel spielt die Marie. Sie soll gegen ihren Willen im Konstanz des beginnenden 15. Jahrhunderts mit Graf Ruppert verheiratet werden. Der entpuppt sich dann als Fiesling - und das arme Mädchen zieht das freie Leben als vagabundierende Prostituierte der Ehehölle vor.

Durchsexualisierte PR-Kampagne

Wie schon bei ihrer Rolle als hässliches Entlein Lisa Plenske in der Sat1-Telenovela "Verliebt in Berlin" zeigt sich auch in diesem Film, dass die Zuschauer offenbar gefallen daran finden, die schöne Neldel leiden zu sehen. Die ohnehin schon reißerische Buchvorlage wurde noch einmal zugespitzt - vor allem die Vergewaltigungsszenen wurden in der Filmversion gründlich ausgewalzt. Die ganze PR-Kampagne war durchsexualisiert und betonte gerade diese Momente.

Kein Wunder, dass die Konkurrenz da nicht mithalten konnte: Die anspruchsvolle und bislang auch erfolgreiche ARD-Serie "Weissensee" rutschte auf 4,17 Millionen Zuschauer ab, gewöhnlich kommt sie auf mehr als fünf Millionen. Die RTL-Krimiserie "CSI: Miami" wollten nur 3,49 Millionen Menschen sehen. Markus Lanz' Reportage "Sehnsucht Grönland" schauten sich im ZDF immerhin noch 3,02 Millionen Menschen an, der ProSieben-Dauerbrenner "Die Simpsons" kam auf 2,23 Millionen Zuschauer. In die Bedeutungslosigkeit versunken ist die Castingshow "X Factor" auf Vox, die nur noch 1,72 Millionen Interessenten fand.

Bei Sat1 arbeitet man bereits daran, dass dieser Erfolg keine Eintagsfliege bleibt: Eine weitere Verfilmung ist geplant, das Drehbuch liegt bereits vor, und auch Alexandra Neldel stünde als Hauptdarstellerin wieder zur Verfügung. Was sollte da noch schiefgehen?

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