Seriendialog der Woche Lohnt sich der Podcast „Serial“?

Seriendialog der Woche: Lohnt sich der Podcast „Serial“?
Diese Woche geht es um einen Podcast. Warum? Weil ich mehrfach gefragt wurde, ob es sich lohne, in "Serial" reinzuhören. Ich habe dazu eine kurze und eine lange Antwort.

Heute: ein Zitat aus einem Podcast.

Weil: Als ich diesen Satz gehört habe, erschauderte ich. Ich saß abends auf dem Weg nach Hause im Bus, Kopfhörer im Ohr und hörte Folge 9 des Podcasts "Serial". Und der Mann, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt, seit er 17 ist, also seit dem Zeitpunkt, an dem viele Menschen gerade erst angefangen, ihr Leben zu planen, sagt so etwas. Hammer. Wenn Sie sich jetzt wundern sollten, warum ich über einen Podcast schreibe: Ja, Sie wundern sich zu Recht. Denn hier geht es ja um TV-Serien.

Eigentlich. Aber uneigentlich geht es darum, was mich seriell beschäftigt. Und das ist in dieser Woche der amerikanische Podcast "Serial". Hinzu kommt: Ich bin in den vergangenen Tagen mehrfach darauf angesprochen worden, ob es sich lohne, in "Serial" reinzuhören. Zwei sehr gute Gründe, einen Blogtext darüber zu schreiben. Die kurze Antwort auf die Frage ist: ja, sehr! Die lange Antwort: Ich bin wie gefangen von der wahren Geschichten über den 17-Jährigen, der vor 15 Jahren seine Ex-Freundin umgebracht haben soll. Er ist verurteilt und trotzdem schreibe ich "haben soll". Denn es gibt gute Gründe, an seiner Schuld zu zweifeln. Doch ich will hier jetzt nicht zu viel verraten, auch bei "Serial" sind Spoiler ärgerlich.

Hören Sie einfach rein, folgen Sie der Journalistin Sarah Koenig bei ihren Recherchen. Mit ihrer sympathischen Stimme erzählt sie die Geschichte auf eine ruhige, zurückhaltende Art, redet mit Zeugen, mit Freunden, Bekannten, Experten, zitiert aus Verhörprotokollen. Und spricht mehrfach per Telefon mit dem verurteilten Adnan, der mittlerweile Anfang 30 ist. In jeder Folge gab es bisher mehrere Sätze wie den oben genannten, die mich erschaudern ließen. Diese wahre Geschichte nimmt mich mehr mit als eine fiktionale, obwohl sie kaum spannungserzeugende Elemente einsetzt. Aber es ist eben das wahre Leben, es sind echte Menschen, die da sprechen, die teilweise Schlimmes erlebt haben.

Und wenn Sie reingehört haben und genauso gefesselt sind wie ich, treffen wir uns wieder hier im Blog und diskutieren darüber, okay? Denn es gibt da einiges, was man diskutieren kann. Abgesehen von den naheliegenden Dingen wie "War er's?" "Was hat es mit diesem Jay auf sich?" wäre da nämlich noch folgende Frage, die mich seit Folge 9 beschäftigt: "Ist es ethisch vertretbar, einen Fall wie diesen als Unterhaltung zu inszenieren?"

Wer "Serial" schon kennt, dem empfehle ich den Podcast zum Podcast: "Slate" (dort gibt es ohnehin eine gute Berichterstattung dazu) macht seit Folge 5 wöchentlich einen "Spoiler Special"-Podcast zu "Serial". Und der ist wirklich gut, weil sie auch über Probleme des Rechtssystems diskutieren, Experten einladen ... Gibt's über die gängigen Podcast-Apps und zum Beispiel beiiTunes.

Woraus: "Serial", Staffel 1, Folge 9. Ein Podcast über ein wahres Verbrechen: 1999 wird die 17-jährige Schülerin Hae Min Lee erwürgt. Die Polizei verdächtigt ihren Ex-Freund, Adnan Syed. Er wird von einer Jury verurteilt und sitzt seitdem in Haft. Die Journalistin Sarah Koenig hat sich mit ihrem Team den Fall erneut vorgenommen und beleuchtet in jeder Folge einen neuen Aspekt. Bisher ist offen, ob sie nach zwölf Folgen zu einem Ergebnis kommen wird. Hervorgegangen aus dem ebenfalls großartigen Podcast "This American Life". Zu finden auf der Website serialpodcast.org (hier gibt's nicht nur die Episoden, sondern auch Zusatzmaterial), außerdem über die gängigen Podcast-Apps. "Serial" gibt es nur auf englisch, neue Folgen werden immer donnerstags veröffentlicht.

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