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"Tatort" aus Köln: Die Stille nach dem Schuss - dieser "Tatort" geht unter die Haut

Der Köln-"Tatort" macht es einem wirklich schwer, ihn nicht zu mögen: Sobald man ihn abschreiben will, kommt er mit einer grandiosen Folge um die Ecke. "Mitgehangen" zeigt, wie sich eine Mordermittlung für alle Beteiligten anfühlt.

"Tatort" aus Köln

Szene aus dem Köln-"Tatort": Die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) sind zu einem Baggersee gefahren, in dem eine Leiche entdeckt wurde.

  • 4 von 5 Punkten
  • Spannend: Die "Tatort"-Folge "Mitgehangen" wirft einen Blick ins Innere der Beteiligten einer Mordermittlung.

Worum geht's?

In einem Kölner Baggersee wird ein Auto geborgen - mitsamt einer Leiche im Kofferraum. Bei dem Toten handelt es sich um Florin Baciu, den Teilhaber einer Reifenhandels-Firma. Dort findet die Spurensicherung auch Blutspuren - damit gerät Matthes Grevel (Moritz Grove) unter Verdacht, der Besitzer der Firma. Während sich Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) auf den Ehemann und Familienvater einschießt und einseitig gegen ihn ermittelt, hält Freddy Schenk (Dietmar Bär) auch andere Täter für möglich. Eine Frage, die zum Zerwürfnis der Kommissare führt. Derweil drohen der in Untersuchungshaft sitzende Grevel und seine Familie unter dem Druck der Situation zu zerbrechen.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Im Fernsehkrimi läuft alles Woche für Woche routiniert ab, jeder spielt seine Rollen: Die Kommissare ermitteln, es gibt Tatverdächtige, am Ende wird der Täter gefunden und alles ist gelöst. Doch die Realität ist eine andere: Wenn Polizeibeamte in das Privatleben von Familien eindringen, ihre Intimsphäre durchleuchten, Väter in Untersuchungshaft stecken - dann geht das an niemandem spurlos vorbei. Nicht an den Verdächtigen, nicht an ihren Angehörigen - und auch nicht an den Ermittlern, die eine große Verantwortung tragen. Denn sie laufen immer Gefahr, dass sie Unschuldige dieser Extremsituation aussetzen. Dieser "Tatort" (Buch: Johannes Rotter, Regie: Sebastian Ko) zeigt, wie es im Inneren der Beteiligten aussieht. Das Sahnehäubchen dieses stimmigen Films ist die Darbietung von Lavinia Wilson als laszive Ehefrau des Verdächtigten, die allen Männern in ihrer Umgebung den Kopf verdreht.

Was nervt?

Das Thema des Films ist so stark, dass es gut getan hätte, es noch weiter zu vertiefen. Die im "Tatort" üblichen Randgeschichten auf dem Polizeirevier lenken davon nur ab.

Die Kommissare?

"Ist 'ne Leiche wie immer. Telefon klingelt. Zack. Nächste Leiche": Dieser Satz von Max Ballauf lässt erahnen, wie belastend die ständige Konfrontation mit Leichen für den Kommissar ist. Im Laufe des aktuellen Falles wird er sich mit seinem langjährigen Kollegen Schenk zerstreiten. Dem passt nicht, wie rabiat Ballauf gegen den Familienvater Grevel vorgeht - und das sagt er deutlich: "Du hast von Verantwortung keine Ahnung", schmeißt er seinem Kumpanen an den Kopf. Ein Fall, der alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt.

Ein- oder Ausschalten?

Wer wissen will, wie sich Mordermittlungen für die Tatverdächtigen, ihre Angehörigen, aber auch für die Kommissare anfühlen, sollte sich diesen "Tatort" unbedingt ansehen.

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