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"Tatort" aus Köln: Altbacken statt bombastisch: Warum der Jubiläums-"Tatort" von Ballauf und Schenk enttäuscht

Der 75. Fall der Kölner Kommissare Ballauf und Schenk trägt den Titel "Bombengeschäft". Klingt hochexplosiv, wird den Erwartungen aber nicht gerechnet. Eine Enttäuschung zum Jubiläum.

"Tatort: Bombengeschäft" aus Köln

Die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 2.v.l.) am Tatort. Ein Stück Kieferknochen ist alles, was vom Opfer übrig geblieben ist.

  • 2 von 5 Punkten
  • Mord, Ermittlungen, Aufklärung: "Bombengeschäft" ist ein klassisches Whodunit, doch so richtig Spannung kommt nicht auf

Worum geht's?

Die Sprengstoffspezialisten Peter Krämer (Beat Marti) und Katharina Vostell (Isabel Thierauch) werden zu einer Baugrube gerufen. Dort hat ein Baggerfahrer eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Nach erfolgreicher Entschärfung will Krämer die Bombe zur Lagerung in einen Bunker bringen, da kommt es zur Explosion. Viel mehr als ein Stück Kieferknochen ist nicht übrig von dem Toten. Doch darin findet Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch) Metallsplitter einer modernen Handgranate. Damit ist für die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) klar: Krämer muss ermordet worden sein. Doch wer hat ein Interesse daran, den erfahrenen Sprengmeister zu töten?

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Bombengeschäft", so der Titel des 75. Kölner "Tatorts", ist ein klassisches Whodunit. Am Anfang steht die Tat und Stück für Stück kommen Ballauf und Schenk mit ihren Ermittlungen voran. Wer wissen will, wie alles zusammenhängt und wer der Täter ist, muss also bis zum Schluss dran bleiben. Auch die Beziehungen der Protagonisten untereinander werden peu à peu enthüllt. Oder wie Regisseur Thomas Stiller es formuliert: "Man kann sich ja nie sicher sein, was zu entdecken ist, wenn man mal schaut, was unter der Oberfläche steckt und explodieren könnte – unter der Erde oder in den Menschen."

Was stört?

Seit 1997 ermitteln Ballauf und Schenk und gehören damit zu den dienstältesten "Tatort"-Kommissaren. Leider wirkt auch der jüngste Fall etwas altbacken. Es gibt sehr viel klassische Polizeiarbeit: Tatort-Begehungen, Befragungen, Verhöre auf dem Kommissariat. Wo waren Sie heute Nacht? Haben Sie ein Alibi? Kann das jemand bezeugen? Diese Fragen werden im Laufe von 90 Minuten nicht nur einmal gestellt. Es fehlt das Frische, Innovative in dem Fall, der so auch vor zehn Jahren hätte ausgestrahlt werden können. "Ganz normale Routine", nennt es Ballauf in einer Szene. Das gilt leider für den kompletten Film.

Die Kommissare?

Der eine trägt Lederjacke, der andere Trenchcoat und das seit über 20 Jahren: Ballauf und Schenk scheuen die Veränderung. Die beiden sind ein eingespieltes Team, das wird auch in der aktuellen Episode deutlich. Nüchtern, geradlinig und routiniert lösen sie den Fall. Private Probleme oder Sorgen werden dieses Mal überhaupt nicht thematisiert und auch der Witz kommt etwas zu kurz - inklusive der berühmten Currywurst.

Ein- oder Ausschalten?

Ein "Tatort", wie man ihn schon oft gesehen hat. "Bombengeschäft" klingt hochexplosiv, wird den Erwartungen aber nicht gerecht. Wenn Sie den Fall versäumen, haben Sie nichts verpasst.

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