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"Tatort"-Kritik So geht Krimi


Der neue Fall der "Tatort"-Ermittler aus München ist ein TV-Highlight. Der Zuschauer sieht einen packenden Krimi, der sich mit internationalen Formaten messen kann, findet Dominik Brück.

Gelungener Auftakt: Zum ersten Mal hat der preisgekrönte Regisseur Max Färberböck, bekannt durch Filme wie "Aimée und Jaguar" und "Sau Nummer vier", einen "Tatort" gedreht und damit die Messlatte ganz nach oben gehängt. "Am Ende des Flurs" punktet in nahezu allen Kategorien: Hervorragende Schauspieler, packende Handlung und eine sehenswerte Umsetzung sorgen dafür, dass der neue Tatort aus München den Zuschauern einen gelungenen Fernsehabend beschert.

So intensiv wie große internationale Serien

Selten wurde eine Mordermittlung so gut inszeniert wie die Suche nach dem Mörder von Lisa Brenner (Fanny Risberg). Die junge Frau wird nach einem Sturz aus dem zwölften Stock tot aufgefunden. Doch nicht nur die Umstände ihres Todes, auch ihr Leben geben den Ermittlern einige Rätsel auf. Die Lösung des Falls ist eingebettet in eine spannende Handlung, die nur im Mittelteil etwas langatmig wirkt. Mehrere Plot-Twists sorgen immer wieder für Überraschungen beim Zuschauer – besonders als bekannt wird, dass neben vielen anderen Männern auch Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) eine intime Beziehung zu dem Opfer pflegte. Der daraus resultierende Konflikt zwischen Leitmayr, der nun auf eigene Faust weiterermittelt, und seinem Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nemec), der sich nun mehr auf die neue Fallanalytikerin Christine Lerch (Lisa Wagner) verlassen muss, kann sich in seiner Intensität mit den großen internationalen Serien wie "Sherlock" oder "The Wire" messen. Beiden Hauptdarstellern gelingt es, ihre Charaktere derart überzeugend zu spielen, dass der Zuschauer gar nicht anders kann, als mit zu fiebern, wie sich die Beziehung der beiden Freunde entwickeln wird.

Mit den Augen des Mörders

Auch die filmische Umsetzung von "Am Ende des Flurs" überzeugt durch und durch und erinnert ebenfalls das ein oder andere Mal an die Quotenschlager aus dem Ausland. Schon der Anfang des "Tatort" stellt diese Verbindungen her: Lisa Brenner räkelt sich im weißen Kleid vor weißem Hintergrund, so dass nur ihr tief rot geschminkter Mund wirklich hervorsticht. Dazu hört der Zuschauer nur eine männliche Stimme, die Anweisungen gibt, und das Klicken einer Kamera. Solche Momente gibt es in "Am Ende des Flurs" viele - die Kameraführung ist perfekt in die Erzählweise des Regisseurs eingebunden. Mal sieht man Szenen aus den Augen des Mörders, mal sucht die Kamera aus dem Blick des Ermittlers hektisch nach einem Flüchtenden oder rast dicht an einer Autobahnleitplanke entlang.

Brillanter Wahnsinn

Eine weitere Besonderheit hat dieser "Tatort" zu bieten: Anders als in vielen anderen Krimis der Reihe wird der Fall nicht durch einen Zufall aufgeklärt, sondern durch die Arbeit der Ermittler. Das Zusammenspiel zwischen Batic und seinem alleine ermittelnden Kollegen schraubt sich dabei schließlich zu einem fantastischen und überraschenden Finale hoch. Erst kurz vor Schluss offenbart sich dem Zuschauer, dass Lisa Brenners Nachbarin Margot Höllerer (Barbara de Koy) nicht nur für den Mord an Brenner selbst, sondern auch an dem einer ihrer Männer verantwortlich ist. Die finalen Szenen sind – wie auch im Rest des Films – perfekt mit wiederkehrender Musik und Stimmen aus dem Off inszeniert, was für zusätzliche Atmosphäre sorgt.

Das Ende selbst sorgt beim Zuschauer für Gänsehaut pur: de Koy spielt die wahnsinnig gewordene Höllerer einfach brillant und sorgt ein ums andere Mal dafür, dass dem Publikum ein Schauer über den Rücken läuft. Ganz plötzlich stößt sie Kommissar Leitmayr ein Messer in den Rücken, noch bevor Batic seinem Freund und Kollegen zur Hilfe eilen kann. Die letzten Bilder zeigen einen Krankenwagen, der die Straße entlang rast und man hört immer wieder die Stimme von Batic, der sagt: "Wir schaffen das". Ein offenes Ende, das eine Fortsetzung verspricht – wenn diese genauso gut gemacht ist wie "Am Ende des Flurs", darf man sich schon jetzt darauf freuen.

Dominik Brück

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