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Neue Frankfurter Kommissarin "Tatort"-Ermittlerin nach Nazi-Opfer benannt


Noch bevor die Dreharbeiten abgeschlossen sind, sorgt der neue Frankfurter "Tatort" für Ärger: Die Ermittlerin trägt den Namen Selma Jacobi - ein Nazi-Opfer. Nicht alle halten das für eine gute Idee.
Von Carsten Heidböhmer

Ärger um den neuen Frankfurt-"Tatort". Noch bevor die letzte Klappe bei den Dreharbeiten gefallen ist, gibt es den ersten Streit. Der Grund: Die neue Ermittlerin soll Selma Jacobi heißen. Dabei handelt es sich um keinen Phantasienamen, diese Frau hat es wirklich gegeben. Selma Jacobi wurde 1854 in Görlitz geboren. Weil sie Jüdin war, wurde sie 1943 nach Theresienstadt deportiert und dort im gleichen Jahr ermordet. Ein Stolperstein in Berlin-Charlottenburg erinnert an sie. Die Gedenktafel steht direkt vor dem Haus der Schauspielerin Margarita Broich, die im Frankfurt-"Tatort" die Ermittlerin verkörpert. Das brachte Broich auf den Gedanken, ihrer Figur diesen Namen zu geben.

Eine Idee, die nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, gibt es Kritik seitens der Initiative Stolpersteine Berlin. "Ich finde die Idee reichlich befremdlich", zitiert die Tageszeitung Silvija Kavcic, die Leiterin der Koordinierungsstelle der Initiative. Die Krimireihe sei so wirkungsmächtig, dass die Person Selma Jacobi dahinter zurücktrete. Dadurch würde der Namen immer mit der "Tatort"-Kommissarin assoziiert. Kritik kommt auch vonseiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Dort heißt es, eine solche Form der Erinnerung sei "völlig unpassend".

"Geste gegen das Vergessen"

Beim Hessischen Rundfunk, dem für diesen "Tatort" verantwortlichen Sender, steht man aber hinter der Idee. Mit dem Namen der Kommissarin an ein Nazi-Opfer zu erinnern, sei eine "Geste gegen das Vergessen", sagte ein Sendersprecher stern.de. Einen Stolperstein würden zehntausende Menschen wahrnehmen, ein "Tatort" erreiche dagegen ein Millionenpublikum. An dem Namen Selma Jacobi wolle man auf jeden Fall festhalten. Das zu ändern wäre auch schwierig: Die Dreharbeiten haben bereits begonnen. Die Ausstrahlung des ersten Falls ist für Anfang 2015 geplant.

Margarita Broich tritt in der Krimireihe die Nachfolge von Joachim Król und Nina Kunzendorf an. Als Parallele zur echten Selma Jacobi hat Broichs Kommissarin jüdische Wurzeln. An ihrer Seite wird Wolfram Koch ermitteln. Sein Name ist gänzlich unverfänglich, er heißt Paul Brix.


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