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"Tatort" aus Bremen: Alle irre, oder was?

Schwacher "Tatort" aus Bremen: "Zurück ins Licht" will viel - und überdreht leider völlig. Da hilft es auch nicht, dass Kommissar Stedefreunds Privatleben endlich mal durchgeschüttelt wird.

Bewertung:

- 2 von 5 Punkten

- Ein klischeebehafteter "", der sich mit übertriebener Selbstoptimierung und komplizierten Liebesbeziehungen befasst

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Ein abgetrennter Finger und ein Auto mit Blutspuren: Das ist alles, was die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) in einem Parkhaus vorfinden. Der Besitzer des Autos ist der ehemalige Chef eines Pharmahandels. Nach Angaben seiner Frau Judith Bergener (Victoria Fleer) hat er sich vor Monaten abgesetzt – kurz danach ging sein Unternehmen pleite. Die Letzte, die mit ihm Kontakt hatte, war die erfolgshungrige Pharmareferentin Maria Voss (Nadeshda Brennicke). Sie skatet im knallroten Mantel durch die Nacht und will immer nur "zurück ins Licht", wie sie es nennt. Stedefreund kommt ihr dabei näher, als Lürsen und der BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram) lieb ist.

Warum lohnt sich der ?

Schon klar: "Zurück ins Licht" ist absichtlich überdreht. Vor allem Nadesha Bennicke darf als narzisstische und ehrgeizige Verdächtige im Selbstoptimierungswahn alle Register ziehen und so künstlich und übertrieben die Femme Fatale geben, dass es schon wieder lustig ist. Wer vom üblichen "Wo waren Sie gestern?"-"Tatort" gelangweilt ist, bekommt hier außerdem eine Alternative angeboten.

Was nervt?

Leider schreit das Ganze förmlich nach Filmschule: Hier die mysteriöse Frau im roten Mantel, dort die rasanten Schnitte, dazwischen ist der Kommissar mal nackt. Vor allem die ach-so-verrückten-Damen könnten die Geduld des durchschnittlichen "Tatort"-Zuschauers arg strapazieren. Richtig verrückt spielt auch der Soundtrack, der wie im Musical abrupt einsetzt, von Michael Jackson bis zum Kirchenchoral ist alles dabei. Dazwischen kommen Videoclip-artige Selfie-Aufnahmen - doch nichts davon bringt die Handlung voran.

Außerdem wirken einige Szenen nach zwei Wochen mit täglich neuen Meldungen von sexuellen Belästigungen in Hollywood schlicht unangenehm: Nein, es ist nicht lustig oder sexy, seinen Arbeitskollegen ungefragt auf den Mund zu küssen, sondern übergriffig. Auch wenn hier die junge Frau den alten Mann knutscht. Ebenfalls problematisch wird es, als Stedefreund die Verletzlichkeit einer offensichtlich psychisch angeschlagenen Verdächtigen sexuell ausnutzt. Beides wird völlig unkommentiert hingenommen.

Die Kommissare?

Lürsen gerät fast zur Nebenfigur, es ist die Stunde von Stedefreund: Er findet seine soziopathisch veranlagte Freundin Linda Selb "faszinierend", doch die romantisch angelegten Sequenzen mit ihr geben meist Anlass zum Fremdscham. Dazwischen muss er Sätze sagen wie "Wenn Sie so viel Glück hatten, warum sieht man das dann nicht in Ihren Augen?" Keine leichte Folge für den Schauspieler Oliver Mommsen. 

Ein- oder Ausschalten?

Es gab schon bessere Krimis aus Bremen. Wer Fan von Lürsen und Stedefreund ist, sollte einschalten, da das Duo sich Anfang 2019 vom "Tatort" verabschiedet. Oder Sie warten bis 21:45 Uhr: Wirklich zu empfehlen ist nämlich die neue Miniserie "Das Verschwinden", die direkt im Anschluss startet. 


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