HOME

Stern Logo Tatort

Schnellcheck

"Tatort" aus dem Schwarzwald: Die Öko-Nazis von nebenan: Packender zweiter Fall von Tobler und Berg

Sonnhild Böttger stirbt auf dem Bio-Bauernhof ihrer Eltern. Kommissar Berg kennt die Familie seit Langem. Seine Kollegin Tobler begreift jedoch rasch, dass sich hinter der Idylle eine düstere Ideologie verbirgt und Sonnhild ermordet wurde.

Franziska Tobler (Eva Löbau, l.) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) sind auf dem Hof der Böttgers eingetroffen, um die Familie zu befragen. Dazu gehört auch Mechthild (Janina Fautz), die jüngere Schwester der toten Sonnhild.

Franziska Tobler (Eva Löbau, l.) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) sind auf dem Hof der Böttgers eingetroffen, um die Familie zu befragen. Dazu gehört auch Mechthild (Janina Fautz), die jüngere Schwester der toten Sonnhild.

  • 4 von 5 Punkten
  • Emotional packend und erschreckend aktuell: Ein wichtiger und starker zweiter Auftritt für die neuen Schwarzwald-Kommissare Friedemann Berg und Franziska Tobler

Worum geht's?

Sonnhild Böttger (Gro Swantje Kohlhof) bricht bewusstlos im Unterricht zusammen. Wenig später stirbt das Mädchen auf dem Bauernhof seiner Eltern - offiziell an den Folgen einer nicht behandelten Diabetes. Zudem war die Schülerin in der zwölften Woche schwanger. Die Kommissare (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) übernehmen die Ermittlungen, als sich der Verdacht erhärtet, dass Sonnhild keines natürlichen Todes gestorben ist. Berg hat zudem eine besondere Beziehung zu der Familie der Toten. Sonnhilds Vaters Volkmar Böttger ist ein alter Schulfreund des Kommissars. Er betreibt einen Bio-Bauernhof und legt großen Wert auf alte Traditionen und Werte. Kommissarin Tobler bezeichnet die Böttgers zunächst als "Hardcore-Ökos", merkt aber schon bald, dass sich hinter der scheinbar idyllischen Fassade eine düstere Ideologie verbirgt.

Warum lohnt sich dieser " "?

Seit Oktober vergangenen Jahres ermitteln Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und (Eva Löbau) als neues "Tatort"-Team aus dem Schwarzwald. "Sonnenwende" ist ihr zweiter Fall und widmet sich einem brandaktuellen Thema. Seit mehreren Jahren lassen sich in den ländlichen Regionen Deutschlands sogenannte "völkische Siedler" nieder. Unter dem Deckmantel der Heimattreue oder des Traditionsbewusstseins verbreiten sie nationalsozialistische Ideologien und unterwandern so die Gesellschaft. Der "Tatort" zeigt dies auf erschreckend realistische Weise. Zudem brillieren Janina Fautz als Böttger-Tochter Mechthild sowie Nicki von Tempelhoff als Familienoberhaupt Volkmar Böttger.

Was nervt?

Für 90 Minuten Sendezeit reißt "Sonnenwende" zu viele Themen an. Es geht um Neonazi-Kameradschaften und eine V-Mann-Affäre, die Konflikte innerhalb der Familie Böttger und die Freundschaft von Kommissar Berg mit Clan-Chef Volkmar Böttger. Da gerät die Aufklärung des Todes von Sonnhild Böttger fast zur Nebensache.

Die Kommissare?

Kommissar Friedemann Berg droht durch seine alte Freundschaft mit Familienoberhaupt Volkmar Böttger die Objektivität in dem Fall zu verlieren. Er nimmt die Böttgers lange gegenüber seiner Kollegin in Schutz. Erst die Beerdigung von Sonnhild Böttger öffnet ihm die Augen. Franziska Tobler hingegen hegt schon frühzeitig Zweifel, dass etwas vertuscht werden soll und stürzt sich sehr engagiert in die Ermittlungen. Das wiederum sorgt für Frust bei ihrem Ehemann, denn die beiden versuchen, ein Baby zu bekommen.

Ein- oder Ausschalten?

Unbedingt einschalten. Die Kommissare Friedemann Berg und Franziska Tobler sind eine echte Bereicherung für die "Tatort"-Familie.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo