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Theaterstück zum Fall Fritzl: "Pension F." unter Polizeischutz aufgeführt

Das Stück sorgte schon vor der Aufführung für lautstarke Proteste: "Pension F.", eine Satire auf den Umgang der Medien mit dem Inzestfall von Amstetten, ist nun in Wien auf die Bühne gebracht worden - unter großem Medienrummel und Polizeischutz.

Es sollte zur "ultimativen Mediensatire" werden: Bereits Wochen vor seinem Entstehen erregte "Pension Fritzl", das Stück mit dem Namen des berüchtigten Inzest-Täters von Amstetten in Österreich, heftige Kontroversen. Am Ende begann die Uraufführung von "Pension F. - Ehemals Pension Fritzl" am Montagabend in Wien unter Polizeischutz. Unter den Augen von mehr als 50 internationalen Medienvertretern mit einem Dutzend TV-Kameras präsentierte Regisseur Hubsi Kramar auf Wiens bekannter Off-Bühne "3raum-anatomietheater" ein Stück politischer Satire. Gezielt plakativ und böse prangert es die Sünden des rücksichtslosen Medienrummels im Fall des 73-jährigen "Jahrhundertverbrechers" Josef Fritzl und seiner Tochter Elisabeth an.

"Pension F." ist aber erwartungsgemäß kein Theaterstück geworden, sondern eine Reihung einzelner kabarettähnlicher Nummern, in denen es stets um "das Eine" geht: Die Gnadenlosigkeit und Hemmungslosigkeit moderner Medien im Kampf um die Sensation. Dabei macht Kramar deutlich, dass er die bei der Premiere anwesenden Medien und Journalisten in seine Kritik mit einbezieht.

Gegen Ende des ersten Teils setzen er und seine Schauspieler sich gemeinsam vor die Zuschauer-Journalisten und spenden ihnen zynischen Applaus. Nur ein Thema ist bei diesem Stück durchgängig: Eine junges Missbrauchsopfer, das mit Maske vor dem Gesicht über das an ihr verübte Verbrechen aussagen will, wird von den handelnden Personen immer wieder von der Bühne gejagt. Am Ende hilft dabei ein Polizist.

Der Skandaljournalismus ist für Kramar natürlich nicht auf Österreich begrenzt. Bester Beweis dafür ist die jüngste Veröffentlichung der ersten Fotos von den Familien-Opfern Josef Fritzls im Londoner Massenblatt "Sun". Und so wundert es nicht, dass der Autor am Ende allen anwesenden Journalisten zynisch dafür dankt, "dass sie ein so gutes Stück geschrieben haben".

DPA / DPA