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TV-Tipp 19.7.: "Sommer in Orange": Holladiho trifft Ommmmmmm

Und jetzt nehmen wir uns alle in den Arm... Bhagwan-Jünger ziehen ins bayerische Straußenland. Da ist der Kulturclash vorprogrammiert - und die Lacher ebenfalls. Unser TV-Tipp des Tages.

"Sommer in Orange"
20:15 Uhr, Bayern
KOMÖDIE In meinem Freundeskreis überlegt gerade wieder ein Pärchen, auf's Land zu ziehen. Beide Stadtgewächse durch und durch, stramm links, Demogänger und im kleinen Kulturkino an der Ecke häufiger anzutreffen als zu Hause. Am liebsten würden sie einen kleinen Bauernhof bewirtschaften. Sich selbst versorgen. Endlich rauskommen aus all dem Stress, den das Leben in der Großstadt so mit sich bringt.

Ich schüttele dann immer amüsiert mit dem Kopf. Mit 20 Jahren Dorflebenerfahrung auf dem Buckel weiß ich: Muhende Kühe und frisches Gras helfen nicht viel, wenn der Nachbar gerade mit seinem Güllekumm unterwegs war. Von den Kulturclash Huntington'schen Ausmaßes ganz zu schweigen, wenn vom Alkohol geschwängerter Dorfkatholizismus ("Wir haben euch noch gar nicht beim Sonntagsgottesdienst gesehen!") auf theoretisch sattelfest unterbauten Linksfeminismus ("Sexistische Kackscheiße") trifft. Aber Mäuschen spielen würde ich doch zu gern.

Dank Marcus H. Rosenmüller (Regie) und Ursula Gruber (Drehbuch) geht das auch - und zwar ohne sich ein blaues Auge zu holen. "Sommer in Orange" spielt im Jahr 1980 und beschreibt, wie eine Gruppe Bhagwan-Jünger aus Kreuzberg in ein bayerisches Kaff umzieht, um dort ein Therapiezentrum aufzumachen. Natürlich knarzt und ächzt es zwischen zwischen Kommunarden und Dorfbewohnern, natürlich gibt es Liebesverwicklungen und natürlich werden die Lebensweisen der jeweils anderen Partei hinterfragt. Aber niemals geht der Film so weit, seine Konflikte ins Tragische eskalieren zu lassen. Und das ist gut so.

"Sommer in Orange" ist eine flockig-leichte Sommerkomödie, die ihren Spott gerecht auf beide Seiten verteilt und vor allem Spaß macht. Mit Amber Bongard spielt außerdem eine Jungschauspielerin (als zwölfjährige Lili) mit, die schon in "Groupies bleiben nicht zum Frühstück" mit ihrer rotzigen Natürlichkeit ("Bhagwan - das ist der mit den vielen Rolls-Royces. Und wegen ihm tragen auch alle orangene Klamotten.") begeistern konnte.

PS: Und danach "Der Name der Leute" gucken! Für alle, die beim letzten Mal diese herrlich anarchische Komödie aus Frankreich verpasst haben, gibt es um 23.30 Uhr auf Einsfestival eine Chance, das wieder gutzumachen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Quellen des Lebens"
20.15 Uhr, ARD
DRAMA Drei Generationen, drei Liebesgeschichten, unzählbare Verletzungen: von Opas Heimkehr aus russischer Gefangenschaft 1949 bis zu Enkel Roberts Ankunft bei sich selbst Ende der 70er. Im weiten Bogen setzt Oskar Roehler die Erinnerung an (s)eine Kindheit in einen grellen Bilderreigen um. Eher Sozialsatire als Familiensaga, erzählt der Film aus der Sicht eines verstoßenen Kindes, findet deshalb Frieden in der Provinz und verurteilt die Kriege der selbst verliebten 68er. Zeitgeschichte, wie sie so verstörend und artifiziell im Fernsehen selten vorkommt. Es helfen gern gesehene Gesichter wie Jürgen Vogel, Meret Becker, Moritz Bleibtreu, Lavinia Wilson und Margarita Broich. (bis 23.05)

"Marvins Töchter"
20.15 Uhr, Servus TV

DRAMA Bessie (Diane Keaton) ist an Leukämie erkrankt. Nur eine Knochenmarkspende von Schwester Lee (Meryl Streep) oder deren Söhnen (u. a. Leo DiCaprio) könnte sie retten. Aber die beiden Frauen mögen sich nicht. - Ordentliche Dosis Herzwärme mit Starpower, zeitlos wirksam. (bis 22.00)

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