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TV-Tipp 9.8.: "Der große Stau": Stillstand ist der Tod

Im Stau zeigt sich das wahre Gesicht des Menschen: Luigi Comencini hat 1978 eine bitterböse Studie über unsere Gesellschaft hingelegt. Unser TV-Tipp des Tages.

Nichts geht mehr: Ein gigantischer Stau legt den Verkehr auf der Autobahn nach Rom für über 36 Stunden lahm.

Nichts geht mehr: Ein gigantischer Stau legt den Verkehr auf der Autobahn nach Rom für über 36 Stunden lahm.

"Der große Stau"
00.35 Uhr, Arte
SATIRE Ob Unternehmer, Lastwagenfahrer oder Filmstar: Im Stau sind alle Menschen gleich. Beziehungsweise gleich genervt. Das wissen wir nicht erst, seitdem Ottfried Fischer, Ralf Richter und Monika Baumgartner im "Superstau" standen. An diese Komödie von 1991 fühlte ich mich sofort erinnert, als ich zum ersten Mal über Luigi Comencinis Film stolperte. Aber Comencini war eher da (1978) - und ihm gelang auch der bessere, weil bösere Film.

36 Stunden geht auf einem Autobahnabschnitt kurz vor Rom gar nichts mehr - und es zeigt sich einmal wieder, wie dünn der Mantel der Zivilisation ist, den sich Homo sapiens übergeworfen hat. Aus Ungeduld wird Wut - und bald regiert auf der Straße das Recht des Stärkeren. Während "Superstau" eher in die klamaukige Ecke abgleitet und vor allem die deutsch-deutschen Unterschiede aufs Korn nimmt, traut sich "Der große Stau" mehr. Comencini nutzt den Mikrokosmos Stau, um seine zutiefst misanthropische Sichtweise auf die Gesellschaft zu offenbaren: Sein Film ist ein Roadmovie, in dem sich niemand vorwärts bewegt - und niemand lernt. Geschichte wird gemacht, es geht voran? Von wegen!

PS: "Superstau" kannte sein großes Vorbild. Der deutsche Schauspieler Harry Baer, der in Comencinis Film als LKW-Fahrer Mario vor der Kamera stand, taucht in dem Film von 1991 in einer kleinen Nebenrolle auf.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Ratatouille"
20.15 Uhr, RTL


COMPUTERTRICKSPASS Unter der Kochmütze verborgen, dirigiert die kochende Ratte Remy den linkischen Tellerwäscher Linguini und macht ihn zum Star eines Pariser Nobelrestaurants. Aber Chefkoch Skinner riecht den Braten… Toll animiert, voller Tempo und Oscar-prämiert. (bis 22.20)

"Project X"
22.20 Uhr, RTL


TEENKOMÖDIE Thomas (Thomas Mann) wird 17 – und die Eltern fahren weg! Die Gelegenheit, unter den Mitschülern als Partylöwe zu punkten – nur sollte man die Fete nicht im Netz ankündigen… Ein exorbitantes Inferno, das sein wahres Vorbild in Australien hatte. (bis 0.05)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo