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TV-Tipps des Tages für den 18.3.: Im protzigen Untergrund von Moskau

Ein Stinkefinger im Gesicht des Kapitalismus sollte sie sein - und geizte nicht mit Prunk und Protz. Die Doku "Wie wir die Metro in Moskau bauten" erzählt die Geschichte der eindrucksvollen U-Bahn.

"Wie wir die Metro in Moskau bauten"
22.05 Uhr, Arte
Es wird kolportiert, der Bau der Moskauer Metro sei Stalins Lieblingsprojekt gewesen. Gut, das sagt man wohl von so vielen Dingen, bei denen der sowjetische Diktator seine Hände im Spiel hatte. Aber wer zum ersten Mal das unterirdische Tunnelsystem von Russlands Hauptstadt betritt, muss schon ein dickes Fell haben, um nicht ins Staunen zu geraten. Kronleuchter, Stuck an der Decke, Marmorsäulen und imposante Mosaike schmücken die unterirdischen Bahnhöfe, deren Luxus bis heute überwältigt (hier ein paar fotografische Eindrücke).

"Mehr noch als alle Theater und Paläste wird die Metro unseren Geist anregen und erhellen", hatte Lasar Kaganowitsch, Stalins Volkskommissar für das Eisenbahnwesen, den ideologischen Plan vorgegeben. Eine Kampfansage an die "düsteren, einförmigen und tristen" U-Bahnen in den verhassten kapitalistischen Staaten. In Moskaus Metro sollten sich die Arbeiter laut Kaganowitsch "genauso froh und munter und gut fühlen wie in der Freizeit, im Klub, in der Fabrik." In der Fabrik, genau.

Von "Seeleningenieuren" und Schweißarbeiten

Eine kleine Doku auf Arte beleuchtet heute Abend, wie man versuchte, Arbeiter, Bauern und junge Kommunisten nicht nur für die schweißtreibende und gefährliche Arbeit zu motivieren, sondern auch dazu zu bringen, mit ihren eigenen Worten eine Chronik des Bauvorhabens niederzuschreiben. Das Besondere: Die Macher von "Wie wir die Metro in Moskau bauten" haben einen Zeitzeugen aus der damaligen Zeit aufgetrieben. Der Mann, ein so genannter "Seeleningenieur", half den Bauarbeitern damals, ihre Gedanken in die 'richtigen' Worte zu kleiden.

Aber Vorsicht: Es ist ein kleines Überraschungspaket, das ich Ihnen heute empfehle. Die Doku ist brandneu, ich habe sie selbst noch nicht gesehen, hoffe aber das Beste. Denn irgendetwas fesselt mich an der Idee, ausgerechnet jene Menschen über ein Bauvorhaben schreiben zu lassen, die direkt daran beteiligt waren (selbst wenn in diesem Fall allzu kritische Töne sicher mit einem Fahrschein nach Sibirien belohnt worden wären). Ich wäre zumindest gespannt, was die Bauarbeiter der Elbphilharmonie oder des Flughafens Berlin-Brandenburg so zu berichten hätten.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Aufbruch im Vatikan"
20.15 Uhr, Arte
THEMENABEND Vor einem Jahr trat Papst Franziskus sein Amt an. Der erste Nichteuropäer auf dem Heiligen Stuhl predigt eine bescheidene Kirche und steht für den Aufbruch im Vatikan, auf den viele hoffen. Was dem Mann aus Argentinien an Arbeit bevorsteht, zeigt auch die nachfolgende Doku "Heiliges Geld" (21.00 Uhr). Darin beleuchtet der britische Historiker und Mafiaspezialist John Dickie das Verhältnis des Oberhirten zu den Skandalen um die Vatikanbank und einem Bischof mit teuren Träumen. Dokumente belegen, wie die katholische Kirche – die reichste der Welt - mit Spenden umgeht und wie Millionen auf Geheimkonten landen. Es gibt viel zu tun. Beten allein reicht bestimmt nicht. (bis 22.05)

"The Act of Killing"
23.00 Uhr, Arte

DOKU Etwa eine Million "Kommunisten" wurden 1965 in Indonesien ermordet. Bis heute drangsalieren die verantwortlichen Paramilitärs die Bevölkerung. Joshua Oppenheimer brachte Täter dazu, ihre Gräueltaten vor der Kamera nachzustellen. Sie sind immer noch stolz darauf. (bis 0.35)

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