HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipps des Tages für den 4.1.: Tolstoi leichtverdaulich

Russische Hochliteratur im TV-Format: Die ARD bringt "Anna Karenina" als opulenten Kostümfilm auf unsere Mattscheiben - unser TV-Tipp des Tages.

Verbotene Liebe auf Russisch: Anna (Vittoria Puccini) ist glücklich darüber, dass sie endlich ihren Wronski (Santiago Cabrera) wieder sieht.

Verbotene Liebe auf Russisch: Anna (Vittoria Puccini) ist glücklich darüber, dass sie endlich ihren Wronski (Santiago Cabrera) wieder sieht.

"Anna Karenina"
20.15 Uhr, ARD

LITERATURVERFILMUNG Mit Tolstoi ist es so eine Sache. Wie gerne würde man den Großmeister des russischen Realismus besser kennenlernen, wenn seine Bücher nur nicht so verdammt lang, sein Personenkarussell nicht so unübersichtlich wäre. Praktisch, wenn ein Regisseur daherkommt und den Stoff auf wohlverdauliche drei Stunden eindampft. Vittoria Puccini spielt die titelgebende Anna Karenina, deren Ehe nach einer leidenschaftlichen Affäre mit dem Grafen Wronski (Santiago Cabrera) zerbricht und die, gesellschaftlich geächtet, schließlich dem Wahnsinn verfällt.

Aber braucht es wirklich schon wieder eine Neuverfilmung? Erst 2012 waren Jude Law und Keira Knightly in einer gelungenen, aber stark stilisierten Leinwandadaption zu sehen gewesen. Regisseur Joe Wright hatte einen Großteil der Handlung auf eine Theaterbühne verlegt - ein inszenatorische Kniff, der der Kinoproduktion eine interessante Doppelbödigkeit verliehen hatte. Die ARD setzt mit ihrer deutsch-italienischen Koproduktion dagegen auf opulente Kostüme und Materialschlachten und erzählt eine eher klassische Amour-Fou-Geschichte.

Das ist weniger pfiffig, sicher - aber gar keine schlechte Idee für Neulinge, die sich dem harten Stoff möglichst sanft nähern wollen. Und wer weiß? Vielleicht macht die erste Begegnung mit der liebeskranken Anna ja Lust auf mehr? Zum Beispiel auf einen Blick in Tolstois Tausendseiter.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Russ Meyer's Up"
23.50 Uhr, Tele 5

EXPLOITATION Mit "Up", dem herzerwärmenden Film aus der Pixar-Schmiede, hat dieses surrelale Russ-Meyer-Machwerk herzhaft wenig zu tun. Aber der ursprüngliche deutsche Titel "Drüber, drunter und drauf" war den Herren bei Tele 5 offenbar zu blöde. Dabei hätte er herrlich zu dem trashigen Inhalt dieses Softpornos gepasst: Ein Mann, der frappierend Adolf Hitler ähnelt, liest in der Badewanne eine Ausgabe der "Zeit" (sic!), als eine maskierte Gestalt eintritt und ihm einem Piranha zum Fraß vorwirft. Undercover-Polizistin Margo wird ausgesandt zu ermitteln, ein "griechischer Chor" in Form von Meyers splitternackter Freundin führt die Zuschauer durch den hanebüchenen Plot - und beweist ganz nebenbei, dass nicht "Game of Thrones", sondern Russ Meyer das Prinzip "Sexposition" erfunden hat.

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo