Gletscher – Schmelzende Riesen
Wenn das ewige Eis zerrinnt

  • von Hans Czerny
Der Schweizer Glaziologe Matthias Huss erforscht das Gletschersterben in einer vom Schmelzwasser unter dem Rhonegletscher ausgehöhlten Grotte.
Der Schweizer Glaziologe Matthias Huss erforscht das Gletschersterben in einer vom Schmelzwasser unter dem Rhonegletscher ausgehöhlten Grotte.
© ARTE / Gedeon Programmes

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Sie schmelzen immer mehr und immer schneller. Gletscher sind die "Botschafter des Klimawandels". Mit ihrem Schmelzen steigt der Meeresspiegel, die Meeresströmungen verändern sich.

Im schweizerischen Graubünden stürzt am 28. Mai 2025 unter Donnern der Birchgletscher zu Tal, eine beängstigende Kaskade aus Eis und braunem Geröll. Die Bilder stehen am Anfang der Dokumentation über die "schmelzenden Riesen" von Pierre-Olivier François und Judith Rueff (Erstsendung, ARTE F). Letztlich sind die Aufnahmen so eindrucksvoll, dass sie die vielen hier aufgezeigten Bestrebungen überwiegen, mit denen der weltweit bedrohlichen Gletscherschmelze Einhalt geboten werden soll. Forscher, Glaziologen genannt, bleibt erst mal nichts weiter, als den Schwund genauestens zu vermessen. In den Alpen können sie so immerhin Leben retten. Im Falle des Birchgletscher-Absturzes wurde so zwar ein ganzes Dorf samt Kirche zerstört. Dank der Vorwarnung der Wissenschaftler wurden viele Menschen gerettet, ein Mensch verlor sein Leben.

Immer genauer und intensiver werden die Vermessungen der weltweit sterbenden Gletscher. Sie schwinden nicht nur in den Alpen, sondern auch in Patagonien, in den Anden, im Himalaya, in Neuseeland, Kanada, Alaska und Island, in der Antarktis, in Grönland und Spitzbergen. Forscher erkennen das Schwinden millimetergenau, mit ihren Messgeräten beobachten sie alles rund um die Uhr. Doch selten können sie so gut helfen wie in Courmayeur auf der italienischen Seite des Montblanc. Dort erinnert sich vor idyllischem Alpenpanorama ein Einwohner an Zeiten, in denen die weißen Riesen noch leuchteten. Jetzt sind sie "grau und klein. Es sind Giganten, die im Sterben liegen", wie der Einheimische sagt.

Noch immer wird der Klimawandel geleugnet

Doch, immerhin, Ludovico wurde von den Gletscherspezialisten gewarnt, mehrfach ließ ihn der Bürgermeister von Courmayeur mit den anderen Einwohnern bereits evakuieren. Andernorts nützt die Vorwarnung nicht viel. In Patagonien leiden sie unter Wassermangel. "Früher hatten wir Wasser", sagt eine Frau unter Tränen, die nicht mehr kochen kann. Eine nahe gelegene Kupfermine hat den nahen Gletscher zerstört, aus ihm wurde das Grundwasser gespeist.

Ein Gesetz, das die Verschmutzung von Santiago aufhalten kann, lässt seit vielen Jahren auf sich warten. Noch immer wird der Wandel des Klimas aus politischen Gründen geleugnet, noch immer wirft dieses Leugnen das Verhindern des Gletschersterbens um bislang 20 bis 30 Jahre zurück.

So bleibt den Gletscherforschern, die selbst die riesigen, horizontal wirkenden Eiskuppen im Inneren Grönlands vermessen, nur die Auflistung des Tatbestands. Bis zum Ende des Jahrhunderts, so prognostizieren sie, wird der Meeresspiegel um einen Meter steigen, Städte wie London, Hamburg oder Shanghai, Amsterdam oder New York würden überschwemmt. Alles nicht unbedingt neu und bereits vor Jahrzehnten gehört. Aber der ARTE-Film weist nochmals eindringlich und mit neuen Beweismitteln ganz aus der Nähe auf die Katastrophe hin.

Um 21.45 folgt mit "Hotspot Arktis – Zwischen Eisschmelze und Ressourcenkampf" (ARTE-Erstsendung) ein Film über den Kampf der Ureinwohner auf beiden Seiten der Beringstraße zwischen Alaska und Sibirien. Öl- und Gasbohrungen vertreiben die Ureinwohner und erwärmen das Klima durch die Vernichtung der Permafrostböden auf bedrohliche Weise.

Gletscher – Schmelzende Riesen – Di. 28.04. – ARTE: 20.15 Uhr

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