Kolumne Marinić
Dünnsein ist keine Privatsache mehr

  • von Jagoda Marinić
stern-Montage: Jagoda Marinić und eine sehr dünne Demi Moore im Hintergrund
Stars werden wieder dünner und dünner, so wie Demi Moore zeigt
© stern-Montage: Fotos: Gene Glover / stern; Getty Images

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Demi Moore wirkt mager bis auf die Knochen, auch Michelle Obama scheint immer mehr abzunehmen. Unsere Kolumnistin findet: Sie sind schlechte Vorbilder für Millionen anderer Frauen.

Die dünne Frau ist zurück! Früher hieß dieser Look Size Zero, jetzt nennt er sich Superskinny. Die Schauspielerin Demi Moore machte Schlagzeilen, weil sie bei der diesjährigen Oscar-Verleihung so dünn wie noch nie auf dem roten Teppich stand. Sie wurde gescholten und gefeiert, wie das so ist, wenn es um das Aussehen von Frauen geht.

Zuerst dachte ich: Jede, wie sie will. Doch jetzt wird klar: Das ist ein Trend und nicht ganz ihre Privatsache. Frauen im Rampenlicht setzen Trends, beeinflussen das Körpergefühl von Millionen anderen Frauen. Nur kurze Zeit ertrug diese Gesellschaft die Vielfalt; man nannte das Body Positivity, jeder Körper ist liebenswert. Vorbei.

Als ich Teenager war, las ich Interviews mit dürren Models, die erzählten, sie machten zwar Sport, um schlank zu bleiben, aber vor allem aßen sie während der großen Modewochen höchstens fünf Gummibärchen am Tag und tranken eine Cola. Cola war so etwas wie ein Hauptgericht, die Schweinshaxe für Frauen im Modegeschäft. Wir sollten damals bloß nicht ins Fitnessstudio. Eine Frau mit Muskeln? Unappetitlich! Wir sollten einen Kinderkörper behalten, so lange wie möglich Lolita bleiben. Bitte bloß keine Kraft ausstrahlen, keine Kurven zeigen, am besten rüberkommen wie ein Kleiderständer. Wenn schon Kurven, dann Brüste, die notfalls mit Silikon.

Schlankheitswahn aus den 90er Jahren reloaded

Es folgte die Ära der Supermodels, die meine Generation nicht vergessen kann und die daher noch heute gut im Geschäft sind: Cindy Crawford, Naomi Campell und Christy Turlington zeigten Charakter und dreidimensionale Körper, kräftige Muskeln auf dem Catwalk. Supermodels wie sie erlösten Frauen von der Dürrheitsmanie. In Hollywood tanzte Salma Hayek im Film „From Dusk till Dawn“ und hob die kurvige Latina aus dem Klischee der Putzfrau in die Liga Sexsymbol, das seinen Weg geht. Jennifer Lopez ließ sich als La Guitarra fotografieren, die stolz auf ihre Hüften ist. Diese Frauen standen, trotz der krassen Sexualisierung ihrer Kunst, für eine Vielfalt weiblicher Schönheit.

Seitdem Ozempic auf dem Markt ist, wird sogar spekuliert, Michelle Obama habe ihren neuen, superdünnen Körper der Abnehmspritze zu verdanken. Ausgerechnet Mrs. Obama, die viele für ihre Kraft lieben! Es ist eben doch nicht feministisch, zu sagen, soll doch jede machen, wie sie will. Superskinny Frauen auf Tiktok bringen nicht so skinny Mädchen zu Hause auf die Idee, sich kaputtzuhungern für ein Reel.

So dünn sein, dass man fast verschwindet

Ich weiß, jede Mode kommt wieder, alles nur Zyklen. Aber warum blieb Body Positivity ein so flüchtiger Moment? Vielleicht, weil sich zu wenig Geld machen lässt mit Frauen, die sich und ihren Körper lieben. Die Gen Z und Millennials geben, je nach Umfrage, zwischen 200 und 500 Euro monatlich für Kosmetik und Schönheitsbehandlungen aus, manche fast 10.000 Euro im Jahr. Kosmetik wird zur Kontrolle statt zum Spiel. Eine Frau soll demonstrieren, wie willensstark sie Kalorien zählt, wie dünn sie sein kann. Fast soll sie verschwinden.

Die Gen Z zieht sich ihre Ideale aus dem Netz. Für ältere Frauen wiederum steht jemand wie Demi Moore vor den Kameras, ultradünn im schwarzen Lederlook, angehimmelt von einer Industrie, die Frauen hasst, wenn sie sie nicht konsumgeil bekommen kann.

Superskinny ist eben nicht Privatsache, weil Frauen anfangen, sich öffentlich unwohl zu fühlen. Der weiche, runde Körper verschwindet, als müsse das Weibliche weg. Rebellion wäre ganz einfach: Haut rein beim Essen, Ladys! Betretet seltener den Drogeriemarkt! Liebt euch und lasst euch lieben, wie ihr seid! Nur das.

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