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"Mein vergessenes Leben" im ZDF Heute Abend: das Demenz-Drama mit Robert Atzorn


Bis zu 1,6 Millionen Menschen sind laut Bundesgesundheitsministerium in Deutschland von Demenz betroffen. Das ZDF erzählt in "Mein vergessenes Leben" einfühlsam über eine Krankheit, die immer mehr Familien herausfordert.

Sie ist die Krankheit des Vergessens, sie kommt schleichend und viele Betroffene schämen sich für ihre immer größer werdenden Gedächtnislücken: Demenz ist zu einer Volkskrankheit geworden. Wie Betroffene die verschiedenen Phasen der Krankheit erleben, zeigt das ZDF mit der Tragikomödie "Mein vergessenes Leben" als Fernsehfilm der Woche an diesem Montag (20.15 Uhr).

"Du bist unheilbar an Demenz erkrankt!", da steht es - schwarz auf weiß. Alexander (Robert Atzorn) muss es sich immer wieder vergegenwärtigen; sein Schicksal, das ihm äußerlich nicht anzusehen ist. Der wohlhabende Pensionär scheint alles zu haben: eine großzügige Villa, Sportwagen, zwei gesunde Kinder, kesse Enkel - und noch dazu eine bildhübsche Geliebte (Natalia Belitski), die jünger ist als seine eigene Tochter. Nicht schlecht für um die 70.

Seine Verwirrung wirkt echt

Doch im Kopf sieht es anders aus: Alexanders Gedächtnis spielt nicht mehr mit, immer größer werden die Lücken, immer häufiger die Aussetzer. Atzorn spielt beeindruckend diesen sich mehr und mehr in seiner eigenen Welt verlierenden Mann, der sich oftmals schon am nächsten Morgen nicht mehr an die Nacht zuvor erinnern kann. Wenn dann die Tochter der Nachbarin vor seiner Türe steht, um sich für seinen nächtlichen Einsatz bei deren Mutter zu bedanken, die gestürzt war, dann wirkt seine Verwirrung echt. Jede Falte auf Alexanders Stirn scheint zu fragen: "Wer sind Sie überhaupt? Was habe ich mit gestern Nacht zu tun?" Nur aussprechen tut er das nicht. Denn der Schein, dass er genau weiß, was er getan hat, muss gewahrt werden.  Atzorn kennt dieses Vertuschen von an Demenz Erkrankten aus seiner eigenen Familie: Seine Großmutter und seine Mutter litten an der Krankheit. "Ich habe diese verschiedenen Phasen miterlebt, das war nichts Fremdes für mich", sagt Atzorn der Deutschen Presse-Agentur in München. Seine Mutter sei häufig sehr schüchtern geworden und habe Entschuldigungen und Ausflüchte angebracht, die für andere kaum erklärbar waren. "Sie hat uns oft kurzfristig abgesagt. Wenn viele Leute zusammenkommen sollten beispielsweise. Das war aus Angst davor, sich neuen Dingen auszusetzen."

Provokantes Ende

Doch Regisseur und Autor Gernot Krää erzählt kein Trauerstück. "Das finde ich das Schöne - der Film ist gar nicht so traurig", findet Atzorn. Dieser Alexander, der merke zwar, dass er geistig abbaut - gleichzeitig genießt er aber die letzten Jahre seines Lebens in vollen Zügen. Fährt mit seiner Geliebten nach Italien, trifft alte Freunde - und klärt in diesem Zuge ungeklärte Dinge der Vergangenheit, an die er sich selbst gar nicht mehr erinnern kann. Krää hatte beim Schreiben immer Atzorn im Kopf. So hatte der leichtes Spiel: "Für mich ging es sehr leicht. Ich hab's irgendwie geliebt. Das Einzige, was ich nicht mochte, war das Rauchen", erzählt der 70-Jährige, der als Alexander die ein oder andere Zigarette drehen muss.

Krää gelingt es, auch den Konflikt zwischen erkranktem Vater und den erwachsenen Kindern Birte (Katharina Marie Schubert) und Markus (Shenja Lacher) glaubwürdig darzustellen. Was tun, wenn man die Verwirrung des eigenen Vaters nicht mehr länger ignorieren kann? Wenn der aber gleichzeitig nicht zugeben möchte, dass er allein, ohne fremde Hilfe, nicht mehr leben kann? "Das zugeben möchte ein gestandener Lebemann, der immer selbstständig gelebt hat, natürlich nicht", sagt Atzorn, der dafür durchaus Verständnis hat. "Er hat natürlich Angst, dass jeder merkt, dass nichts mehr funktioniert. Das ist ihm immens peinlich." Alexander findet am Ende einen eigenen Weg, damit umzugehen. Es ist ein provokantes Ende - aber eines, das mit Würde erzählt wird.

Katja Kraft, DPA

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