"Airmiles-Andy" Flugaffäre im Königshaus


Prinz Andrew findet die Bahn zu unpünktlich. Deswegen lässt er sich lieber mit dem Hubschrauber zum Mittagessen bringen - auf Kosten der Steuerzahler.

Das britische Königshaus kommt nicht aus den Schlagzeilen: Der Buckingham-Palast verwahrte sich gegen einen Zeitungsbericht, der Prinz Andrew wegen hoher Reisespesen kritisiert. Laut "The Mail on Sunday" gab der Herzog von York beispielsweise im Juni 2003 für einen Hubschrauberflug zu einem Mittagessen ins 80 Kilometer von London entfernte Oxford umgerechnet 4300 Euro aus. Eine Zugfahrkarte hätte 140 Euro gekostet. Die Zeitung erhielt die Zahlen vom Labour-Abgeordneten Ian Davidson, der sich auf einen vom Rechnungsprüfungshof (NAO) erstellten Bericht bezog. Davidson bezeichnete die Reisegewohnheiten des "zweitrangigen Royals" als "empörend".

Die Zeitung "The Guardian" berichtete, dass sich der begeisterte Golfspieler schon mal von der Royal Air Force zu einem Golfplatz nach Schottland fliegen lasse. Kostenpunkt: 45.000 Euro. Da der zweitälteste Sohn der Queen - offiziell der Herzog von York - eine Abneigung gegen das Zug Fahren hat ("zu unpünktlich"), nimmt er selbst für 50-Kilometer-Reisen einen Hubschrauber. In der britischen Presse hat ihm das Beinamen wie "Airmiles-Andy" und "der Vergnügungsreisende von York" eingebracht.

Ein Sprecher des Palastes sagte, der Bericht der Zeitung "The Mail on Sunday" stelle nicht das Gesamtbild dar. Es handele sich um eine "unausgewogene Version" eines Briefs des NAO an den Abgeordneten. Da es um Steuergelder gehe, fordere das Königshaus die Veröffentlichung des gesamten Briefs. Der Zeitung zufolge gab Andrew in einem Zeitraum von zwölf Monaten 470.000 Euro an öffentlichen Geldern für die Anmietung von Flugzeugen und Hubschraubern aus.

"Kein Fehlverhalten des Prinzen"

Die Zeitung schrieb, der Leiter der Untersuchung, John Bourn, sei zu dem Schluss gekommen, dass Andrew kein Fehlverhalten vorgeworfen werden könne. Andererseits weise der Bericht auf den Kontrast zwischen Andrews Reisespesen und denen anderer Mitglieder des Königshauses hin. "Für kürzere Reisen mit Kosten bis zu 2500 Pfund (3500 Euro) nahm der Herzog von York weder Linienflüge noch die Eisenbahn. Andere Mitglieder der königlichen Familie nutzten Linienflüge oder Bahnfahrten vergleichsweise öfter", zitierte die Zeitung aus dem Bericht.

Der Abgeordnete Davidson rief den Prinzen zu einer Beschränkung der Ausgaben auf. "Es wirkt so, als betrachte er den Staatssäckel als bodenlos", erklärte Davidson. "Ich kann mich an kein Beispiel der Sparsamkeit in dem Bericht erinnern. Einige Beispiele sind lediglich noch extravaganter als andere."

Ein NAO-Sprecher sagte, bei der an Davidson weitergegebenen Information handele es sich um eine private Korrespondenz. Sie sei nicht Teil des offiziellen Berichts, der an das Parlament gehe. Sollte der Buckingham-Palast eine Veröffentlichung der Studie von Andrews Reisespesen wünschen, müsse er dies formell beantragen. Ein weiterer NAO-Sprecher sagte, er könne die Details des Zeitungsberichts weder bestätigen noch dementieren. Der Rechnungsprüfungshof habe nicht die Absicht, Bourns Bericht zu veröffentlichen.

Michael McDonough/AP + DPA

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