"Der Kroatien-Krimi": Neue Folgen mit Romina Küper
"Wir Frauen dürfen die Männer ruhig etwas herausfordern": So wehrt sich Romina Küper gegen Sexismus

  • von Marina Birner
Romina Küper (34) ist "die Neue" im "Kroatien-Krimi": Die beliebte Reihe geht am Donnerstag, 7. Mai, um 20.15 Uhr, mit neuen, spannenden Fällen an den Start. Eine Woche nach "Mord am Jadro" sehen Fans die Schauspielerin dann in der Episode "Gefahr im Verzug".
Romina Küper (34) ist "die Neue" im "Kroatien-Krimi": Die beliebte Reihe geht am Donnerstag, 7. Mai, um 20.15 Uhr, mit neuen, spannenden Fällen an den Start. Eine Woche nach "Mord am Jadro" sehen Fans die Schauspielerin dann in der Episode "Gefahr im Verzug".
© Pascal Bünning

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Jung, mutig und ambitioniert: Romina Küper ist Schauspielerin und fiebert ihrem Regie-Debüt entgegen. Bevor ihre Inszenierung jedoch Premiere feiert, darf sie sich über ihre Rolle in der beliebten Reihe "Der Kroatien-Krimi" freuen: An der Seite von Jasmin Gerat ermittelt sie in spannenden Mordfällen.

Die Liebe der Deutschen zu Krimis ist unerschütterlich. Es gibt unzählige "Tatort"-Formate, "SOKO"-Serien und Krimireihen wie "Der Kroatien-Krimi", eine Produktion, die schon seit 2016 auf Sendung ist und zu den erfolgreichsten ihrer Art gehört. Nun darf sich Romina Küper (34) über eine Hauptrolle in dem ARD-Krimi freuen. Als Valessa Matković muss sie sich an der Seite von Chefermittlerin Stascha Novak (Jasmin Gerat) beweisen – und sie zeigt vollen Körpereinsatz. Für die neue Rolle absolvierte der "Totenfrau"-Star sogar eine spezielle Kampfausbildung. Welche körperlichen Veränderungen sie im Laufe ihrer Karriere noch zu zeigen bereit ist, erklärt die Wahl-Berlinerin im Interview anlässlich der neuen Folgen "Mord am Jadro" (Donnerstag, 7. Mai, 20.15 Uhr, im Ersten) und "Gefahr im Verzug" (Donnerstag, 14. Mai, 20.15 Uhr). Beide Filme sind bereits ab Montag, 4. Mai, in der ARD Mediathek zu finden. Im Gespräch reflektiert Küper, wie sie im Laufe ihrer Karriere zu sich selbst fand und wie sie mit Sexismus in der Film- und TV-Branche umgeht. So viel sei gesagt: Sie schiebt die Verantwortung nicht nur auf andere.

teleschau: Im Podcast mit ihrem Kollegen Nico Stank verrieten Sie einst, dass Sie gläubig seien – allerdings "ohne Gott". Was soll das heißen?

Romina Küper: Ich habe Philosophie studiert und den Eindruck gewonnen, dass viele philosophische Ansätze nicht ohne die Idee von Gott auskommen. Gleichzeitig ist der Schauspielberuf für mich sehr energetisch: Es geht viel um Schwingungen. Deshalb habe ich manchmal das Bedürfnis, Gedanken, Wünsche oder Vorstellungen "ins Universum zu schicken", ohne dies an ein festes religiöses System zu binden. Dieses sogenannte Manifestieren kenne ich also. Ich würde mich allerdings nicht als spirituell bezeichnen. Aber ich glaube, dass ein Wunsch einem näherkommt, wenn man ihn bewusst denkt.

teleschau: Was sich viele mit Schauspielambitionen wünschen würden, lehnten Sie im Alter von zwölf Jahren allerdings ab.

Küper: Ja, damals wurde ich auf der Straße angesprochen, ob ich nicht im "Tatort Münster" mitspielen möchte. Ehrlich gesagt hat mich das damals noch gar nicht interessiert. Ich war mit meiner Mama auf dem Weg, eine Jacke zu kaufen, die ich schon lange haben wollte. Ich war also voll im Tunnel (lacht).

teleschau: Bereuen Sie diese Entscheidung heute?

Küper: Nein, der Schauspielberuf ist wunderbar, aber ich hätte viel zu früh damit anfangen müssen. Trotz des ganzen Glamours ist es einfach ein Beruf wie jeder andere und bedeutet harte Arbeit. Damals war mir das Ballett einfach wichtiger. Ich wollte mein eigenes Ding machen und bin froh, dass ich in meiner Jugend ohne beruflichen Druck aufwachsen durfte.

"Mich interessieren Figuren, die mich herausfordern – unabhängig vom Format"

teleschau: Wann wurde aus anfänglicher Ablehnung eine bewusste Entscheidung?

Küper: Mein Vater drehte viele Homevideos, und ich spielte in Theaterstücken und Musicals mit. Für mich sind das jedoch zwei unterschiedliche Berufe. Auf der Bühne geht es darum, aus sich herauszukommen. Beim Film geht es hingegen um feine Nuancen, um Gedanken und Emotionen, die im Gesicht sichtbar werden. Während meines Philosophie-Studiums – erst in Bochum, später in Berlin – wurde ich von einer Regisseurin entdeckt. Sie eröffnete mir den Zugang zum Filmschauspiel.

teleschau: Sie spielen häufig Figuren in Krimi- oder Thrillerformaten. Nun sind Sie auch im "Kroatien-Krimi" als Ermittlerin zu sehen. 2024 haben Sie auf Instagram einen Ausschnitt aus einem Magazin gepostet, in dem stand, dass Fernsehkrimis nicht immer die befriedigendsten Jobs sind. Nun kehren Sie nach Ihrem Erfolg mit "Totenfrau" bei Netflix wieder zum Krimi-Fernsehen zurück.

Küper: Ich würde das nicht als ein Zurückkehren zum TV-Krimi bezeichnen, etwa nach einer Serie wie "Totenfrau". Für mich ist das eher eine Bereicherung. Die Kommissarin Valessa im "Kroatien-Krimi" ist für mich eine wahnsinnig spannende Frauenfigur – sehr präsent, sportlich, energiegeladen und mit einem klaren Willen. Entscheidend ist für mich immer, was mir eine Figur bietet. Ob TV-Krimi oder Kinofilm spielt dabei keine Rolle. Mich interessieren Figuren, die mich herausfordern – unabhängig vom Format.

"Ich finde, Waffen sind etwas Seltsames"

teleschau: "Herausfordern" ist das Stichwort: Für die Kampfszenen mussten Sie intensiv trainieren!

Küper: Bereits im Alter von nur drei Jahren fing ich mit Ballett an. Das ist zwar etwas ganz anderes (lacht). Aber dort ist auch alles sehr kontrolliert. Der Fuß ist allerdings gestreckt, während er im Kampfsport eher geflext ist. Gerade deshalb fand ich es so spannend. Ich liebe Choreografien und schnelle Bewegungen im Raum und entwickelte so eine große Leidenschaft für diese Form des körperlichen Ausdrucks. Sport begeistert mich bis heute. Ich finde es einfach großartig, so intensiv mit dem eigenen Körper zu arbeiten.

teleschau: Wo liegt die Grenze zwischen künstlerischem Ausdruck und nachhaltig ungesunder körperlicher Veränderung für eine Rolle?

Küper: Ich finde, es ist wichtig, achtsam zu bleiben, sich nicht zu verlieren und die eigenen Grenzen zu erkennen. Ich mag zum Beispiel Barre-Training. Diese Sportart kommt vom Ballett und ist ein Krafttraining, bei dem die Muskeln bewusst übersäuert werden. Das heißt, ich gehe bewusst an meine Grenzen. Ich entscheide mich für dieses Risiko. Das Falsche oder Nicht-Gute fängt da an, wenn man sich nicht bewusst dafür entscheidet.

teleschau: Wo wäre für Sie Schluss?

Küper: Im Rahmen der Dreharbeiten zu "Totenfrau" musste ich barfuß über Eis laufen. Ich mag extreme Herausforderungen und den damit verbundenen Adrenalin- und Leistungsaspekt im Schauspiel. Deshalb entscheide ich von Fall zu Fall. Wenn mir eine Rolle wirklich gefällt, würde ich auch körperliche Veränderungen wie Zu- oder Abnehmen in Kauf nehmen, allerdings nur unter professioneller Begleitung. So etwas macht man nicht allein, sondern immer eng betreut und im Rahmen eines durchdachten Konzepts. Wenn diese professionelle Betreuung nicht gewährleistet ist, ist meine Grenze erreicht. Dann würde ich ablehnen.

teleschau: Sie lernten nicht nur, zu kämpfen, sondern auch, eine Waffe richtig zu halten und zu benutzen.

Küper: Tatsächlich habe ich bei einem anderen Projekt schon einmal eine Waffe in der Hand gehalten, allerdings hat meine Figur sie damals aus Versehen bekommen. Als Kommissarin geht man damit viel professioneller um. Privat interessiere ich mich dafür allerdings nicht. Ich finde, Waffen sind etwas Seltsames. Selbstverständlich arbeiten wir höchstens mit Schreckschusspistolen. Nichtsdestotrotz ist eine Waffe ein Machtinstrument, das einschüchtern kann.

"Alle Sparten und Bereiche der Branchen müssen noch vielfältiger besetzt sein"

teleschau: Oft spielen sie starke Frauenfiguren. Werden solche Rollen vor dem Hintergrund von Feminismus und Diversität präsenter und komplexer?

Küper: Definitiv. Ich glaube, dass wir als junge Generation andere Ansprüche an Geschichten haben. Das hängt auch damit zusammen, dass wir andere Perspektiven einbringen und anders über Figuren sprechen. Früher wurden viele Filme von Männern gemacht. Zwar gab es immer schon Produzentinnen und queere Filmschaffende, doch heute rückt das stärker in den Mainstream. Gerade junge Filmschaffende wollen komplexere Frauenfiguren erzählen: mit Ecken und Kanten, nicht nur als Sympathieträgerinnen oder Objekte der Begierde. Mich interessieren Figuren, die überraschen, die liebevoll und zugleich kraftvoll sind und Widersprüche in sich tragen. Genau darin liegt für mich ein wirklich feministischer Ansatz.

teleschau: Sie gehören zu einer Generation, die Diversität sichtbarer macht. Was muss sich strukturell noch verändern, damit dies zur gelebten Realität wird?

Küper: Ich würde sagen, dass wir auch hinter der Kamera mehr Frauen brauchen, auch wenn wir vor der Kamera vielleicht schon viele komplexe weibliche Figuren sehen. Nur so können wir hinter der Kamera die Realität abbilden, die wir vor der Kamera erzählen. Alle Sparten und Bereiche der Branchen müssen noch vielfältiger besetzt sein.

"In Schubladen zu denken, ist auch eine Form von Sexismus"

teleschau: Müssen Sie sich gegenüber männlichen Kollegen mehr behaupten?

Küper: Natürlich kann es passieren, dass Frauen objektifiziert werden. Dem kann ich jedoch entgegenwirken, indem ich weibliche Figuren kraftvoll verkörpere. Im Rahmen von "Polizeiruf 110" in Rostock habe ich beispielsweise eine sehr tussige Figur anders angelegt. Damit überrasche ich auch meine männlichen Kollegen, denn in diesem Moment reflektieren sie, dass sie von mir etwas anderes erwartet hatten. Ich wirke auf den ersten Blick vielleicht schüchtern, aber dann zeige ich, dass ich es faustdick hinter den Ohren habe. Wir Frauen dürfen die Männer ruhig etwas herausfordern. In Schubladen zu denken, ist auch eine Form von Sexismus. Das ist kein subtiles Problem, sondern ein omnipräsentes.

teleschau: Woran machen Sie das fest?

Küper: Es beginnt damit, dass wir Frauen uns morgens die Frage stellen: "Habe ich heute Lust, sichtbar zu sein? Möchte ich mit dieser Art von Aufmerksamkeit konfrontiert werden?" Und es geht weiter, wenn mir ein Mann ins Wort fällt und sich somit über mich stellt. Das ist kein Problem der Branche, sondern ein gesellschaftliches Problem.

teleschau: Wie lernten Sie, damit umzugehen?

Küper: Mein Ansatz ist es, genau hinzuschauen. Wo projizieren andere etwas auf mich und wo bin ich tatsächlich gemeint? Das hat viel damit zu tun, mich selbst kennenzulernen. Denn wir Frauen tragen oft auch internalisierten Sexismus in uns. Das kommt nicht nur von außen. Themen wie Essstörungen oder der Druck, extrem dünn zu sein, zeigen das. Wir machen uns selbst schwach. Diese Mechanismen zu erkennen und zu sehen, in welche Muster man selbst gerät, ist meiner Meinung nach entscheidend, um sich davon abzugrenzen. Den Druck, einem Schönheitsideal zu entsprechen, kennt wahrscheinlich jede Person – durch Social Media heute mehr denn je. Ich bemühe mich, einen gesunden Umgang mit der Situation zu finden und eine Frau zu sein, mit der sich andere identifizieren können. Ich feiere muskulöse, sportliche Frauen. Ich setze mich dafür ein, dass neben dem Ideal "groß und dünn" auch andere Körperbilder sichtbar werden. Aber ganz frei von Zweifeln ist wohl niemand.

"Düstere Figuren kleben auch an einem"

teleschau: Sie sind Schauspielerin und Regisseurin. Wie leicht oder schwer ist es für eine Newcomerin, einfach so einen Film zu machen?

Küper: Ich würde mich noch nicht als Regisseurin bezeichnen, da ich gerade erst meinen ersten Film drehe. Ob ich diesen Titel verdiene, wird sich zeigen. Während der Dreharbeiten zu "Totenfrau" stand die Aufnahmeprüfung an der Filmakademie Ludwigsburg an – nachts habe ich gedreht und tagsüber wurde ich geprüft – und wurde schließlich angenommen. "Hyper Baby", mein Regiedebüt, ist zwar kein hoch budgetiertes Kinoprojekt, dafür aber umso persönlicher: Ich arbeite fast ausschließlich mit Frauen zusammen und erzähle eine feministische Geschichte.

teleschau: Welche Figur oder welches Genre würde Sie als Schauspielerin noch reizen?

Küper: Ein historischer Film wäre mein Traum. In "Die Ideen" von Regisseur Fabian Stumm durfte ich eine witzige und chaotische Person spielen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich bin ja eher im tragischen und tiefgründigen Bereich unterwegs. Düstere Figuren kleben allerdings auch an einem. Ich tanze aber auch sehr gerne und fände es toll, mich in ein pompöses Kleid zu hüllen. Wenn nicht ich in einen historischen Film passe, wer dann? (lacht)

teleschau: Wenn Sie Ihrem Teenager-Ich mit dem Wissen von heute begegnen könnten, welche Tipps würden Sie ihm mit auf den Weg geben?

Küper: Ich würde mir sagen, dass ich weniger Angst haben muss und ruhig an mich glauben kann. Früher war ich viel unsicherer. Ich stand mir selbst im Weg, weil ich zu sehr darüber nachgedacht habe, was andere denken. Mit dem Älterwerden wird das leichter. Ich löste mich mehr von der Meinung anderer. Selbstbewusstsein bedeutet, Unvollkommenheiten anzunehmen, statt sich nur auf eines zu fixieren und dabei das Ganze aus den Augen zu verlieren. Gerade als Künstler ringt man oft mit Selbstzweifeln und sucht nach Bestätigung und Ausdruck. Aber vielleicht geht es auch darum, sich selbst dabei mit mehr Freundlichkeit zu begegnen.

"Spüre eine große Nähe zum Ruhrgebiet und zu den Menschen dort"

teleschau: Der Druck, nun Teil einer so etablierten Krimireihe zu sein, muss demnach groß sein.

Küper: Ich empfinde keinen Druck. Natürlich hatte ich großen Respekt, aber ich verstand mich auf Anhieb mit allen sehr gut. Nichtsdestotrotz lebt dieser Beruf von Adrenalin, aber Spaß muss auch sein. Mit Max Herbrechter, der wie ich aus dem Ruhrgebiet kommt, alberte ich immer herum.

teleschau: Haben Sie, jetzt, da Sie in Berlin leben, noch einen Bezug zu Ihrer Heimat?

Küper: Ich spüre eine große Nähe zum Ruhrgebiet und zu den Menschen dort, die eine sehr direkte Art haben, obwohl ich teilweise im Münsterland aufgewachsen bin. Deshalb ist mein eigener Film "Hyper Baby" fast komplett im Dialekt geschrieben und im Ruhrgebiet verortet, obwohl wir in Baden-Württemberg drehen werden. Ich bin viel unterwegs und verbrachte zuletzt viel Zeit in München, wo ich die Nähe zur Natur sehr genossen habe. Gleichzeitig habe ich eine enge Bindung zu meiner Wohnung und meinem Schreibtisch in Schöneberg. Berlin selbst gibt mir heute nicht mehr so viel wie früher. Ich bin kein klassisches Stadtkind, sondern draußen groß geworden: am Fluss, im Wald, mit dem Fahrrad unterwegs. Diese Naturverbundenheit lässt sich in der Stadt nur schwer ausleben.

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