HOME

60. Thronjubiläum: Thailand feiert seinen König

Viele seiner Landsleute verehren ihn wie einen Gott: Thailands König Bhumibol feiert im Juni sein 60. Thronjubiläum. stern.de berichtet live aus Bangkok von den Feierlichkeiten des dienstältesten Monarchen der Welt.

Von Michael Lenz, Bangkok

Seit 60 Jahren sitzt König Bhumipol Adulyadej nun auf dem Thron. Damit ist der neunte Rama aus der Chakri-Dynastie der am längsten regierende König in der Geschichte Thailands. Der Monarch ist auch der Dienstälteste der Welt. Aber nicht diese Superlative sind es, weshalb die Thais jeglichen Alters in diesen Tagen ihren König der Herzen mit Feuerwerken, Ausstellungen und Festen feiern. "Der König ist unser Vater“, sagt im tief empfundener Ehrfurcht Lek, die auf dem Markt in Bangkok Chilis und Thai-Basilikum verkauft, über den Mann, der im Laufe der Jahrzehnte mehrfach das Abgleiten Thailands in Gewalt und Diktatur verhindert hat.

Die Prozession der königlichen Barken auf Bangkoks Chao Phraya Fluss am heutigen Montag ist der Höhepunkt der fünftägigen Feierlichkeiten. Ein Ereignis, das so selten stattfindet, dass es seit Monaten ausverkauft ist. Trotz Ticketpreisen von umgerechnet bis zu 40 Euro - und mehr auf dem Schwarzmarkt. Schon zur Generalprobe in voller historischer Festkleidung waren keine Tribünenkarten mehr zu haben. 52 Barken, mit Figuren mythischer Tiere und Gestalten aus dem indischen Heldenepos "Ramayana" geschmückt, sind Teil der Prozession. Die wenigen frei zugänglichen Stellen am Ufer waren schon Stunden vor dem Festzug gelb vor Menschen. Gelb, das ist die Farbe des Königs. Gelb ist denn auch die Farbe der Jubel-T-Shirts, die fast jeder Bürger in Bangkok in diesen Tagen zu Ehren des Königs trägt.

"Nicht zu schnell und nicht zu langsam"

Wer das Glück hatte, dennoch einen Sichtplatz zu ergattern, durfte einen Blick werfen auf die prächtigen Boote, die mit preußischer Präzision in einem 1,2 Kilometer langen Zug durch die lehmigbraunen Fluten des Chao Phraya gleiten. In der Mitte die vier Prunkbarken mit klangvollen Namen wie Narai Song Suban HM King Rama IX, Anantanakharaj, Anekachart Phuchong und die nur dem König vorbehaltene Suphannahongse, deren Design mit dem goldenen Schwanenbug auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. "Nicht zu schnell und nicht zu langsam" lautet die Vorgabe an die insgesamt 2.200 Ruderer in bunten historischen Kostümen, die im Alltag Marinesoldaten sind. Immerhin ist das Ganze ja keine Ruderregatta, sondern ein uraltes Ritual.

Die Prozession der Boote ist eine sehr stille, sehr feierliche, sehr religiös-spirituelle Zeremonie, weit entfernt von Pauken, Trompeten und Tschingderassa, mit denen sich europäische Monarchen feiern. Die mehr als 500.000 Menschen an den Ufern schauen schweigend zu, wie die Ruderer mit der Präzision eines Uhrwerks die goldenen und silbernen Ruderblätter ins Wasser stechen, kräftig durchziehen, die nassglänzenden Hölzer dann senkrecht in die Luft strecken, sie dort für ein paar Sekunden verharren, bevor sie wieder ins Wasser getaucht werden. Wie die Schwingen eines großen Vogels mutet die über Monate eingeübte Ruderchoreographie an. Zu hören ist nur der getragene Lobgesang auf den König aus den Kehlen der Ruderer. Und das Klicken von tausenden Fotoapparaten.

Kein Jubeltag für Autofahrer

König Bhumipol erlebt die Parade in diesem Jahr in der Nachbarschaft des buddhistischen Tempels Wat Arun. Er thront auf einer mit Orchideen geschmückten Tribüne, sein Blick gleitet über die goldenen Dächer des Großen Palastes. Zusammen mit seiner Gattin Königin Sirikit und 30 royalen Gäste wie Japans Kaiser Akihito oder Spaniens König Juan Carlos. Bei der letzten Bootsprozession vor sechs Jahren zu seinem 72. Geburtstag war er noch auf der Prachtbarke Suphannahongse mitgefahren.

Die "Royal Barge Procession" wird nur höchst selten aufgeführt. In den 60 Regentschaftsjahren von König Bhumipol insgesamt 14 Mal. Gewöhnlich sind die Prachtbarken nur im Museum zu besichtigen.

Bangkoks Autofahrer jedoch haben in diesen Tagen wenig Grund zum Jubeln. Die Innenstadt ist aus Sicherheitsgründen großräumig abgesperrt. Schon an normalen Tagen ist der Verkehr in Thailands Hauptstadt ein Alptraum. Heute lautet die Devise: Nichts geht mehr. Aber ein solches Jubiläum feiert man ja nur einmal.

Themen in diesem Artikel