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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Golfen, der Sex des Alters

Rolf Zacher hat eine neue Droge entdeckt: Sex. Während er Frauen zum "orgasmieren" bringt, zieht sein Schauspieler-Kollege Hugh Grant den Golfschläger vor. Mariah Carey hingegen ergötzt sich an 20 Kätzchen und 100 Tauben.

Von Stefan Mielchen

Der Winter steht vor der Tür. Und wo die Tage kürzer werden, bleibt mehr Zeit für aufregende Nächte? Denkste! Schauspiel-Darling Hugh Grant, 49, eröffnete in dieser Woche, dass er Golfen besser finde als Sex. Manchmal steht er nachts sogar dafür auf, um vor dem Spiegel einen bestimmten Schwung mit dem Schläger zu üben. "Ich bin besessen", grantelt Grant. Und das ist noch freundlich umschrieben. Seine bildhübsche Freundin Jemina Khan tröstet sich nun anderwärts. Und Grant, der schon mit Dackelblick zur Welt kam, klagt: "Wenn ich einem Mädchen sage, dass ich Golf spiele, werden ihre Augen trüb". Ja hallo? Weiß doch jeder, dass es ab einem bestimmten Alter bei Männern heißt: Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?

Nicht so natürlich beim unvermeidlichen Rolf Zacher, der fleischgewordenen Nebenrolle des deutschen Farbfernsehens. Der 68-Jährige hat so ziemlich alles durch, was offiziell verboten ist, aber gute Laune macht. Doch nun ist Schluss mit Pülverchen und Pillen: "Meine neue Droge heißt Sex", gockelte es aus dem Ex-Hippie in dieser Woche heraus. "Ich befasse mich jetzt mit Tantra." Klar, in seinem Alter hat man ja auch die notwendige Zeit für alles, was zu zweit mehr Spaß macht - und sei es auch nur einem von beiden. "Beim Sex ist das Ziel, dass die Frau orgasmiert, wie ich das nenne", doziert der Horizontalexperte. Natürlich merke er, ob dies nur vorgetäuscht sei oder nicht. Schön, dass er überhaupt noch was merkt.

Victoria Beckhams normabweichendes Eheleben

Ganz im Gegensatz zu Victoria Beckham, die ja offenbar nervös wird, wenn mal nichts über sie in der Zeitung steht. Also gab die Spielerfrau in dieser Woche ein Interview mit bahnbrechend neuen Erkenntnissen: "Ich gehe jeden Abend mit David zu Bett", erläuterte Frau Beckham ihr normabweichendes Eheleben. "Es würde etwas schief laufen, wenn ich dann schlafen würde." Ja, das kann man sich lebhaft vorstellen, wie Fräulein Spice auch im Liegen keine Ruhe gibt und ihren Liebsten so lange im Staccato zutextet, bis der selig vor sich hin schnarcht. Aber Pustekuchen, der gute alte Mr. Beckham kommt dann angeblich erst richtig in Fahrt: "Ich schlafe am liebsten nackt", sagt Victoria, "aber David kauft mir gerne diese kleinen Sets von 'Agent Provocateur', seinem Lieblingsladen." Ob sie da einfach etwas missversteht, abgemagert wie sie ist? Vielleicht will David seiner wandelnden Hungerkatastrophe auch einfach nur sagen: "Baby, zieh' Dir bitte etwas an!"

Apropos Klappergestelle: Koks Moss, Supermodel und freiwilliges Versuchskaninchen der internationalen Drogenkartelle, hat sich in dieser Woche ebenfalls mit einer besonders intelligenten Äußerung hervorgetan: "Nichts schmeckt so gut wie das Gefühl, dünn zu sein", sagte die 35-jährige Catwalkqueen. Da sieht man mal wieder, dass Alkoholexzesse und Dauerschnupfen doch nicht spurlos an einem vorbeigehen. Bulimie als Lebensphilosophie - dümmer geht's nimmer!

Dann doch lieber Koksen - so wie Pamela Anderson, deren Formen für die andere Hälfte der Menschheit zur Leitfigur wurden? Die kalifornische Rettungsboje gab jetzt zu, auch dem weißen Zauber erlegen zu sein: "Ich habe es mal versucht, aber es war nichts für mich", gab die Blondine zu Protokoll. Doch offenbar hat Pam An den Sinn der Sache nicht ganz erfasst: "Irgendwie wirkte es bei mir nicht. Ich war total aufgedreht", wundert sie sich noch heute. Schatz, genau darum geht’s doch beim Koksen! Nicht so bei Frollein Baywatch: Sie trinkt stattdessen lieber Champagner: "Und dann werde ich ein bisschen verrückt. Ich schlage einen Salto oder ringe Leute zu Boden."“ Nee, is' klar.

Mariah Carey gibt die mopsige Diva

Ein bisschen verrückt wäre ja noch in Ordnung. Was es heißt, völlig bekloppt zu sein, offenbarte Sängerin Mariah Carey in dieser Woche. Die mopsige 39-Jährige zog in London alle Register, die einer Diva würdig sind. Eigentlich sollte Mariah nur die Weihnachtsbeleuchtung in einem Einkaufszentrum anknipsen, was man für eine Frau ihres Formates als Herausforderung bezeichnen darf. Doch bevor eine Carey den roten Teppich betritt (der für sie gefälligst in ihrer Lieblingsfarbe pink bereitzuhalten ist), sollen erst einmal 20 weiße Kätzchen und 100 Tauben herangeschafft werden, die Madame dann in großer Geste freilassen kann. Der Rolls Royce, mit dem Miss Moppel vorfuhr, musste sechsmal ausgewechselt werden, bevor sie endlich zufrieden war. Mariah weist selbstverständlich weit von sich, eine Primadonna zu sein: "Ich habe keine Ahnung, warum die Leute diesen Endruck haben", sagte das Unschuldslamm. Richtig, Chérie, noch mal zum Mitschreiben: Du hast keine Ahnung!

War sonst noch was? Na klar: Jopi Joop feierte seinen Fünfundsechzigsten und übte sich aus diesem Anlass in Stilkritik. Wer eignete sich da besser als unsere neuen Superstars Guido und Karl-Theodor? Joop gibt sich auf seine alten Tage preußisch-prägnant. Verteidigungsminister zu Guttenberg wird gelobt: "Alter Adel, gut erzogen, wirkt energetisch!" Kleiner Schönheitsfehler: "Das Gesicht erschließt sich mir nicht." Ganz im Gegensatz zu dem des Herrn Außenministers, den Joop etwas kryptisch als "sehr geländegängig" titulierte. Doch der Planet sei, ganz im Gegensatz zu Joop natürlich, noch nicht reif für einen wie Westerwelle. "Die Gesellschaft hat nicht begriffen, dass jede Art von Liebe eine gottgewollte Angelegenheit ist", fabulierte St. Joop. Wahrscheinlich übt er schon für seine Antrittsrede im Vatikan: Habemus Modepapst!