HOME

Ärger mit dem "Billboard"-Chef: Lady Gagas Monster manipulieren die Charts

Lady Gaga wollte die Youtube-Klickzahlen ihrer neuen Single "Applause" via Twitter pushen - und bekam einen Rüffel von "Billboard"-Chefredakteur Bill Werde.

Von Andrea Suhn

Auftrag an alle Monster: 1. Geh auf diesen Link, 2. Drücke Start, 3. Retweete diese Meldung, 4. Kopiere und verteile sie" – mit diesem Aufruf hat US-Popstar Lady Gaga versucht, ihre neue Single "Applause" zu pushen. Anfang der Woche zwitscherte sie ihren Vier-Punkte-Plan in die Welt hinaus und forderte ihre Fans dazu auf, massenweise den Youtube-Link zu ihrer neuen Single "Applause" zu klicken. Doch nicht nur das: Gaga soll außerdem einen Link verbreitet haben, der nach einmaligem Klicken den Youtube-Clip zu "Applause" automatisch 150 Mal hintereinander abspielt – und so die Klickzahlen künstlich immer weiter in die Höhe treibt. Zwar hat die Popsängerin besagten Link mittlerweile wieder gelöscht, der "Billboard"-Chefredakteur Bill Werde ist dennoch "not amused".

Das "Billboard"-Magazin ermittelt seit Jahrzehnten eine Hitparade der Top-100-Songs in den Vereinigten Staaten. Die Relevanz der sogenannten "Hot 100" ist hoch. Sie gelten als die offiziellen US-amerikanischen Singlecharts. Bis vor Kurzem ergab sich die Chartplatzierung einer Single aus dem Abspielen eines Titels im Hörfunk, der Ausstrahlung des Musikvideos im Fernsehen sowie aus den Verkaufs-, Download- und Streamingzahlen. Seit Februar dieses Jahres werden jedoch auch die Klickzahlen bei Youtube mit einbezogen.

Chartstürmer dank YouTube-Klicks

Wie erheblich die Youtube-Klicks eine Chartplatzierung beeinflussen können, bewies in diesem Jahr der DJ und Musikproduzent Baauer mit seinem Song "Harlem Shake". Veröffentlicht wurde der Dance-Track bereits im Mai 2012. Zum Nummer-eins-Hit wurde er jedoch erst gut ein Jahr später – als Leute anfingen, Clips auf YouTube zu stellen, in denen sie den Tanzstil parodierten und den Song so zum viralen Videohit machten. Zu dieser Zeit bezog "Billboard" erstmals Youtube-Klicks zur Chartplatzierung mit ein - der erste YouTube-Nummer-eins-Hit war geboren.

Lady Gaga hat auf Twitter fast 40 Millionen Follower - eine ideale Promotion-Plattform. Werbung in eigener Sache ist eine Sache, doch einen Link zu verbreiten, der ein Musikvideo in einer Art Endlosschleife immer und immer wieder abspielt, ist schon etwas anderes. Und genau diese "Fan-Offensive" zum Erzeugen von Klickzahlen brachte "Billboard"-Chefredakteur Bill Werde so auf, dass er Lady Gaga via Twitter öffentlich zurechtwies.

"Ich hasse es zu sehen, wie irgendjemand versucht, die Charts zu manipulieren, seien es Künstler oder Fans", schrieb er auf Twitter.

Als Antwort erhielt Werde von manchen Fans wütende Protest-Tweets, in denen sie ihn öffentlich beschimpften. Die US-Sängerin reagierte. Nach sie den Link gelöscht hat, entschuldigte sie sich sich bei Bill Werde. Sie habe "einen Fehler gemacht". Schwer zu glauben bei einer Frau, die immer wieder als "Marketing-Genie" beschrieben wird. Für Werde ist der Fall mit ihrer Entschuldigung dennoch abgeschlossen. Er bedauert mittlerweile, die öffentliche Diskussion überhaupt angefangen zu haben. Lady Gagas Single "Applause" stieg in dieser Woche auf Platz sechs der Billboard-"Hot100" ein.

Themen in diesem Artikel