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Anhörung in London Boris Becker plädiert in allen Anklagepunkten auf "nicht schuldig"

Sehen Sie im Video: Boris Becker vor Gericht – Es drohen bis zu sieben Jahre Haft.


Ankunft Boris Becker am Donnerstag - nein, nicht als Trainer oder Gast auf dem Tennisplatz - sondern vor Gericht in London. Dort muss sich der einstige Stern am Sporthimmel wegen falscher Angaben gegenüber der Insolvenzbehörde in der britischen Hauptstadt verantworten. Ihm drohen bis zu sieben Jahr Haft. Konkret soll er verschiedene Konten, Immobilien und eine Firmenbeteiligung für sich behalten haben. Das wäre ein Verstoß gegen die zuvor verhängten Auflagen. Denn im Jahr 2017 hatte ihn ein britisches Gericht für zahlungsunfähig erklärt, zu viele Schulden waren unbeglichen geblieben. Die zwischenzeitlich verlängerten Insolvenzauflagen gegen Becker gelten bis 2031. Bis dahin darf er sich nichts zu schulden kommen lassen. Der eigentliche Prozessbeginn lässt noch auf sich warten. Am Donnerstag wurde zunächst Organisatorisches geklärt. Boris Becker hat die Vorwürfe zurückgewiesen und plädierte auf unschuldig.
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Das unangenehme Thema Insolvenz hatte Boris Becker eigentlich längst hinter sich lassen wollen. Doch daraus wurde nichts. Vor einem Londoner Gericht wehrt sich der Ex-Tennisprofi nun gegen schwere Vorwürfe.

28 Mal schallen dieselben zwei Worte durch den Gerichtssaal des Southwark Crown Court in London: "Nicht schuldig." Bei jedem einzelnen der 28 Anklagepunkte, die ihm die britische Insolvenzbehörde vorwirft, sagt Boris Becker sie aufs Neue. 

Mal kommen die Worte aus seinem Mund knapp und wie aus der Pistole geschossen, dann wieder langsam und betont. "Nicht. Schuldig." Konten, Immobilien, Trophäen – es ist eine unübersichtliche Aufzählung an hohen Summen und Besitztümern, die der frühere Tennisprofi in seinen Angaben unterschlagen haben soll. Bereits im September hatte Becker bei einer Anhörung die Anschuldigungen zurückgewiesen. Die Liste der Vorwürfe wuchs seitdem von 19 auf 28 Anklagepunkte an. 

Im dunklen Anzug mit hoch zugeknöpftem Hemd und Krawatte steht Becker starr und aufrecht dicht hinter einer Glasscheibe. Er hört den Vorwürfen zu, die Punkt für Punkt – es sind mehr Zahlen als Worte – verlesen werden. 

American Express, Metrobank, JP Morgans, verschiedene Summen und Adressaten, dazwischen bekannte Namen wie die seiner Ex-Frauen Barbara und Lilly Becker. Auch mehrere Trophäen habe der 52-Jährige versteckt, darunter die Trophäe für seinen ersten Wimbledon-Sieg 1985, fügt die Anwältin der Insolvenzbehörde hinzu. Weiteres könne folgen, wenn alle Beweismittel ausgewertet seien. 

Beckers Gesicht ist errötet, das blonde Haar wie üblich streng zurückgekämmt. Der Blick der Sport-Ikone bleibt starr, während er seine Unschuld beteuert. Die mit Glasscheiben abgetrennte Kammer mitten im Raum ist Präsentierteller und Schutzwall zugleich. Gäbe es einen Corona-Ausbruch unter den Juristen und Journalisten im Gerichtssaal – Becker dürfte wohl verschont bleiben. 

Boris Becker drohen bis zu sieben Jahre Haft

"Dieser Fall handelt davon, dass große Mengen an Geld versteckt wurden", erklärt die Anwältin. Bei einer Verurteilung drohen bis zu sieben Jahre Haft. 

Becker war 2017 von einem britischen Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Eigentlich können Insolvenzverfahren in England bereits nach einem Jahr abgeschlossen werden. Nicht jedoch im Fall Becker: Seine Auflagen wurden zuletzt bereits um zwölf Jahre verlängert – auch damals schon wegen unvollständiger Angaben.

Eine plausible Erklärung für all die Ungereimtheiten und Kartons voller Bankbelege und Beweisakten, die von der Behörde derzeit akribisch zusammengetragen werden, bleibt der 52-Jährige schuldig. Kommentarlos drängt er nach der Anhörung durch die Reportermenge vor dem Gericht, die ihn bis zu seinem Wagen begleitet. 

"Er ist völlig unschuldig und beabsichtigt, sich zu gegebener Zeit vor Gericht zu verteidigen", kündigt Beckers Sprecher Aaron Stephans an. Bis dahin sollten die Medien bloß nicht anfangen, zu spekulieren. Doch Zeit für Spekulationen bleibt genug. Erst am 13. September kommenden Jahres wird der eigentliche Prozess beginnen. Bis dahin müssen noch jede Menge Beweise gesichtet werden. 

Der dreimalige Wimbledon-Sieger und sechsfache Grand-Slam-Champion bleibt auf freiem Fuß – allerdings nicht unkontrolliert. Wenn er reisen will, was er für seine Kommentatoren-Jobs häufig tut, muss Becker das zwei Tage zuvor bei der Insolvenzbehörde anmelden. Sein Reisepass ist bei den Anwälten hinterlegt. 

Einen Antrag, diese Auflagen zu lockern, lehnte das Gericht ab. Es gebe ein gewisses Risiko, dass Becker sich sonst ins Ausland absetze und man die Kontrolle über ihn verliere.

Larissa Schwedes/DPA

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