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Conrad Murray: Jackson-Leibarzt wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Er war nach dem Tod schnell ins Visier der Ermittler geraten, nun hat die Staatsanwaltschaft in Los Angeles Anklage gegen ihn erhoben: Conrad Murray, der frühere Leibarzt von Michael Jackson, muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.

Im Zusammenhang mit dem Tod von Popstar Michael Jackson hat die Staatsanwaltschaft in Los Angeles Anklage gegen dessen früheren Leibarzt Conrad Murray erhoben. Die Klage laute auf fahrlässige Tötung, teilte das Büro des Distriktstaatsanwalts von Los Angeles am Montag mit. Murray soll dem Popstar am 25. Juni das Narkosemittel Propofol als Schlafhilfe injiziert und damit den Herzstillstand des Stars verursacht haben.

Der Arzt habe sich dabei "ungesetzlich" verhalten, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft. Da Murray ohne "bösartigen Vorsatz" gehandelt habe, sei von fahrlässiger Tötung auszugehen. Darauf stehen nach kalifornischem Recht bis zu vier Jahre Haft.

"Die Welt fordert Gerechtigkeit für Michael!"

Murray wollte nach Angaben seines Anwalts noch am Montag zu einer Anhörung vor Gericht in Los Angeles erscheinen. Jacksons Eltern Katherine und Joe sowie seine Geschwister Tito und LaToya trafen dort bereits ein. Demonstranten schwenkten vor dem Gebäude Spruchbänder mit Parolen wie "Die Welt fordert Gerechtigkeit für Michael!"

Der Klageerhebung waren siebenmonatige Ermittlungen der Polizei und der Gerichtsmedizin vorangegangen. Murrays Praxen in Las Vegas und Houston wurden in Polizeirazzien durchsucht. Bei der Autopsie von Jacksons sterblichen Überresten war nach Justizangaben eine "tödliche Dosis" von Propofol festgestellt worden. Das Mittel wird in der Medizin zur Narkose vor Operationen eingesetzt und soll nur im Krankenhaus verabreicht werden.

Propofol als Schlafmittel nicht geeignet

Als Schlafmittel ist Propofol laut Experten nicht geeignet. Murray gab in den Verhören nach Justizangaben zu, dem Star auf dessen wiederholte und ausdrückliche Aufforderung Propofol gespritzt zu haben. Jackson litt unter schwerer Schlaflosigkeit, er nahm das gefährliche Mittel als Einschlafhilfe.

Jacksons Familie hatte bereits vor Tagen kritisiert, dass die Klage gegen den Arzt nur auf den relativ schwachen Straftatbestand fahrlässige Tötung lauten solle. Eine Anklage etwa wegen Totschlags würde eine schwerere Strafe nach sich ziehen. Familienanwalt Brian Oxman bezeichnete die Anklage als "Schlag ins Gesicht". Der Arzt hätte dem Star niemals das Narkosemittel geben dürfen, weil "bekannt war, dass Jackson Gefahr lief, durch solche Medikamente zu Tode gebracht zu werden".

AFP / AFP