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Dänisches Königshaus: "Bald essen sie von Plastiktellern"

Den Verfall der royalen Esskultur gab er als Kündigungsgrund an: Der Chefkoch von Königin Margrethe von Dänemark, Takashi Kondo, verlässt das Königshaus und packt über royale Essgewohnheiten aus.

Nach 24 Jahren am dänischen Hof kann Chefkoch Takashi Kondo, 58, den Verfall der royalen Esskultur nicht mehr ertragen und will kündigen. "Wenn es so weitergeht, werden sie das Tafelsilber weglegen und sich ihr Essen auf Plastiktellern mit Monogramm servieren lassen", klagte der gebürtige Japaner am Dienstag in der Zeitung "Ekstra Bladet" bitterlich.

"Mehr kümmerlich als königlich" und mit seiner Berufsehre unvereinbar findet es der Kochkünstler, wenn ihm Hofmarschall Ole Ullerup nahe legt, Königin Margrethe II., 66, und Ehemann Prinz Henrik, 71, doch auch mal hin und wieder eine in der Mikrowelle aufgewärmte Mahlzeit zu kredenzen. "Die Seele ist weg, heute geht alles nur noch um Rationalisierung und mehr Effektivität", seufzt Kondo über die Folgen von Etatkürzungen auch in der Hofküche von Schloss Amalienborg. Er sei beileibe nicht der einzige mit tiefem Frust: "Alle müssen nur noch rennen und sich beeilen. Die Freude an der Arbeit ist dahin."

Ausgaben für Essen drastisch gekürzt

Dass er jetzt jährlich nur noch umgerechnet 73.000 Euro statt knapp 85.000 Euro wie zu Beginn seiner Arbeit am Hof für die Gaumenfreuden seiner royalen Arbeitgeber verbrutzeln und verbraten darf, stellt den an Vier-Sterne-Niveau gewohnten Koch vor enorme Herausforderungen: "Die Königin und der Prinz sitzen ja weiter jeden Tag um 13 Uhr am Mittagstisch und erwarten ihre drei oder vier Gänge."

Bitter stößt ihm dabei auch auf, dass die Sparbemühungen am Hof auf dem Rücken des Dienstpersonals ausgetragen würden. Laut "Ekstra Bladet" beträgt sein Gehalt 19.773 Kronen (2670 Euro), damit würde Kondo im reichen Dänemark eindeutig zu den "armen Schluckern" gerechnet werden. Und tatsächlich hatte es mehrfach in den letzten Jahren öffentlich Konflikte wegen der ausgeprägt niedrigen Bezahlung des Hofpersonals gegeben.

Zum Chefkoch degradiert

Hofmarschall Ullerup hatte Kondo unlängst vom obersten "Küchenchef" zum bloßen "Chefkoch" degradiert und das mit mangelhafter Einhaltung der Finanzvorgaben begründet. Schikaniert fühlt sich der Koch von seinem Chef auch durch die Bemerkung: "Ihr Asiaten löst Probleme ja auf eure Art." Er habe nichts gegen freundliche Witzeleien seiner zwei Mitköche und drei Küchenassistenten in Richtung "Na du Schlitzauge". Wenn ein Chef ihn aber als "Asiate" abkanzele, sei das eine Kränkung. Der Hof lehnte wie üblich bei Personalangelegenheiten jeden Kommentar ab.

DPA / DPA
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