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Entscheidung über Anklage: Michael Jacksons Leibarzt steht vor Gericht

Gut eineinhalb Jahre nach Michael Jacksons Tod hat das Verfahren gegen seinen Leibarzt begonnen. Eine Anhörung soll darüber entscheiden, ob Conrad Murray wegen fahrlässiger Tötung der Prozess gemacht wird. Die Verteidigung will offenbar auf Selbstmord plädieren.

Mehr als anderthalb Jahre nach dem Tod von Michael Jackson versucht die US-Justiz jetzt die Schuldfrage zu klären. Vor einem Gericht in Los Angeles begann am Dienstag das Verfahren gegen den Leibarzt des Popstars, Conrad Murray, mit einer Anhörung. Darin soll über eine mögliche Anklage gegen den Mediziner entschieden werden. Als erster Zeuge sollte Jacksons Choreograph Kenny Ortega aussagen. Zum Auftakt erschienen auch Jacksons Mutter Katherine sowie seine Schwester LaToya und sein Bruder Jackie. Ob sich Familienmitglieder auch vor Gericht äußern werden, blieb zunächst unklar.

Anhörungen zur tatsächlichen Aufnahme von Strafverfahren sind normalerweise Routine-Angelegenheiten, bei der lediglich ein oder zwei Zeugen gehört werden. Der Zeitung "Los Angeles Times" zufolge ist im Fall Murray allerdings mit dem Auftritt von bis zu 35 Zeugen zu rechnen, darunter Medizinexperten und Ermittlungsbeamte sowie Sicherheitsleute und Angestellte, die vor Jacksons Tod anwesend waren. Die Anhörung könnte daher bis zu zwei Wochen dauern.

Murray weist Schuld an Jacksons Tod von sich

Murray soll Jackson kurz vor dessen Tod am 25. Juni 2009 das starke Beruhigungsmittel Propofol gegen seine Schlaflosigkeit gespritzt haben. Die Autopsie ergab später, dass der 50-Jährige an einer Überdosis des Mittels starb. Es wird normalerweise nur bei Operationen verwendet und ist nicht für den häuslichen Gebrauch zugelassen. Murray wird daher fahrlässige Tötung zur Last gelegt. Dem 57-jährigen Kardiologen wird vorgeworfen, keine angemessene medizinische Ausrüstung verwendet und nicht rechtzeitig einen Notarzt verständigt zu haben. Die Rettungssanitäter soll er anschließend im Unklaren über Jacksons Zustand gelassen haben.

Murray räumt zwar ein, Jackson Propofol verabreicht zu haben, weist aber jede Schuld am Tod der Pop-Ikone von sich. Richter Michael Pastor muss nun entscheiden, ob genügend Beweise vorliegen, um dem Arzt überhaupt den Prozess zu machen. Murrays Anwalt Joseph Low sagte, er rechne mit einem Prozess.

Verteidigung könnte auf Selbstmord plädieren

Die Anklage geht davon aus, dass Murrays Verteidiger auf Selbstmord plädieren werden. "Ich denke, die Verteidigung wird die These vertreten, dass Michael Jackson sich selbst tötete", sagte der stellvertretende Staatsanwalt David Walgren vergangene Woche. Murrays Anwälte wollen demnach argumentieren, dass Jackson nachts aufgewacht sei und sich in Abwesenheit seines Leibarztes selbst eine Überdosis Propofol injiziert habe. Murray genoss bis zum Tod des "King of Pop" einen einwandfreien Ruf als Kardiologe. Bis auf wenige Ausnahmen hat sich der 57-Jährige seit dem Tod des Popstars nur selten öffentlich geäußert. In einer Videobotschaft im August 2009 erklärte er, er habe "alles getan", was er konnte und sagte, er vertraue darauf, "dass sich die Wahrheit durchsetzen wird".

Jackson war am 25. Juni 2009 im Alter von nur 50 Jahren an Herzversagen gestorben. Murray war im Februar 2010 wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden, er ist gegen eine Kaution von 75.000 Dollar auf freiem Fuß. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm vier Jahre Haft.

mad/AFP/DPA / DPA