HOME

Frauendomäne Schönheit: Männer zupfen, lackieren und laden den "Akku"

In Sachen Schönheit erobern immer mehr Männer früheres Frauenterrain. Auch seriöse Geschlechtsgenossen verleihen ihren Augen durch gefärbte Wimpern mehr Ausdruck oder zupfen ihre Augenbrauen.

Lila lackierte Fingernägel bei dem britischen Fußballer David Beckham beseitigen letzte Zweifel: In Sachen Schönheit erobern Männer immer mehr früheres Frauenterrain. Auch seriöse Geschlechtsgenossen verleihen ihren Augen durch gefärbte Wimpern mehr Ausdruck oder zupfen ihre Augenbrauen, um nicht "wie Theo Waigel rumzulaufen", sagt zum Beispiel Birgit Nake, Kosmetikerin in Frankfurt am Main. Schönheitsoperationen, Wellness-Urlaube und Besuche bei der Kosmetikerin sind längst keine Frauen-Domäne mehr. Die Schönheitsbranche insgesamt wittert wachsende Geschäfte - und ihre Vertreter sprechen gerne von der neuen Lust des starken Geschlechts am "Verwöhn-Effekt" ihrer Angebote.

Markt für Herrenkosmetik wächst

Der Markt für Herrenkosmetik sei weltweit im Wachsen begriffen, berichtet der Verband der Vertriebsfirmen kosmetischer Erzeugnisse (VKE). Deutschlands Männer gaben im vergangenen Jahr 610 Millionen Euro für Herrenkosmetik aus, ermittelte der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel. Wie viel die Herren in Pflegeprodukte investierten, die sowohl Männer als auch Frauen benutzen können, ist nicht bekannt. Besonders bei teuren Cremes und Wässerchen greifen sie immer häufiger zu: Der Umsatzanteil der Herrenprodukte an der so genannten Luxuskosmetik ist im Jahr 2001 nach Angaben des VKE um 9 Prozent auf gut 20 Prozent überdurchschnittlich stark gewachsen.

Im Jahr 2001 legten denn auch zwei Drittel der deutschen Männer "großen Wert darauf, immer gepflegt auszusehen", wie die vom Burda Verlag herausgegebene Marktforschungs-Studie "Typologie der Wünsche Intermedia" ergab. Dem Trend entsprechend hat die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein in diesem Jahr erstmals einen Mann auf dem Titelbild ihres "Magazins für Beauty und Wellness" abgebildet. Mit Gurkenmaske liegt er verträumt lächelnd in der Badewanne.

Auch Männer wollen sich was Gutes tun

Auf deutschen Schönheitsfarmen machen die Herren der Schöpfung inzwischen gut ein Drittel aus. "Vor etwa acht Jahren waren vielleicht drei Prozent der Gäste Männer", berichtet Gabriele Bergmann, Vorsitzende des rund 30 Mitgliedsfarmen zählenden "Ersten Deutschen Beauty- und Wellnessfarm Verbandes". Unter ihren Besuchern hat Bergmann festgestellt, dass sich die Männer in erster Linie etwas Gutes gönnen wollen. Erst in zweiter Linie gehe es ihnen um Schönheit. "Zwar wird gesagt, dass gepflegte Männer erfolgreicher sind", meint Bergmann, "wichtiger ist ihnen aber, sich verwöhnen zu lassen. "Akku aufladen" nennen das die Männer."

Der optische Erfolg bei Frauen zählt

Das Verwöhnen ist auch beim Einsatz von Pflegeprodukten zu Hause wichtig: "Wenn ich ein hartes Wochenende hatte und mich schlecht fühle, benutze ich auch mal Körperpeeling und Selbstbräuner, das ist dann so eine Art Home-Wellness-Programm", erzählt ein 27 Jahre alter Angestellter in einer Hamburger Werbe-Agentur. Aber der optische Erfolg bei Frauen zählt ebenfalls, "schließlich stehe ich auch auf aufgetakelte Tussis und nicht auf verlotterte Öko-Tanten".

Sich die Pflegeprodukte selbst zu kaufen, ist manchen Vertretern des starken Geschlechts noch peinlich. Der Hamburger etwa benutzt die Tuben und Tiegel seiner Mutter oder seiner Freundin. Einmal habe er sich in einer Drogerie Selbstbräuner gekauft, ihn dann aber als Geschenk einpacken lassen. "Sowas zu kaufen, kommt einfach deftig uncool", erklärt er.

"Ein Mann, der etwas für seine Schönheit tut, gilt als weibisch oder 'vom andern Ufer'", bestätigt Bergmann. Deshalb sei der Begriff "Schönheit" für Männer problematisch. Ihr Beauty- und Wellnessverband habe sich auch aus diesem Grund von dem früheren deutschen Namen "Schönheitsfarm-Verband" getrennt. In Anbetracht von Beckhams lilafarbenen Nägeln sorgt sie sich allerdings nicht um den Schönheitsmarkt für Männer: "Wenn sich jetzt schon Fußballer die Fingernägel lackieren, schwant mir ja einiges für die Zukunft", sagt sie lachend.

Themen in diesem Artikel