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Geschwister: Aus dem Schatten der Schwester

Wenn die große Schwester Britney, Lindsay und Kylie heißt, ist das verlockend. Denn was die eine schon erreicht hat, liegt für die andere zum Greifen nah: Erfolg, Ruhm und eine Stange Geld. Die Strategien der Frauen mit bekanntem Nachnamen: Kopieren, was das Zeug hält - oder eine Marktnische suchen.

Von Christina Gest

Erst öffentlicher Rosenkrieg, dann peinliche Luder-Exzesse und jetzt der vergeigte Comeback-Auftritt bei den MTV Awards. Britney Spears Karriereende scheint besiegelt - doch der Teeniestar-Ersatz steht schon in den Starlöchern. Was die Große versaut hat, kann sich nun nämlich die Kleine zueigen machen: Jamie Lynn, 16-jährige Britney-Schwester, umgibt perfekt die einstige Lolita-Spears-Aura aus reiner Weste und reiner Haut. Nachname und Optik haben "Mini-Me" Spears schon in jungen Jahren einen ganz einträglichen Nebenverdienst eingebracht. Sie spielt die Hauptrolle in der Teenie-Serie "Zoey 101", die bereits in der vierten Staffel im US-Kinderkanal Nickelodeon läuft. Und natürlich singt sie, wenn auch bisher nur den Titelsong zur Serie. Ein geplantes Album, auf dem sie mit Aaron Carter und der großen Schwester im Duett trällern sollte, hat sich jedoch im Sande verlaufen - bisher.

Jamie Lynn Spears ist ein typischer Schwestern-Klon. Ihre Strategie: sich hemmungslos am verwandten Vorbild vergreifen - was besonders dann gut funktioniert, wenn jenes Vorbild gerade karrieremäßig ins Straucheln gerät. Nicht ganz unschuldig an der intrafamiliären Rivalität sind die "Momager". Diese Gattung von Müttern ist dafür bekannt, ihrem Nachwuchs in Sachen Karriere Feuer unterm Hinter zu machen. Und wenn Momager gleich zwei Töchter am Start haben, sind sie große Klon-Motivatoren, wie neben der Spears-Mutter Lynne auch die Lohan-Mutter Dina beweist. Denn während Lindsay im Moment Britney-gleich von einem Unglück ins nächste schliddert, wird Aliana Lohan schon zum nächsten, psychisch noch intakten Sternchen der Familie aufgebaut. 2006 brachte die erst 13-Jährige ihre erste CD raus, gefülllt mit herzzerreißenden Weihnachtsliedern. Kleinere Auftritte in Lindsays Filmen wurden bereits arrangiert und die große Schauspielkarriere ist in Arbeit.

Ähnlichkeit erwünscht

Ohne ihre große Schwester, die Sängerin und Schauspielerin Jessica stünde wohl auch Ashlee Simpson nicht da, wo sie heute ist. Zunächst tanzte Ashlee in Jessicas Gefolge. Dann reichte der 22-Jährigen dieses Schattendasein nicht mehr. Sie ging - Jessica hatte es vorgemacht - mit einer eigenen Show bei MTV auf Sendung und ließ sich beim Berühmtwerden filmen. Damals gab Ashlee den punkigen Avril-Lavrigne-Verschnitt, lackierte sich die Nägel schwarz und trug die Haare dunkel. Sie heimste einen Plattenertrag ein - und erzählte aller Welt, dass sie ja so völlig anders sei als Jessica. Um das zu untermauern, gab sie so wunderschöne Statements von sich wie "Ich kann das ganze Alphabet rülpsen." Vielleicht kam das nicht so gut an, vielleicht rieten ihr Berater zur Generalüberholung. Zwei Jahre später jedenfalls wurden Ashlees Haare blonder, die Outfits knapper und sie ließ Nase und Kinn chirurgisch schmälern. Jetzt steht die dritte Platte an und Ashlee verkörpert das sexy Texas-Babe - genau das Image, das Schwester Jessica zuvor schon hilfreich war. Nur hat die gerade Karrieresorgen: Angeblich ist ihr jüngster Film "Blonde Ambition" so schlecht, dass er gar nicht erst in die Kinos kommen wird. Zufall?

Das Warten auf den Absturz der berühmten Schwester hat hingegen die Kategorie von Schwestern nicht nötig, die sich auch ohne offensichtliches Abkupfern einen Namen gemacht hat - und das sogar trotz der optischen Ähnlichkeiten! Mónica und Penélope Cruz beispielsweise kann man kaum auseinanderhalten: die gleiche tiefbraune Mähne, der gleiche Rehblick, hinreißend. Mónica ist 30 und die Jüngere von beiden, kann aber auch auf eine stattliche Karriere zurückblicken - als Tänzerin. Sie studierte Ballet und reiste sechs Jahre lang in der Flamenco-Truppe von Joaquín Cortés durch die Welt. Natürlich blieb es nicht bei Auftritten auf der Bühne. 2002 bekam Mónica die Hauptrolle in der erfolgreichen spanischen TV-Tanz-Serie "Un paso adelante". Und der erste richtig große Auftritt der kleinen Cruz ist auch schon in der Mache. Sie spielt im neuen Astrix-Film, der 2008 in die Kinos kommen soll. Mag sein, dass ihr der bekannte Nachname geholfen hat. Nötig hat sie es nicht gehabt.

Liv und Mia Tyler teilen zwar nur die Gene ihres Vaters Steve, trotzdem ist auch bei diesen Halbschwestern die Verwandtschaft unübersehbar. Bis auf eine Kleinigkeit: Während Liv sich elfengleich durch die "Herr der Ringe"-Triologie schauspielerte, ist Mia ziemlich drall und ziemlich tätowiert - verdient aber genau damit ihr Geld. Sie modelt für Übergrößen und wurde von einer Agentur entdeckt, als sie noch ein Teenager war. Seitdem verdingt sich die 28-Jährige als Frauenrechtlerin in Sachen Kurven. Jedes Interview, jeden TV-Auftritt nutzt sie für Lobeshymnen auf die weiblichen Pfunde: "Es ist egal, was andere Leute denken. Es geht nur darum, den Frieden in dir zu finden." Solche Sätze sind im Size-Zero-Land eine echte Marktlücke und so erfolgreich, dass die 28-Jährige ihre Philosophie im kommenden Frühjahr auch als Buch herausbringen will.

In manchen Fällen verbietet sich das Klonen von selbst. "Überall, wo ich hinkomme, war Kylie schon", soll Dannii Minogue mal geklagt haben. In den 80ern waren beide Minogue-Schwestern in ihrer Heimat Australien TV-Kinderstars. Doch dann geriet Kylie an das Musik-Produzententeam Stock Aitken Waterman, damals ein Garant für große Pophits, und ließ sich einige griffige Titel auf den Leib schreiben. Die stürmten weltweit die Charts und Kylie wurde zur Pop-Königin erkoren. 20 Jahre ist das her. Danniis Lösung: Sie hat sich Kylie-freie Nischen gesucht und die bringen ihr in Australien und Großbritannien respektablen Erfolg ein. Zum einen moderiert sie diverse TV-Sendungen - vom Morgenmagazin bis zur abendfüllenden Show. Derzeit sehen immerhin jeden Samstag fast zehn Millionen Briten zu, wie Dannii als Jury-Mitglied von "X-Factor" Möchtegern-Stars begutachtet. Zum anderen spielte sie hochgelobt in einem Musical, ist eine gefragte DJane und, ja, sie macht Musik. Nach sechs Alben kann sich Dannii Minogue damit brüsten, mehr Hits in den britischen Dance-Charts gehabt zu haben als jede andere Künstlerin - inklusive Kylie.