Hubba Bubba wird 30 Die Bubble-Gum-Story

Sie sind knallbunt, es gibt sie kugelrund, in Würfeln, am Band und in Drageeform: Bubble Gums. Einer ihrer bekanntesten Vertreter feiert jetzt Jahrestag: Hubba-Bubba. Zur Welt gekommen zwischen Coca Cola, Cadillac und Caprisonne. Falsch! Gerade mal zarte 30 ist das Kultprodukt.
Von Silke Roth

Schon allein beim Wort "Bubble Gum" schweben unsere Gedanken in Riesen-Retroblasen. Erinnerungen an Pustefix, Wassereis-Stangen und Pixie-Bücher werden wach. Doch die Liebe zur zähen Kaumasse zwischen den Zähnen ist alt. In Mode gekommen lange bevor es Zahnbürsten, Limonaden und synthetische Süß-stoffe gab. Die alten Griechen sammelten Baumharze, die mittelamerikanischen Maya bevorzugten Fichtenrinden und Eskimos liebten elastischen Walfischspeck. Allen gemein: Sie kauten. Gegen Karies, Hungergefühl oder für den nötigen Energiekick beim Jagen.

Bubble Gums sind im Gegensatz zu den bekannten Streifen-Kaugummis weicher und weniger klebrig. Ihre dicke Grundmasse besteht aus reichlich Aroma, Süßstoff, Sirup und einem wesentlichen Anteil an Gummibase.

Prominente Kau-Boys und -Girls machten es vor

John Wayne, James Dean, Doris Day und Uschi Obermaier sind oder waren bekannte Kaugummikauer. US Soldaten brachten die Gummis nach Deutschland, heute werden sie auch von Fußballtrainern gekaut. Diverse Kaugummisorten überschwemmten bereits in den Zwanzigerjahren den amerikanischen Markt, doch lediglich Wrigley's Spearmint und Juicy Fruit setzten sich international durch. Sie propagierten erfolgreich, dass man mit 3g Gummimasse in der Backe einfach begehrenswerter aussah. Mitte der Fünfzigerjahre kam die kaubare Coolness nach Deutschland.

Wahrscheinlich waren es flotte Reklameberater in karierten Anzügen, die zwanzig Jahre später entschieden, dass Streifenmacher wie Wrigleys mit der Zeit gehen müssen. Halbstarke gehörten der Vergangenheit an, statt Schulmädchenreporten gab es nun die Sex Pistols und das (F)It(ness)-Girl der Stunde, Jane Fonda, ließ sich nur wenig für die zuckerhaltige Masse begeistern. Unter Zugzwang griff man zur Imagepolitur.

Zwei Blasenfreunde erobern Deutschland

Zuckerfrei Orbit für Aerobic-Fans, Hubba Bubba für unter Dreizehnjährige. Dank patentfreiem Rezept aus den Dreißigerjahren kreierte Wrigleys-Meisterstube aus der einfachen Geschäftidee ihren ersten Kinderkaugummi. Man warb damit, wie ultraweich, knallbunt, aufblasbar und garantiert schnell aus Gesicht und Haar zu entfernen das Produkt doch sei. Trotzdem gab es den Blasegummi 1978 vorerst nur in Deutschland. In Amerika gab es einfach schon zu viele Bubble-Gum-Sorten.

Wiedererkennungswert garantierten die Gesichter der Marke, Hubba und Bubba. In einer Welt der digitalen Konsolenspiele mutet es heute fast schon rührend an, wie analog die beiden Riesen-Comicblasen ihre spannenden Abenteuer erlebten. Die Blasen-Kumpels tauchten in YPS Heften, TV Spots und Hörspielen auf. Ort der Handlung war mal ein U-Boot, mal ein Boxring oder auch das Weltall. Das dazugehörige Produkt war Mitte der 80er Jahre inzwischen weltweit erhältlich. Lediglich die Geschmacksvorlieben variierten: Standen die Engländer auf Orange/Erdbeere, schworen die Mexikaner auf Ananas und die Deutschen auf Cola/Kirsch.

Der Kaugummi-König

Erste industriell hergestellte Kaugummis kamen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Davon angetan war auch ein gewisser William Jr. Wrigley, Sohn eines Seifenherstellers aus Philadelphia. Mit 29 Jahren und 32 Dollar in der Tasche kam er 1890 nach Chicago. Leider brachten Vaters Seifen nicht den erhofften Reichtum. Also legte er der Seife ein Päckchen Backpulver bei, was sich verkaufsfördernd auswirkte. Worauf Wrigley ins Backpulvergeschäft einstieg und wiederum jeder Packung zwei Streifen Kaugummi beilegte. Mit solchem Erfolg, dass Wrigley 1893 komplett auf Kaugummiproduktion umsattelte, um den süßen Wachstumsmarkt mit findigen Geschäftsideen zu erobern. 1915 schickte die frisch gegründete Wm. Wrigley Jr. Company an 1,5 Millionen US-Bürger vier Streifen ihrer Hausmarke, 1919 verschickte man nochmals 7 Millionen Briefe. Dreizehn Jahre später starb Firmengründer Wrigley. Im Zweiten Weltkrieg standen kauende GI's an den Fronten und brachten Wrigleys Streifenware nach Europa. Was daraus entstand, ist eine Erfolgsstory, die amerikanischer nicht sein könnte. Mit gut einem Drittel Weltmarktanteil verteidigt der Kaugummi-König bis heute sein Imperium. Vertrieb in rund 180 Ländern. Jahresumsatz: 5,39 Milliarden Dollar.

Neustart in den Neunzigern

Nach dem Hype der 80er Jahre machten Hubba und Bubba erstmal eine tiefe Krise durch. Die mitgewachsene Zielgruppe pubertierte und Wrigleys bekam ihre Launen in Form von sinkendem Absatz und geringer Markenrelevanz zu spüren. Diagnose der Neunziger: Zu uncool - zu kindlich.

Kurz vor dem endgültigen Ableben der Marke startete der Mutterkonzern mit neuer Marketingoffensive. Ziel: Hubba Bubba wieder flott zu machen. Die Werbeikonen mussten einer Gang hipper TV Charaktere weichen. Street Life statt Biene-Maja-Image war nun angesagt. Die Produktauffrischung mit Namen wie "Tape", "Max" und "Glop" wurde flankiert von neuen Werbewegen wie Online-Banner und Handy-Communities.

Honeymoon im Süßwaren-Olymp

Erstaunlich schnell kam die Genesung. Mit 33% Marktanteil im Bubble-Segment sind Hubba Bubbas Riesenblasen heute wieder dick im Geschäft. Und Sorgen, dass die Marke erneut platzen könnte, müssen wir uns künftig nicht machen. Wrigley stopft seit einiger Zeit Umsatzlöcher im Hauptsegment mit der Einführung wiederverschließbarer Drageeboxen und medizinischer Dentalpflege. Zur Sicherheit ging der amerikanische Mutterkonzern auch noch eine feste Bindung ein. Name des Auserwählten: Mars. Mitgift: 23 Milliarden Dollar.

Mehr zum Thema

Newsticker