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Jack Black: Hollywoods komischer Kauz

Kleines Bäuchlein, unrasiert, die Haare ungekämmt: Jack Black entspricht nicht gerade den Schönheitsidealen Hollywoods. Dafür sprüht der 38-Jährige vor Charme und Situationskomik. Jetzt kommt Black mit der Komödie "Abgedreht" in die deutschen Kinos. stern.de hat den Schauspieler in Los Angeles getroffen.

Nun mal ganz ehrlich, hätten Sie jemals damit gerechnet, dass Ihre "Masche" in Hollywood zum Erfolg führen würde?

Meine Masche? Okay, Sie haben mich durchschaut, ich bin ein Aufschneider, ein Betrüger. Oh mein Gott, ich bin überführt.

Genau das meinen wir ja mit Masche. Sie sind ein Komiker, der nicht so richtig ins Schema passt.

Ich war schon als kleiner Junge ein Mensch, der gerne in andere Charaktere gerutscht ist. Dadurch ist meine eigene Identität wohl ein bisschen ins Hintertreffen geraten. Noch heute ertappe ich mich dabei, wie ich auf dem Highway auf die Tube drücke, weil ich glaube, ein bisschen Tom Cruise in "Mission: Impossible" in mir zu haben.

In Ihrem neuen Film "Abgedreht" spielen Sie einen Typen, der alte Filme wie "Ghostbusters" oder "Indiana Jones" für eine Videothek mit sehr geringen finanziellen Mitteln neu aufnimmt. Welchen Film haben Sie am liebsten nachgestellt?

Mir hat "Ghostbusters" gut gefallen. Vor allem unsere Version des Songs fand ich viel besser als das Original.

Das Improvisieren scheint Ihnen im Blut zu liegen, oder?

Ich muss noch einmal an meine Jugend erinnern. Ich war keines von diesen reichen Kindern, die mit einer Kamera durch die Gegend liefen, um kleine Filme zu machen. Ich hatte gerade mal einen Kassettenrekorder. Na klar, musst du da mit sehr viel Fantasie an deine Spielnachmittage herangehen.

Sie sind seit einiger Zeit Vater. Und ein zweites Baby ist unterwegs. Wie ist es denn als Papa?

Ich sage meinem Sohn die ganze Zeit, dass er endlich mal ruhig sein soll, damit ich auch mal ein Wort rauskriege. Aber er will einfach nicht aufhören zu plappern. Unfassbar!

Das hat er wohl vom Vater?

Sagt meine Frau auch. Es ist natürlich ein tolles Gefühl, als Vater durchs Leben zu gehen. Auf einmal musst du erwachsen sein, Verantwortung übernehmen. Für einen Schauspieler ist das fast so schlimm, wie ein verpasster Botox-Termin.

Apropos, Botox. Sie haben Erfolg in Hollywood, obwohl Sie nicht, nun, wie Brad Pitt aussehen. Gibt Ihnen das Selbstvertrauen?

Zunächst einmal muss ich Ihrer Aussage natürlich ganz energisch widersprechen. Pitt ist ein Nichts im Vergleich zu meinem gemeißelten Kinn. Aber im Ernst: Ich war nie der Schönling, sondern immer der Komische, der sich am Rande des Spektrums bewegt. Ich glaube, dass ich heute meine Nische gefunden habe.

Welche Kinostars haben Sie eigentlich inspiriert?

Ich bin ein großer Jack Nicholson Fan. Seine alten Streifen sind einfach genial. Noch heute schaue ich mir "The Shining" oder "Einer flog über das Kuckucksnest" regelmäßig an.

Sie sprechen in der neuen Animation "Kung Fu Panda" den Pandabären Po. Macht Ihnen diese Arbeit Spaß?

Sie machen Witze, oder? Das ist der beste Gig der Welt. Viel Geld für einen Job, bei dem du mittags ins Aufnahmestudio kommst. In Jogginghosen und T-Shirt, wohlgemerkt. Dann arbeitest du ein paar Stunden und gehst wieder nach Hause.

Wie sind Sie denn als Panda?

Total cool. Ich beherrsche Kung Fu wie einst Arnold die Gewichte in Venice Beach.

Was machen Ihre musikalischen Talente. Gibt es Ihre Zwei-Mann-Band Tanatious D noch?

Na klar gibt's uns noch. Wir arbeiten an einem neuen Album. Musik macht mir Spaß, bringt mir einen gewissen Ausgleich zu meinem Leben als enorm erfolgreicher Hollywood-Star.

Sie machen sich noch lustig darüber, aber so langsam müssen Sie sich an diese Beschreibung tatsächlich gewöhnen.

Ach, man darf das alles nicht so ernst nehmen. Wenn ein Normalo wie ich in Hollywood Erfolg haben kann, dann besteht auch für andere noch große Hoffnung.

Interview: Frank Siering

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