Jackson-Prozess "Pinocchios Freudeninsel"


Auf der Neverland Ranch hat das Chaos regiert: Das berichtete Jacksons frühere Haushälterin vor Gericht. Betrunkene und randalierende Kinder waren dabei keine Ausnahme.

Kiki Fournier, die ehemalige Haushälterin Michael Jacksons, hat am Donnerstag vor Gericht ausgesagt, dass Jackson auf seiner Neverland Ranch enge Freundschaften zu mehreren Jungen im Alter von zehn bis vierzehn Jahren unterhalten habe. Vor der Jury beschrieb sie, wie sie einmal Jackson und vier bis fünf Jungen bewirtet hatte. Dabei "wirkten sie betrunken", so die Haushälterin. Im späteren Kreuzverhör räumte sie jedoch ein, dass sie die Kinder nie mit eigenen Augen beim Trinken beobachtet hatte.

"Ohne eine Autoritätsperson wurden die Kinder wild"

Während ihrer Zeit von 1991 bis 2003 auf der Neverland Ranch sei es manchmal drunter und drüber gegangen, sagte Fournier. Häufig hätten Kinder tage- oder wochenlang ohne ihre Eltern auf der Ranch verbracht. "Ohne eine Autoritätsperson wurden die Kinder wild. Ohne Eltern war es manchmal wie Pinocchios Freudeninsel."

Der Jury nannte Fournier die Namen von etwa zehn Jungen, die häufiger auf der Ranch zu Besuch waren. Unter ihnen ist auch der "Kevin allein zu Hause"-Schauspieler Macaulay Culkin. Jacksons Anwälte haben den Richter gebeten, Culkin als Zeugen zuzulassen. Der inzwischen 24-Jährige ist der Patenonkel eines der Kinder von Jackson.

"Sie machten alles kaputt"

Im Kreuzverhör sagte Fournier, das mutmaßliche Opfer und sein jüngerer Bruder hätten zum Ende ihres Besuchs auf der Ranch 2003 ihr Quartier zerstört. "Sie machten es kaputt", sagte sie. Auch habe der Bruder sie einmal in der Küche mit einem Messer bedroht, als sie abgewaschen habe. Die Verteidigung wirft den Brüdern vor, sie hätten auf der Ranch randaliert, seien in Jacksons Weinkeller eingebrochen und hätten von sich aus Pornografie angeschaut. Die Anwälte der Kläger hatten den Geschworenen zwei Tage zuvor pornografische Hefte gezeigt, die in Jacksons Schlafzimmer sichergestellt wurden.

Jackson wird vorgeworfen, 2003 einen heute 15-jährigen Jungen mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell belästigt zu haben. Jackson hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Seine Anwälte werfen der Mutter des Jungen vor, die Beschuldigungen erfunden zu haben, um damit Geld zu machen. Sollte Jackson verurteilt werden, drohen ihm mehr als 20 Jahre Haft.

Für die nächste Woche setzte Richter Rodney Melville eine Anhörung an, die klären soll, ob die Staatsanwaltschaft Beweismittel gegen Jackson verwenden kann, die im Zusammenhang mit dem Vorwürfen aus dem Jahr 1993 gesammelt worden waren. Damals zahlte der Popstar mehr als 20 Millionen Dollar, es kam zu keiner Anklage.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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