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Jackson-Prozess: Der Countown läuft

Hunderte Fans lauern vor dem Gerichtsgebäude in Santa Maria: Sie warten dort auf Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die ihre Eröffnungsplädoyers im Jackson-Prozess halten werden.

Mehr als ein Jahr nach der spektakulären Verhaftung von Michael Jackson beginnt die entscheidende Phase im Missbrauchprozess gegen den 46-jährigen Popstar. Hunderte von Fans aus aller Welt waren trotz strömenden Regens schon in den Nachtstunden eingetroffen und warteten auf die Ankunft ihres Idols.

Strategien der Anklage und der Verteidigung

Die Glaubwürdigkeit eines 15-Jährigen und seiner Familie werden nach Ansicht von Prozessbeobachtern letzten Endes maßgeblich für das Urteil gegen Michael Jackson sein. Die Schlüsselfrage des Verfahrens lautet: Hat der Popstar den damals 13 Jahre alten Krebspatienten mit Wein gefügig gemacht und ihn dann missbraucht? Einen Ausblick auf die Strategien von Anklage und Verteidigung dürften die Eröffnungsplädoyers vom Montag geben.

Zwei verschiedene Verfahren

Im Grunde gebe es zwei verschiedene Verfahren, sagt Laurie Levenson, Juraprofessorin an der Loyola-Universität: "den Fall der Staatsanwaltschaft gegen Michael Jackson und den Fall der Verteidigung gegen die Mutter des Jungen". Die Anklage zeichnet das Bild einer armen Familie, deren kranker Sohn eines seiner Idole treffen wollte. Der Wunsch des Kindes wurde erfüllt, aber der Traum - so die Argumentation der Staatsanwaltschaft - verwandelte sich in einen Albtraum. Der Junge sei auf Jacksons Ranch nördlich von Los Angeles eingesperrt und sexuell missbraucht worden.

Das Gericht gestattete der Staatsanwaltschaft, Ausschnitte aus einer Fernsehdokumentation zu zeigen, in der Jackson eingeräumt hatte, häufiger mit Kindern in einem Bett zu schlafen. In dem Film war auch das mutmaßliche Opfer mit dem Popstar zu sehen.

Zielscheibe Jackson

Die Verteidigung dagegen sieht den Angeklagten als eigentliches Opfer. Die Anwälte dürften ihre Strategie darauf stützen, Jackson als Zielscheibe einer geldgierigen Mutter darzustellen. Nachdem der berühmte Gönner sich von ihnen abgewendet habe, habe die Frau ihren Sohn dazu gebracht, Geschichten zu erfinden. Es galt als sicher, dass die Verteidigung auch ins Feld führt, dass die Mutter bereits andere des Missbrauchs bezichtigt habe. Zu Gunsten des Angeklagten werden möglicherweise Stars wie Elizabeth Taylor und Stevie Wonder in den Zeugenstand treten.

Mutter ist unglaubwürdig

Bereits in einer Anhörung am Freitag erhob Jacksons Anwalt Thomas Mesereau schwere Vorwürfe gegen die Mutter des Hauptbelastungszeugen. Er warf der Frau vor, in der Vergangenheit vor Gericht gelogen und die Sozialbehörden betrogen zu haben. Zudem habe sie Geld, das für ihren krebskranken Sohn bestimmt war, für eine Schönheitsoperation ausgegeben. Richter Rodney Melville kritisierte, Mesereau versuche schon vor seinem Eröffnungsplädoyer Stimmung gegen die Familie zu machen.

Die Auswahl der Geschworenen wurde in der vergangenen Woche abgeschlossen. In der zwölfköpfigen Jury ist kein Afro-Amerikaner, unter den acht Ersatzkandidaten befindet sich jedoch ein Schwarzer.

Linda Deutsch/AP / AP