Es war keine gewöhnliche Festrede. Als Königin Camilla (78) am Dienstag im Londoner St. James's Palace vor geladenen Gästen sprach - Schauspielerinnen, Politikerinnen, Überlebende von Gewalt und Missbrauch -, wählte sie eindringliche Worte. "An alle Überlebenden jeder Art von Gewalt, von denen viele ihre Geschichten nicht erzählen konnten oder denen nicht geglaubt wurde: Bitte wisst, dass ihr nicht allein seid. Wir stehen mit euch und neben euch - heute und jeden Tag - in Solidarität, Trauer und Mitgefühl", sagte die Ehefrau von König Charles III. (77) laut "The Times". Der Empfang im Palast markierte den Internationalen Frauentag und das 15-jährige Bestehen der Organisation Women of the World, deren Präsidentin Camilla seit 2015 ist.
Im Hintergrund dieser Worte steht natürlich der anhaltende Skandal um Ex-Prinz Andrew (66), der im Februar unter dem Verdacht der Amtspflichtverletzung festgenommen und elf Stunden lang befragt wurde. Ihm wird vorgeworfen, als britischer Handelsbotschafter vertrauliche Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) weitergegeben zu haben. Außerdem wird er seit Jahren mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs konfrontiert, die er bislang jedoch stets bestritten hatte.
Pelicot-Abzeichen und ein klares Symbol
Camilla trug an diesem Tag zwei rote Abzeichen: das Women-of-the-World-Logo und ein zweites mit der Aufschrift "Shame Must Change Sides" (auf Deutsch: "Die Scham muss die Seiten wechseln"). Es war ein Geschenk von Gisèle Pelicot (73), der französischen Frau, die ihren Ex-Mann und Dutzende weitere Männer wegen jahrelanger Vergewaltigung zur Anzeige gebracht hatte und damit weltweit Aufsehen erregte. Camilla hatte Pelicot im vergangenen Monat zu einem Tee im Clarence House empfangen. In ihrer Rede sagte sie, Pelicot habe ihr die Geschichte mit "Anmut, Stärke und vor allem Entschlossenheit" erzählt. Sie zitierte Pelicots Worte vor dem französischen Parlament: "Gesetze zu ändern ist weit einfacher als Einstellungen zu ändern."
Einen bemerkenswerten Teil ihrer Rede widmete Camilla dem digitalen Raum und seiner Wirkung auf junge Männer: "Es ist im Online-Bereich, wo Jungen und junge Männer viele der Werte aufnehmen, die sie bis ins Erwachsenenalter tragen werden. Wenn Frauenfeindlichkeit und Hass hier und jetzt nicht bekämpft werden, werden wir in Zukunft weit größeren Problemen gegenüberstehen." Männer und Jungen seien dabei keine Feinde des Fortschritts, betonte sie, sondern "unverzichtbare Partner".
Zahlreiche Stars waren vor Ort
Camilla forderte zudem konkrete Veränderungen in Schulen: "Im Klassenzimmer müssen alle Kinder lernen, was Einverständnis bedeutet - und was Übergriff ist." Zu den prominenten Gästen des Empfangs zählten unter anderem Dame Helen Mirren und Hannah Waddingham. Mirren sorgte mit einer Anekdote für Gelächter: Ihr Fahrer habe gefragt, wann denn der Internationale Männertag sei - worauf sie geantwortet habe: "Jeden verdammten Tag, alle 365."
Die Gästeliste des Empfangs las sich wie ein Who's who aus britischer Kultur und Politik. Neben Helen Mirren (80) und Hannah Waddingham (51) waren auch ihre Schauspiel-Kolleginnen Harriet Walter (75) und Miriam Margolyes (84) zugegen. Penny Lancaster (54), Ehefrau von Rocklegende Rod Stewart (81), nahm ebenso teil wie Baroness Floella Benjamin (76) und Bildungsministerin Bridget Phillipson (42).