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Schönheitswahn Warum Lil' Kim nicht Hass, sondern Mitleid verdient


US-Rapperin Lil' Kim hat mit einem Instagram-Foto eine heftige Debatte entfacht. Die 41-Jährige ist plötzlich weiß. Wir sollten sie nicht dafür anfeinden.

Kaum ein Thema hat in den vergangenen Tagen so sehr die sozialen Medien bewegt wie Lil' Kim. Die US-Rapperin hat auf Instagram ein Bild gepostet, auf dem sie nicht wiederzuerkennen ist: "Queen Bee" ist plötzlich weiß. Mit heller Haut, glatten, blonden Haaren und schmaler Nase präsentiert sie sich stolz der Öffentlichkeit. Nichts erinnert mehr an die Frau, die einmal schwarz war.

Dass Lil' Kim sich seit vielen Jahren unters Messer legt, ist nicht neu. Ebenso wenig, dass die Ergebnisse ihres Schönheitswahns nicht gerade erfreulich sind. Doch noch nie war der Schock über ihre Veränderung so groß wie jetzt. Warum?

Weil die Musikerin sich von ihrer Identität als Afroamerikanerin verabschiedet hat. Weil sie der Welt erklärt: Weiß ist schön. Schwarz nicht.

Dafür erntet Lil' Kim im Internet Unverständnis und Hass. Doch wir sollten sie nicht verurteilen. Vielmehr hat sie unser Mitleid verdient. Denn wie so viele ist auch Lil' Kim letztendlich nichts anderes als ein Opfer einer Gesellschaft mit kranken Schönheitsidealen.

Miami Heat!!! ???

Ein von Lil' Kim (@lilkimthequeenbee) gepostetes Foto am

Wer weiß ist, gilt als attraktiv

Bei Lil' Kim dürften viele Faktoren miteingespielt haben, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Fakt ist jedoch, sie hat das Bedürfnis, weiß zu sein, und das ist schlimm. Schlimm für sie und für viele andere, junge, schwarze Frauen in den USA. Weil ihnen konstant vermittelt wird, nicht schön genug zu sein - von Hollywood, von der Musikbranche, von der Kosmetikindustrie, und so weiter.

Viele schwarze Bloggerinnen und Journalistinnen haben sich jüngst zu Wort gemeldet und ihr Verständnis für Lil' Kim geäußert. Weil viele von ihnen ebenfalls lange mit ihrer Hautfarbe gekämpft haben und den Wunsch, weiß zu sein, kennen.

Die westliche Gesellschaft vermittelt ein krankes Schönheitsideal. Wer weiß ist, gilt als attraktiv. Dieses Ideal hat längst die ganze Welt erreicht. In Asien etwa ist es ganz normal und selbstverständlich, dass Hautaufhellercremes in den Verkaufsregalen stehen.

Es ist traurig, wenn dunkelhäutige Frauen davon berichten, morgens in den Spiegel zu gucken und sich zu wünschen, lange, glatte Haare und blaue Augen zu haben. Und es ist eine Schande, weil es zeigt, dass sie Rassismus erfahren. 

Lil' Kim und die Selbstwertprobleme

Lil' Kim hat vor vielen Jahren versucht, ihren Schönheitswahn zu erklären. "Ich hatte schon immer ein geringes Selbstwertgefühl", sagte sie in einem Interview mit "Newsweek". "Die Typen betrogen mich immer mit europäisch aussehenden, wunderschönen Frauen. Ich fragte mich: 'Wie kann ich mich dagegen behaupten?'. Ein normales, schwarzes Mädchen zu sein, reichte nicht mehr aus."

Die 41-Jährige war einst eine schöne, charismatische Frau. Es gibt wohl kaum jemanden, der das anzweifelt. Ihre Metamorphose begann, als sie Mitte zwanzig war, und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Die Geliebte des verstorbenen Rappers Notorious B.I.G. trug zunächst blaue Kontaktlinsen und blonde Perücken. Es folgten unzählige Schönheitsoperationen. Über die Jahre entstellte sich Lil' Kim regelrecht selbst.

Die Transformation von Lil' Kim ist das Resultat einer gestörten Selbstwahrnehmung - aber auch einer gestörten Gesellschaft. Der aktuelle Fall hält uns einen Spiegel vor: Schönheit hat in den Köpfen vieler sehr wohl mit Hautfarbe zu tun. Und diese Denkweise darf nicht sein.

Die Kritik sollte nicht Lil' Kim treffen. Sondern die Welt, der sie gerecht werden will.

Kim Schwarz

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