HOME

Ehemaliger Star-DJ: Was macht eigentlich ... DJ Tomekk?

DJ Tomekk feierte Ende der 90er Jahre internationale Erfolge – mit Grandmaster Flash oder Lil Kim.

DJ Tomekk: Was macht eigentlich der ehemalige Star-DJ heute?

DJ Tomekk, 42, beim Meditieren im Preußenpark in Berlin. Sein neuer Weg: Spiritualität statt Drogen

Sie schrieben kürzlich in Ihrem Blog: "Meinen eigenen Erfolg überlebt zu haben ist für mich eines der größten Wunder meines Lebens."

Ich verdiente früh als DJ schon richtig viel Geld. Ich fuhr ein Mercedes-G-Modell, da hatte ich noch nicht mal einen Führerschein. Mit 28 hatte ich ein Penthouse auf dem Ku'damm und eine amerikanische Ehefrau, die aussah wie mein Lieblingspornostar. Ich jettete zwischen Berlin, L. A. und New York. Ich fühlte mich wie ein Rockstar und lebte ein Klischee. Geld, Frauen, Partys und schnelle Autos. Aber der Erfolg hatte seinen Preis.

Welchen?

Ich wurde krank und ballerte mich irgendwann nur noch zu. Ich trank und nahm während meiner Auftritte Drogen. Es gibt Fotos, auf denen erkenne ich mich nicht. An einige Jahre meines Lebens kann ich mich kaum erinnern.

Was für Drogen nahmen Sie?

Na, alle.

Warum nahmen Sie Drogen?

Aus dem Grund, aus dem eigentlich alle Menschen Drogen nehmen: um irgendetwas besser auszuhalten. Im Zweifel mein Ego. Und ich will ganz ehrlich sein, es gehörte einfach dazu. Ich saß mal in der Playboy-Mansion, da hat sich neben mir Tommy Lee 'ne Ladung H in die Venen gejagt. Das hat mich nicht mal irritiert.

Was war Ihre Rettung?

Es gab zwei entscheidende Ereignisse: Zum einen stürzte ich bei einem Auftritt in Sibirien betrunken von der Bühne. Ich sah mich live in der MTV-Übertragung auf einem der Bildschirme, die Stirn voller Blut. Das war so peinlich. Etwas später hatte meine kleine Tochter einen schweren Unfall. Beide Ereignisse machten mir klar, wie wichtig das Leben ist. Ich war Vater. Ich hatte Verantwortung. Ich betete zu Gott. Der sagte zu mir: "Du wirst 'sober', und ich mache den Rest." Ein paar Jahre später schaffte ich den Absprung. Ich lebe seitdem komplett sober, clean. Keine Drogen, kein Alkohol.

Wie muss man sich Ihr neues Leben vorstellen?

Jedes Wochenende lege ich immer noch als DJ in Klubs auf, aber jetzt trinke ich Wasser. Schlafe danach. Ich helfe Leuten dabei, clean zu werden und coache sie. Ich meditiere morgens und abends. Ich lebe bewusster, halte Vorträge und gehe zum Yoga.

Was für ein Auto fahren Sie heute?

Ich kam mit dem Rad.

Einen Großteil Ihrer Jugend verbrachten Sie in einem Kinderheim im Wedding. Warum?

Mein Vater war Pianist und emigrierte 1986 mit mir zusammen aus Polen nach Berlin. Hier arbeitete er auf dem Bau. Er war ein Trinker, und daran ist er auch zugrunde gegangen. Ich habe ihn die letzten drei Jahre gepflegt, dann ist er in meinen Armen gestorben. Und wissen Sie, was ich da gespürt habe? Erleichterung. Nach seinem Tod kam ich ins Heim, weil ich in Deutschland bleiben und DJ werden wollte.

Wo war Ihre Mutter?

In Polen. Eigentlich sollte sie nachkommen, aber wegen des Kalten Kriegs durfte sie nicht einreisen. Von meinen ersten Jobs habe ich meiner Mutter einen Beautysalon gekauft und meiner Schwester das Studium bezahlt.

Ist Ihre Mutter stolz auf Sie?

Ja, sie war es. Sie starb leider vor fünf Jahren, ebenfalls an Alkoholismus. Auch ein Grund, warum ich heute anderen Menschen helfe. Denn ich möchte nicht, dass sich dieses Schicksal wiederholt. Ich habe mich fürs Leben entschieden. Sober und glücklich!

Themen in diesem Artikel